Deutsche Umwelthilfe ATU und Pit-Stop verweigern Rußfiltertausch

Wer einen wirkungslosen Dieselrußfilter besitzt, kann diesen kostenlos austauschen lassen - darauf hatten sich Umweltminister Sigmar Gabriel und der Kfz-Verband ZDK verständigt. Nach Angaben von Umweltaktivisten spielen die großen Werkstattketten jedoch nicht mit.


Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft ATU und Pit-Stop vor, vielen Kunden den kostenlosen Austausch von unwirksamen Rußpartikelfiltern verweigert zu haben. Dem Verein lägen mehrere Dutzend Briefwechsel vor, in denen die beiden Unternehmen mit Verweis auf eine Kulanzregelung der Bundesregierung vom Austausch abraten, teilte die DUH am Montag in Berlin mit.

Einbau eines Rußpartikelfilters: Eine Nachrüstung kostet mit halbstündigem Einbau etwa 650 Euro.
DDP

Einbau eines Rußpartikelfilters: Eine Nachrüstung kostet mit halbstündigem Einbau etwa 650 Euro.

"Es ist katastrophal, dass die Kulanzregelung zum Anlass genommen wird, den Austausch hinauszuzögern", sagte DUH-Sprecher Gerd Rosenkranz. Die Regelung sieht vor, dass die Betriebserlaubnis für unwirksame Dieselfilter auch weiterhin erhalten bleibt und betroffene Autofahrer in den Umweltzonen verschiedener Großstädte weiter fahren dürfen.

Im Herbst vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass in rund 40.000 Dieselfahrzeuge wirkungslose Partikelfilter eingebaut wurden. Die Bundesregierung hatte sich daraufhin mit dem Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) geeinigt, den Besitzern betroffener Autos einen kostenlosen Austausch zu garantieren. Die Rußpartikelfilter sollen die Feinstaubemissionen von Dieselfahrzeugen reduzieren.

ATU wies die Vorwürfe der DUH zurück. "Wir tauschen die Filter aus, sofern es ein funktionierendes System auf dem Markt gibt", sagte ATU-Sprecher Markus Meißner. Dies sei bei 70 Prozent der betroffenen Rußpartikelfilter der Fall. Für weitere 30 Prozent seien voraussichtlich bis zum Sommer 2008 Nachrüstfilter erhältlich. Auch bei Pit-Stop hieß es, die Vorwürfe seien nicht zutreffend.

Der ZDK in Bonn appellierte heute an Autofahrer mit wirkungslosem Rußpartikelfilter, möglichst bald ihre Werkstatt aufzusuchen. Sie sollten sich im Internet ( diesel-filter-tausch.de) über den kostenlosen Austausch mangelhafter Dieselfilter informieren. Autobesitzer hätten "einen Anspruch auf einen Austausch eines mangelhaften Filters, ohne dass ihnen dafür Kosten entstehen", so ZDK-Sprecher Helmut Blümer.

"Alle anders lautenden Meldungen - insbesondere der betroffenen Filterhersteller oder auch deren Lieferanten - sind ohne Bedeutung." Der ZDK wolle jedem einzelnen Fall nachgehen, selbst wenn die Werkstatt nicht Mitglied der Kfz-Innung sei.

hil/AFP/ddp



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