Die Zehn ...cleversten Cabrio-Details

Einfach nur ein Auto mit aufklappbarem Dach zu bauen - das reicht heute nicht mehr. So jedenfalls sehen es viele in der Autoindustrie, deshalb entwickelt mancher Hersteller für die offenen Modellen spezielle Extras. SPIEGEL ONLINE zeigt zehn durchaus pfiffige Finessen.

Seit die Fahrzeughersteller das versenkbare Metalldach wiederentdeckt haben und das Roadster-Revival begann, wurde eine Flut offener Autos auf die Straßen gespült. Nun stehen die Unternehmen vor der Herausforderung, der Cabrio-Klientel noch etwas mehr als nur ein abnehmbares Dach zu bieten, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Und so gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Details, die den Frischluftgenuss im Auto schöner, komfortabler und sicherer machen - und nach Ansicht der Marketingleute bei der Kaufentscheidung bisweilen den Ausschlag geben.

"Cabrios werden nie aus rein praktischen Gründen gekauft. Die Emotionen haben hier beinahe freien Lauf", sagt Nick Margetts vom Marktforschungsinstitut Jato Dynamics. "Es gilt die Devise: wenn schon, denn schon. Also ja zu Leder, ja zu größeren Alufelgen, ja zu Navigationssystem und Windschott." Weil schon der Grundpreis eines Cabrios tendenziell höher liegt als der von Modellen mit fest verschweißten Dächern, und weil mit jedem Extra die Kasse noch mal klingelt, sind Cabrios echte Umsatzbringer. Marktforscher Margetts: "In der Summe der gewählten Optionen wird das Cabrio für den Käufer zum individuellen Einzelstück und für Hersteller und Händler zum herrlichen Gewinnbringer. Und alle sind glücklich."

SPIEGEL ONLINE zeigt ein Auswahl von speziellen Cabrio-Extras, die als Details den Wagen wenigstens ein bisschen aus der Masse hervorheben - und manchmal durchaus auch sinnvoll sind.

Nackenheizung

Gerade zum Beginn der Open-Air-Saison leiden Cabrio-Fahrer am Witterungsdilemma. Denn selbst die beste Klimaanlage kann den Wetterbericht nicht aushebeln, und so zieht offen fahren in diesen Tagen meist einen Schnupfen nach sich. Um das zu verhindern, hat beispielsweise Mercedes beim SLK den sogenannten Airscarf eingeführt, bei dem ein Gebläse in der Sitzlehne warme Luft in den Nacken fächelt. Das funktioniert so gut, dass die Technik auch bei anderen Modellen und Herstellern eingesetzt wird: Außer Mercedes SL fahren nun auch das Audi A5 Cabrio und der Peugeot 308 CC (Foto) mit Nackenföhn vor.

Schiebedach im Cabrio-Verdeck

Ganz oder gar nicht - mehr Alternativen gibt es nicht für Cabrio-Fahrer. Doch einige Autos haben für Unentschlossene im Verdeck auch noch ein Schiebedach integriert. So lässt sich bei Smart Fortwo Cabrio, Mini Cabrio, beim neuen Fiat 500 C und beim Citroën C3 Pluriel die Frischluftzufuhr feiner dosieren. Als einziges Cabrio mit versenkbarem Stahldach bietet der VW Eos (Foto) diese Möglichkeit.

Hitzereflektierendes Leder

Frauen im Minirock und Männer in kurzen Hosen können ein schmerzliches Lied davon singen: Nur mal kurz in der Sonne abgestellt, heizen sich vor allem dunkle Ledersitze oft so stark auf, dass es beim Platz nehmen richtig weh tut. Moderne Cabrios wie etwa der BMW 6er oder der Audi A5 bieten gegen Aufpreis eine spezielle Beschichtung der Ledersitze und Konsolen, die UV-Strahlen reflektieren und den Temperaturanstieg bremsen. Mit Hilfe dieser sogenannten Cool-Pigmente kann die Temperaturdifferenz im Vergleich zu herkömmlichem Leder bei dunklen Farben bis zu 20 Grad betragen.

Akustik-Verdeck

Cabrios mit versenkbarem Stahldach bieten im Vergleich zu Stoffkappen einen besseren Geräusch- und Klimakomfort. "Von wegen", erregen sich die Techniker bei Audi, denn dort bietet man das sogenannte Akustik-Verdeck für die Cabrio-Varianten des A3 und A5 an. Mit einer zusätzlichen Dämmschicht kommen die Textildächer auf vergleichbare Komfortwerte wie eine Limousine und halten so mit der Hardtop-Fraktion Schritt. Als Extra spendiert Audi dem Akustik-Dachhimmel des A5 Cabrio zwei kleine LED-Spots, mit denen der Fonds besser ausgeleuchtet wird.

Windschott

Sonne ja, Sturm nein. Weil zu viel Wind schlecht für die Frisur ist, schützen sich viele Cabrio-Fahrer mit einem Windschott. Ein schlichtes Netz oder ein Stück Plexiglas, das beim Roadster zwischen den Kopfstützen und beim Viersitzer über der Rückbank aufgespannt wird, tilgt bis weit jenseits des Landstraßentempos die meisten Luftwirbel. Diese Extras gibt es - zumeist gegen Aufpreis - für jedes offene Auto. Doch besonders pfiffige sind selten. Rühmliche Ausnahmen sind das Windschott im BMW 6er, das auf Knopfdruck hinter der Rückbank auftaucht, oder das Netzgestell im Volvo C70. Denn dort sind zwei Reißverschlüsse eingearbeitet, durch die sich Taschen oder Jacken auf die Rückbank legen lassen, ohne gleich die ganze Konstruktion abbauen zu müssen.

Wettervorhersage

Skifahrer haben den Schneebericht, Segler den Küstenwetterbericht und Binnenschiffer hören im Radio den aktuellen Pegelstand von Rhein und Ruhr. Für Cabrio-Fahrer gibt es nichts dergleichen, oder? Doch! Zumindest BMW lässt die Kunden nicht im Regen stehen und hat den Internet-Dienst BMW Online um die Rubrik Cabrio-Wetter erweitert. Auf Knopfdruck lässt sich so abrufen, ob und wann das Dach geöffnet werden kann - und wann am aktuellen Standort mit Niederschlägen zu rechnen ist.

Cabrio-Airbags

Front und Seitenairbag sind auch im Cabrio kein Problem, doch den üblicherweise im Dachholm montierten Kopfairbag, der sich bei einem Unfall vor die Seitenfenster legt, bekommt man im Cabrio nicht unter. Deshalb haben einige Hersteller spezielle Prallkissen entwickelt, die solche Airbagvorhänge ersetzen sollen. Im Volvo C70 (Foto) poppt der Luftsack aus der Türkonsole, beim Porsche 911 und beim Peugeot 308 CC wurden die Seitenairbags so weit nach oben verlängert und stabilisiert, dass sie auch den Kopf polstern können.

Ladehilfe

Für Fahrer mit viel Gepäck ist ein offenes Verdeck ein Fluch, denn es beansprucht oft schon die Hälfte des Kofferraumvolumens. Besonders bei Autos mit versenkbarer Metallhaube schrumpft die Ladeluke mitunter auf Briefkastenschlitzformat zusammen. Autos wie der Opel Astra Twin-Top lösen das Problem mit einer Art Lastenaufzug: Per Knopfdruck lässt sich dort das gesamte gefaltete Dachpaket soweit anheben, dass man mühelos einen Koffer einladen kann, ohne gleich das Dach schließen zu müssen.

Verdeck-Fernbedienung

Oh wie cool - während man noch lässig vor der Eisdiele sitzt und am Cappuccino nippt, lässt das Auto schon mal die Dachhülle fallen. Weil das Eindruck schindet und zudem die aufgestaute Wärme aus dem Wagen lässt, koppeln immer mehr Fahrzeughersteller (Foto: BMW 3er) das automatische Dach an die Fernbedienung im Schlüssel: Ein Knopfdruck genügt, schon steht das Auto oben ohne da.

Cabrio-Uhr

Wie eine eingebaute Sonnenuhr zählt das Zusatzinstrument in der Neuauflage des Mini Cabrio die Wonnestunden des Frischluft-Fans und protokolliert auf dem Bordcomputer minutengenau, wie lange das Dach geöffnet war. Davon hat zwar keiner auch nur den geringsten Nutzen, doch plant BMW im Internet Tabellen und Wettbewerbe, in denen Mini-Fahrer ihre Zugluftunempfindlichkeit unter Beweis stellen können. Und ihre Finanzkraft. Denn das Messwerk gibt es nur in den teureren Ausstattungspaketen Pepper und Chili, für die BMW von 1500 bis 3000 Euro Aufpreis verlangt. Mini-Chef Wolfgang Armbrecht: "Die Kunden werden den Always-Open-Timer lieben."

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