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Detroit Motor Show: Deutsche Hersteller im Aufwind

Foto: GEOFF ROBINS/ AFP

Detroit Auto Show Kraftprotze made in Görmany

Die Krise ist gerade mal ein gutes Jahr her - schon zelebrieren die Autofirmen auf der Messe in Detroit wieder den großen Auftritt. Vor allem die deutschen Hersteller trumpfen mit spektakulären Shows auf. Amerikaner und Chinesen machen sich dagegen fast unsichtbar.

Nimmt man das Publikumsecho als Maßstab, dann hätte der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche jetzt einen klaren Auftrag: den 918 RSR bauen und möglichst nicht nur für die Rennstrecke oder für 500 Auserwählte mit Millionenbudget. Als der Wagen am Montagmorgen auf die Bühne rollte, stand sogar das US-Frühstücksfernsehen für eine Live-Übertragung parat, an dem Stand war schon eine halbe Stunde vor Beginn der Show kein Durchkommen mehr. Im Internet überschlagen sich die Autobegeisterten und tauschen Fotodateien aus, wie weiland die Jungs auf dem Schulhof Sammelbilder.

Doch nicht nur Porsche probt bei der Auto Show in Detroit den großen Auftritt - auch die anderen deutschen Hersteller lassen es krachen. Zu den Stars zählen der Mercedes SLS E-Cell, ein quietschgelber Elektroableger des Supersportwagens. Der US-Passat von Volkswagen und der Paceman der BMW-Tochter Mini erweisen sich ebenso als Publikumsmagneten.

Wenn man überhaupt Spuren der 2009er-Krise entdecken will, muss man schon sehr genau hinsehen. Wenn überhaupt etwas fehlt, dann sind es die großen Show-Acts. So verzichtet Audi in diesem Jahr auf spektakuläre Auftritte wie von Bryan Adams oder Daimler-Chef Dieter Zetsche auf einen besonderen Knalleffekt wie vor zwei Jahren, als er wie Kai aus der Kiste einem Container entstieg, den ein Schwerlastkran auf die Bühne gehievt hatte.

Hysterischer Optimismus

Doch sonst? Zuversicht allerorten. Mehr Licht, mehr Monitore, mehr Hostessen, höhere Aufbauten. Das Wort Krise geht im Gewummer der großen Lautsprecheranlagen regelrecht unter. Und schreibt man es auf ein Kärtchen, so wird es vom grellen Scheinwerferlicht überstrahlt. Nein - von Krise will keiner mehr etwas wissen.

Dabei hätte vor einem Jahr kaum einer zu hoffen gewagt, dass Konjunkturspritzen und Verschrottungsprämien wirklich dauerhaften Schwung erzeugen könnten. Besonders in China und in den USA machten speziell die deutschen Premiummarken hohe Gewinne. Und so soll es weitergehen. Weltweit, so sagt es der Verband der Automobilindustrie (VDA) voraus, werden 2011 mehr als 64 Millionen Pkw neu zugelassen werden, acht Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Bemerkenswert ist auch, welche Modelle in diesem Jahr wieder zu den Brot-und-Butter-Autos gezählt werden: Da ist der mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte US-Passat, ein fast fünf Meter langes Dickschiff, das VW den Wiedereinstieg in den amerikanischen Markt beschleunigen soll. Oder der A6 von Audi, edel und teuer, mit viel Aluminium und besonders sparsamen Motoren. Auch für massige Geländewagen wie den BMW X5 und X6, die Mercedes M- und GL-Klasse oder den VW Touareg gilt der US-Markt als Eldorado.

US-Konzerne üben sich in Bescheidenheit

Natürlich wollen auch die US-Konzerne die Gunst der Stunde nutzen. Gute Laune und demonstrative Zuversicht gehören auch hier zum Pflichtprogramm der Repräsentanten. Doch leugnen können sie die Verwundungen der letzten zwei Jahre nicht, selbst die fast grenzenlos großen Messestände können das nicht kaschieren. Das Echo auf die Neuvorstellungen ist zwar groß, aber eben nicht überschwänglich. Aber auf die Titelseiten der lokalen Presse schaffen es natürlich Bill Ford mit seinem Versprechen, 7000 neue Jobs in Amerika zu schaffen, oder Fiat-Chef Sergio Marchionne, der für Chrysler ein Plus von 25 Prozent avisiert. Auch Dan Akerson, der neue Boss von GM, der gerade seine erste Auto Show als CEO absolviert, erntet freundlichen Applaus.

Doch vom Selbstbewusstsein der Deutschen sind die Heimspieler weit entfernt. Ford zelebriert die neue Bescheidenheit noch mit dem größten Aufwasch. Im Mittelpunkt steht die neue Kompaktplattform, die den Focus trägt und die der Idee vom Weltauto neues Leben einhauchen soll. Zu sehen ist der Focus als Limousine, der Focus als Fünftürer, der Focus als Kombi und der Focus als Sportmodell ST.

Ein Hingucker ist der neue SUV namens Vertrek, der in Europa den Kuga und in den USA den Escape ersetzen soll. Und Ford meint es mit der Neuausrichtung ernst: Gebaut werden die US-Modelle auf der Fokus-Plattform in einem aufwändig modernisierten Werk in Michigan, das früher die viel kritisierten SUV und Pickups gefertigt hat.

Auch die Öko-Fraktion soll weltweit vermarktet werden. Bill Ford verknüpft damit einen ähnlichen Anspruch wie vor hundert Jahren sein Ur-Großvater Henry mit dem Modell T: Kein singuläres Modell für ausgewählte Märkte, sondern sparsame Technik für jedermann - nur dass es heutzutage anders als beim T-Modell mehr Auswahl gibt. Geplant sind fünf Autos mit Hybrid-Antrieb, die in den USA noch alle bis 2012 auf den Markt kommen sollen, in Europa dann spätestens 2013.

Blass und planlos

Chrysler und GM wirken gegen Ford fast schon blass und eher planlos. Bei Chrysler schwärmt man vom neuen Luxus, den der frische 300er zurückbringt, und bei GM freut man sich über die Wahl zum "Car of the Year" für den Volt. Dabei steht das Auto jetzt schon zum dritten Mal auf der Messe in Detroit und ist erst in wenigen hundert Exemplaren auf der Straße. Ansonsten hält sich der angeschlagene Autoriese mit spektakulären Enthüllungen zurück - außer dem Rennstrecken-Comeback von Cadillac dreht sich vieles um vernünftige Autos wie den neuen Chevrolet-Kleinwagen Sonic, der den Aveo ersetzt, und den Buick Verano, der auch als Opel Astra Stufenheck durchgehen würde und die Technik des Rüsselsheimers nutzt.

SUVs und Pickups sind zwar auf der Messe und legen in den Statistiken wieder kräftig zu. Doch Publikumsmagneten sind sie nicht, sondern fallen eher in die Rubrik "unter ferner liefen...". Einzig echte Neuheit: der gewaltige GMC Sierra Pickup - und der ist nur eine Studie.

Noch zurückhaltender treten die Chinesen auf. Nur eine Marke ist da: BYD, mit einem Stand schräg gegenüber von Porsche und VW. Der sieht zwar ganz ordentlich aus, doch die Autos wirken wie graue Mäuse. Der neue Hybrid-Geländewagen S6 DM soll zwar 60 Kilometer rein elektrisch fahren können, hat aber nur 102 Benzin- und 14 E-PS und sieht aus wie ein alter Lexus RX. Und die elektrische Limousine e6 mit 250 Kilometern Reichweite erinnert verdächtig an einen Lada Kalina.

Kommentar eines Porsche-Manns vom Stand gegenüber: Der sieht aus wie eine Limousine, die das Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach mal als Billigauto für den chinesischen Markt entworfen hat - und zwar schon in den Achtzigern. Dieses Auto steht heute übrigens im Neuen Museum, und in China verkaufen sie doch lieber den Cayenne.

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