Deutschland-Rallye Driften für das Marketing

Nächstes Jahr soll die Deutschland-Rallye in den elitären Kreis der Weltmeisterschaftsläufe aufgenommen werden. Die Generalprobe am Wochenende lief blendend. Die Automobilhersteller erhoffen sich von dem Spektakel einen Imagegewinn für den deutschen Markt.


Röhrende Motoren sollen das Geschäft mit Serienfahrzeugen anheizen
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Röhrende Motoren sollen das Geschäft mit Serienfahrzeugen anheizen

Sämtliche Querelen und Eitelkeiten wurden begraben, um das eine Ziel zu erreichen: Einen Rallye-WM-Lauf nach Deutschland zu holen. Die beiden großen Automobilclubs ADAC und AvD, sonst je mit einer eigenen Rallye-Veranstaltung im Motorsportkalender präsent, kooperierten diesmal und stellten eine beeindruckende Veranstaltung auf die Beine.

Über drei Tage und eine Gesamtlänge von 1179 Kilometern - davon rund 350 Kilometer in 18 Wertungsprüfungen - gab sich die internationale und deutsche Rallye-Crème im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg die Ehre. Der amtierende Weltmeister Marcus-Grönholm (Finnland) startete in seinem Peugeot 206 WRC ("World Rallye Car"), das Ford-Team entsandte den Topfahrer Fracois Delecour (Frankreich) im Focus RS WRC, die Citroen-Equipe schickte Philippe Bugalski (Frankreich) im Xsara WRC an den Start und für Skoda trat das deutsche Drift-Ass Armin Schwarz im Octavia WRC an. Insgesamt 18 Fahrzeuge der Rallye fuhren bei dieser Deutschland Rallye mit.

Viele Piloten dachten vor allem schon an das kommende Jahr und nutzen die Gelegenheit zum Training und Kennenlernen der Strecke unter Wettbewerbsbedingungen. Obwohl sich neben Deutschland auch Belgien, Japan, die USA und der Libanon um einen WM-Lauf bewerben, gilt es in der Szene als nahezu sicher, dass die Rallye zwischen Trier und St. Wendel den Zuschlag erhält. Die Strecken gelten als besonders abwechslungsreich und zuschauerfreundlich. Die fünf Wertungsprüfungen des ersten Tages fanden in den Weinbergen an Mosel und Ruwer statt. Am zweiten Tag standen sieben Wertungsläufe auf den rutschigen Betonstraßen des Truppenübungsplatzes Baumholder statt und am Schlusstag schließlich nahmen die Cracks sechs Asphalt-Prüfungen im Saarland unter die Ralley-Reifen.

Am Samstag, als die Piloten ihre Autos über die Kurse "Maiwald", "Erzweiler" und "Panzerplatte" jagten, kamen rund 500.000 Zuschauer an die Strecken, um spektakuläre Sprünge, Drifts und Quersteller zu erleben. So etwas imponiert natürlich auch den Herstellern, die sich im Rallye-Sport engagieren. Aus dem Hause Ford war zum Beispiel Vorstands-Vize Bernhard Mathes angereist, um sich vor Ort von der Begeisterung anstecken zu lassen.

Rallyes sind vermutlich auch deshalb so populär, weil dort "normale" Autos fahren: man sieht, dass da ein Ford Focus oder Puma, ein Seat Cordoba, Toyota Corolla, Subaru Impreza, VW Golf oder Peugeot 206 um die Ecke geschossen kommt. Und auch der Techniktransfer zwischen Rallye-Auto und Serien-Fahrzeug ist tatsächlich vorhanden. Günther Steiner, Chef-Konstrukteur des Ford WRC-Teams, sagt: "In unserem Wettbewerbs-Auto stecken 25 Prozent Serienteile. Und viele andere Komponenten, die wir leicht verändert nutzen, fließen dann wieder in die Serie zurück." In der Formel 1 ist ein solcher Austausch undenkbar.

Damit der Marketing-Effekt des Rallye-Engagements endlich auch in Deutschland, dem größten Automobilmarkt Europas, zum Tragen kommt, fehlt eigentlich nur noch ein WM-Lauf. Dass der im kommenden Jahr voraussichtlich Ende August an der Mosel, im Hunsrück und im Saarland zu Stande kommt, scheint nach der gelungenen Generalprobe vom Wochenende nur noch eine Formsache. Die Hersteller wird es freuen. Schließlich kostet ein WRC-Team pro Jahr nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 50 Millionen Mark.



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