Detroit Autoshow Parade der Edelhengste

Mercedes, Jaguar, Chevrolet: Zahlreiche Premiumhersteller fahren mit spektakulären Edelkarossen auf die Detroit Autoshow. Doch die Stimmung beim 100. Jubiläum der Mega-Messe wird getrübt sein. Vor allem US-Autobauer kämpfen mit drastischen Umsatzeinbrüchen.


Hamburg – Ab dem kommenden Sonntag werden sie wieder die Cobo Hall am Detroit River stürmen: Über 700.000 Fachbesucher und Automobilbegeisterte aus aller Welt werden zum 100. Jubiläum der North American International Autoshow erwartet. Die Messe, die traditionell das Autojahr einläutet, ist eines der wichtigsten Barometer für die Branche. Denn der amerikanische Automarkt mit mehr als 16 Millionen verkauften Neuwagen pro Jahr gilt weiterhin als der mit Abstand wichtigste der Welt.

70 automobile Neuheiten werden in diesem Jahr auf der Messe vorgestellt. Vor allem die Ankündigung neuer Nobelkarossen und schicker Sportwagen sorgte bereits im Vorfeld für Aufsehen. So stellt Mercedes das viertürige Highend-Cabriolet Ocean Drive vor, das sich an die Krösusse unter den Kunden wendet. Zudem präsentieren die Stuttgarter die Diesel-Studie Vision GL 420 Bluetec. Das "Power SUV" verfügt nach Herstellerangaben über einen V8-Dieselmotor mit 294 PS, der ein Drehmoment von 700 Nm entwickelt. Gleichzeitig soll das Aggregat etwa 9,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrauchen und mit Hilfe der verwendeten Bluetec-Technologie deutlich weniger umweltschädliche Emissionen verursachen als vergleichbare Diesel.

Als Bluetec bezeichnet Mercedes ein Abgasreinigungssystem, das vor allem die Stickoxide verringern soll. Diese fallen bei Dieselmotoren in größerem Ausmaß an als bei Benzinern. Die Abgasreinigung erfolgt mit Hilfe von Oxidations-, NOx-Speicher- und SCR-Katalysatoren sowie mit Partikelfiltern und der Einspritzung der wässrigen Harnstofflösung "AdBlue" ins Abgas. So werden Bluetec-Fahrzeuge laut Mercedes "die saubersten Dieselmodelle der Welt". Der Vision GL 420 Bluetec erfülle bereits die strenge US-Abgasnorm BIN 5. Zu erkennen ist die Studie an einer markant gepfeilten Frontpartie mit einem dominanten Kühlergrill, weit ausgestellte Kotflügel und 21-Zoll-Schlappen.

Cherolet zeigt erstmalig Camaro-Cabrio

Jaguar gibt auf der Messe einen Ausblick auf die nächste Generation des Mittelklasse-Modells S-Type: Der Konzeptwagen C-XF soll die neue Designrichtung von Jaguar andeuten. Der Viertürer übernimmt zwar viele Merkmale des vor Jahresfrist eingeführten Sportwagens XK, geht aber noch weiter. Unter der Haube hat der Brite einen 4,2 Liter großen Achtzylinder mit Kompressor aus dem XKR, der in der Studie etwa 420 PS leisten soll.

Die britische Nobelmarke Rolls-Royce wartet in Detroit erstmals mit der Serienfassung des Luxus-Cabrios Drophead Coupé auf. Der offene Zweitürer basiert in auf dem monumentalen Experimentalfahrzeug 100EX, mit dem das Unternehmen im Jahr 2004 für Aufsehen gesorgt hatte.

Chevrolet wiederum zeigt in einer Studie, wie das Cabrio des neuen Camaro aussehen wird. Der Flitzer mit markanten Scheinwerfern und LED-Rückleuchten soll in Detroit erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Unter der Haube arbeitet ein V8-Motor mit Schaltgetriebe. Zu den äußeren Kennzeichen des Sportwagens gehören ein Heckspoiler mit eingebautem LED-Bremslicht, an klassischen Camaros orientierte Kiemen im hinteren Kotflügel sowie ein Lufteinlass auf der Motorhaube. Der Innenraum des Cabriolets ist in starkem Hell-Dunkel-Kontrast gehalten. Der neue Camaro soll 2009 in den USA auf den Markt kommen. Das Cabrio folgt nach dem Coupé.

US-Hersteller schwächeln, deutsche feiern Rekorde

Doch trotz all dieser Aufsehen erregenden Premieren - eitel Sonnenschein herrscht in Detroit keinesfalls. Nicht nur, weil der permanente Arbeitsplatzabbau der Geburtsstadt der US-Autoproduktion sichtlich zusetzt und zunehmend andere Automessen – etwa die in Los Angeles - dem "Klassiker" Konkurrenz machen. Die Partystimmung wird vor allem dadurch getrübt, dass der US-Automarkt spürbar kriselt. Angesichts hoher Spritpreise stiegen die US-Autokäufer im vergangenen Jahr verstärkt auf benzinsparende Modelle um, was vor allem die US-Produzenten hart traf. Insgesamt wurden in den Vereinigten Staaten nach Angaben der US-Organisation Autodata 16,5 Millionen Fahrzeuge verkauft - 2,6 Prozent weniger als 2005.

Allein der größte Autobauer der Welt, die Opel-Mutter General Motors, musste einen Absatzrückgang von 8,7 Prozent auf gut vier Millionen hinnehmen. Der angeschlagene Konkurrent Ford, der in den ersten drei Quartalen einen Verlust von sieben Milliarden Dollar eingefahren hatte, verkaufte 2006 auf dem Heimatmarkt nur noch rund 2,9 Millionen Fahrzeuge und damit acht Prozent weniger als im Vorjahr.

Weitgehend unberührt von diesem Trend blieben dagegen die deutschen Autobauer: Sie fuhren 2006 auf dem schwierigen US-Markt Rekorde ein. BMW, Mercedes und Porsche erzielten Bestmarken beim Absatz. Vor allem BMW war bei den Käufern beliebt. Die Münchener übertrafen mit 313.603 verkauften Fahrzeugen die Bestmarke aus dem Vorjahr noch um 2,1 Prozent. Porsche übertraf mit 36.095 Auslieferungen die bisherige Rekordmarke sogar um sieben Prozent. Treiber des Wachstums waren die 911er- und die Boxster-Baureihe. Bestmarken im Gesamtjahr erzielte Mercedes mit einem Absatzplus von 10,5 Prozent auf 248.080 Fahrzeuge. Sieben Prozent weniger setzte dagegen Chrysler ab, wie Autodata mitteilte.

har/dpa/AP/Reuters/gms



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.