Detroit Auto Show Teppich im Sonderangebot

Detroit wird ab kommendem Wochenende für einige Tage wieder zum Mittelpunkt der Autowelt. Die dortige Motor Show zählt immer noch zu den wichtigsten Branchentreffs - auch wenn die Stimmung im 101. Jahr gedämpft ist und einige Autokonzerne der Messe fernbleiben.


Als die US-Autoindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Produktion wieder von Panzern auf Pkw umstellte, witterte Donald E. McNabb aus Milford in Michigan ein Geschäft: 1951 sollte nach einer Pause in Detroit wieder eine Automesse stattfinden. Statt über nackten Betonboden, legte McNabb den Ausstellern nahe, sollten die Besucher besser über Teppiche flanieren - das verleihe den Messetänden eine viel gediegenere Atmosphäre, so der gewitzte Anbieter von Auslegeware.

Das Argument verfing: Bis heute liefert die Firma McNabb, die sich auf die Ausstattung von Messen und Events aller Art, vor allem aber auf Automobilausstellungen, spezialisiert hat, die Teppiche für die Detroit Auto Show. Rund 6300 Quadratmeter sind das jedes Jahr, und Anfang Februar wird der gebrauchte, aber großteils noch bestens erhaltene, extra-strapazierfähige Bodenbelag zu Sonderkonditionen (ab 25 Dollar pro Quadratmeter) weiterverkauft.

Die Teppichfirma gehört somit zu den Gewinnern der Messe, die alljährlich nach offiziellen Angaben des Veranstalters der North American International Auto Show (NAIAS) die Kassen von Gewerbetreibenden in Südost-Michigan mit 500 Millionen Dollar auffüllt. Davon wandern allein 100 Millionen ins Stadtsäckel der notorisch kriselnden Metropole Detroit.

Denn die Zeiten, als Motown vor industrieller Kraft schier barst, sind lange vorbei. Seit den fünziger Jahren, als Detroit 1,8 Millionen Einwohner zählte, hat sich die Zahl der Bewohner auf derzeit rund 900.000 halbiert. Viele Autofabriken wurden geschlossen und der Glanz der großen Drei - General Motors, Ford und Chrysler - alle mit ihren Headquarters in oder dicht bei Detroit präsent, ist stark verblasst.

Große Show für ein paar Sekunden in den Nachrichten

Nur während der Auto-Show, die stets im Januar das Geschäftsjahr der Branche offiziell einläutet, wird alle Jahre wieder am ganz großen Rad gedreht. Vor allem die Medienpräsenz ist in der Cobo Hall in Downtown Detroit enorm. Für Hunderte von Kameraaugen wird eine Show zelebriert, die beweisen soll, dass die Autoindustrie, und ganz besonders deren US-amerikanische Protagonisten, noch immer ganz vorne mitspielen.

Unvergessen zum Beispiel ist die Showeinlage des damaligen Chrysler-Chefs Bob Lutz - heute ist der Mann übrigens Vice President von General Motors -, der 1992 am Steuer eines Jeep Grand Cherokee durch eine Glasscheibe in die Messehalle preschte, das die Splitter nur so stoben. Ein Auftritt so ganz nach dem Geschmack der Pressefotografen. Das spektakuläre Foto vom wohlkalkulierten Auftritt erschien am nächsten Tag auf der Titelseite von Dutzenden von US-Zeitungen.

Autos zwischen Flinten und Angelruten

Die erste Auto Show fand im Dezember 1907 in "Beller's Beer Garden" im Riverview Park statt. Natürlich wurde dort ein Ford Model T ausgestellt, jenes Fahrzeug, mit dem die Massenmobilisierung, die Fließbandfertigung und auch der Aufstieg Detroits zur Autokapitale begann. Doch die Veranstalter - es war die Detroit Auto Dealers Association, kurz: Dada - trauten dem Automobil als Publikumsmagneten noch nicht so recht. Und so wurde neben den Benzinkutschen auch auch noch Jagd- und Angelzubehör ausgestellt. Der Eintritt kostete damals übrigens 50 Cent.

Das Ticket für die aktuelle Auto-Show, die für das Publikum vom 19. bis zum 27. Januar geöffnet sein wird, kostet 12 Dollar. Rund 90 Aussteller zeigen ihre Neuheiten, knapp 50 Premieren bekommen die US-Besucher dafür zu sehen. Erwartet werden knapp 800.000 Interessierte im Cobo Conference Center nahe des Detroit River, wo die Ausstellung seit 1965 stattfindet.

Lexus- und Infinity-Premiere waren der Durchbruch

Der Durchbruch zu einer der weltweit führenden Automessen gelang der Show in Detroit 1988. Damals wurde erst die Cobo-Hall und damit einhergehend die Ausstellungsfläche deutlich vergrößert. Und die Messemacher starteten eine Tingeltour durch die Chefetagen der Autokonzerne, um Detroit vor den anderen US-Automessen in Chicago, Los Angeles und New York zu positionieren.

In Japan stieß ihr werben auf Interesse, denn sowohl Toyota als auch Nissan planten für das Jahr 1988 das US-Debüt ihrer neuen Luxuslabels Lexus und Infinity. Die Platzierung dieser Premieren im Zentrum der US-Autoindustrie gefiel den Strategen in Japan. Und die Messemanager in Detroit freuten sich über das überaus hohe Medieninteresse an diesen Debüts. Der Nimbus der Detroit Auto Show als Nummer eins in den USA war geschaffen.

Inzwischen macht vor allem die kaum zwei Monate zuvor stattfindende Los Angeles Auto Show, die in den vergangenen Jahren gehörig zulegte, dem Messeveteranen in Motown zu schaffen. Porsche zum Beispiel nimmt erstmals seit Jahren nicht an der NAIAS teil, war aber in Los Angeles präsent; die Kundschaft, so heißt es beim Sportwagenbauer aus Zuffenhausen, konzentriere sich eben mehr an der Westküste der USA. Solange aber die großen Drei in der Automobilwelt mitmischen, wird die Detroit Auto Show als Heimspiel der US-Konzerne zelebriert - auf rotem Teppich von Donald E. McNabb.



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