Mobilität

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Deutsche Hersteller auf der IAA

Quartett voller Überraschungen

Undichte Stellen in der internen Kommunikation ließen schon manche Messe-Überraschung platzen. Bei dieser IAA jedoch gelang es, die Mauer des Schweigens aufrechtzuerhalten - und so boten Mercedes, BMW, Opel, Ford und VW wirkliche Weltpremieren.

Von , Frankfurt

Dienstag, 11.09.2007   14:24 Uhr

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Frankfurt - Die Jagd nach Neuigkeiten ist kurz vor dem Beginn einer Messe hektisch wie sonst nie. Diesmal gelang es bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA), die am Donnerstag offiziell eröffnet wird, vor allem den deutschen Herstellern, ihre größten Überraschungen für das Publikum im Vorfeld geheim zu halten. Am ersten Pressetag eröffnete BMW heute den Reigen der Veranstaltungen, Konzernchef Norbert Reithofer kündigte die "größte Modelloffensive" der Marke an, und als erstes Modell kurvte das Concept X6 auf die Bühne.

BMW nennt den Wagen Sports Active Coupé – womit die Autowelt um das Kürzel SAC bereichert wäre. "Dieses Auto eröffnet eine neue Dimension moderner Fortbewegung", schwadronierte Reithofer. Offiziell nennen die Münchner das Auto noch Konzeptfahrzeug, doch "ich garantiere Ihnen", sagte Reithofer, "wir werden den Wagen in ähnlicher Form auf die Straße bringen". Zur Antriebstechnik verlor er kein Wort. Allerdings fuhr zum Abschluss der Premiere noch ein weißes X6-Modell mit Hybridantrieb vor, das von einem V8-Benziner und zwei Elektromotoren bewegt wurde.

Baumgeister und Diesotto-Neuerung F700

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Unmittelbar nach BMW startete der Konkurrent Mercedes seine große IAA-Show. Auf einer rund 50 Meter langen Bühne führten zunächst elastische junge Menschen einen Tanz der Fluss- und Baumgeister auf. Die Natur wurde beschworen in der Festhalle, wo die Stuttgarter residieren, schließlich trugen die Tänzer sogar ein Automodell aus Blattwerk und Ästen übers Podest. Dann kam Konzernchef Dieter Zetsche. Er kündigte an, mit neuen Modellen "in Richtung emissionsfreie Zukunft" fahren zu wollen. Das interessanteste und bislang noch geheim gehaltene Auto der Armada aus 19 Zukunftsmodellen ist das Forschungsfahrzeug F700.

"Wir arbeiten daran, die besten Eigenschaften von Diesel- und Ottomotor zu verbinden", sagte Zetsche. So ein Diesotto-Aggregat, also ein unter gewissen Umständen selbstzündender Benzinmotor, steckt im F700. Der 1,8-Liter-Vierzylinder leistet erstaunliche 238 PS, wird bei Bedarf von einem Elektromotor unterstützt, und verbraucht lediglich 5,3 Liter auf 100 km/h – was einem CO2-Ausstoß von 127 Gramm je Kilometer entspricht.

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"Sie sehen, man kann auch künftig große Limousinen bauen und dennoch sparen", erklärte Zetsche. Optisch ist der 5,17 Meter lange F700 hoffentlich kein Ausblick auf die Mercedes-Limousinen-Zukunft, denn die Karosserie wirkt einerseits durchaus futuristisch, andererseits aber auch sehr gewollt und übertrieben – jedenfalls kein bisschen elegant oder lässig-souverän.

VW-Studie mit Happyface

Um Eleganz geht es bei VW ganz und gar nicht. Stattdessen wollen die Wolfsburger endlich wieder ein Massenauto bauen, das an die Tradition des Käfers als Generalmobilmachungs-Vehikel anknüpft. Der neue Konzernchef Martin Winterkorn ließ daher gleich nach seinem Amtsantritt die Studie Up auf Kiel legen. Es sollte "ein kleiner, purer, frecher Volkswagen werden, der seiner Umwelt Respekt zollt".

Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg sieht die Messe als Bewährungsprobe für das 3,45 Meter kurze Wägelchen mit Heckmotor und Happyface, wie die VW-Leute das knuffige Gesicht des Autos nennen. "Die Resonanz der IAA-Besucher ist ein entscheidender Test, ob die Studie ähnliches Potential besitzt wie einst der Käfer und heute der Golf." Als Tribut an die gegenwärtige Klima-Diskussion besitzt das Auto ein Instrument, das den CO2-Ausstoß anzeigt.

Originelle Opel-Studie Flextreme

Opel steigt mit seiner Studie Flextreme eine Klasse höher ein. Das Auto im Format eines kompakten Vans fährt elektrisch und hat, sozusagen als Minikraftwerk, noch einen Dieselmotor an Bord. Mindestens so neu wie die Antriebstechnik ist aber auch das Design, oder besser der komplette Aufbau. Statt einer Heckklappe gibt es zwei Flügeltüren, die den Zugang zum Kofferraum öffnen. Und zusätzlich gibt es sozusagen ein Kellergeschoss für Gepäck, das von einer dritten Klappe im Souterrain des Hecks geöffnet oder verschlossen wird. Ob solch ein Wagen tatsächlich das Zeug zur Serienreife hätte, wird derzeit von den Opel-Ingenieuren geprüft. Jedenfalls wäre ein Auto nach Art des Flextreme für Opel mal wieder ein Aushängeschild für Originalität.

Ford wiederum hat den Prozess der Erneuerung schon fast hinter sich. Die Formensprache Kinetic Design prägt inzwischen fast alle Autos – nur das Kompaktmodell Focus sah bislang noch eher altbacken aus. Jetzt nicht mehr, denn zu aller Überraschung kündigte Ford-Chef Bernhard Mattes einen komplett überarbeiteten Focus an. Bereits drei Jahre nach dem Debüt bekommt das Auto nun eine völlig veränderte Karosserie verpasst – was enorme Kosten verschlingt, denn nur das Dach entspricht noch dem bisherigen Modell. "Wir sind", sagt ein Ford-Sprecher, "eben immer für eine Überraschung gut."

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