Dienstwagen-Debatte EU-Kommissar Verheugen fährt weiterhin BMW

Die Klimaschutz-Debatte nimmt immer skurrilere Formen an: Nachdem EU-Umweltkommissar Dimas ankündigte, auf ein sparsameres Hybrid-Auto als Dienstwagen umzusteigen, hält Günter Verheugen dagegen: Der deutsche Kommissar will sich auch weiterhin im nagelneuen 7er-BMW kutschieren lassen.


Brüssel – Die EU-Kommission will bei der Anschaffung neuer Dienstwagen künftig stärker als bisher deren Spritverbrauch berücksichtigen. Wie bei Gebäuden oder Computern sollten auch bei Autos strenge Regeln zur Energieeffizienz zum Tragen kommen, sagte heute ein Sprecher der Brüsseler Behörde. Er reagierte damit auf Informationen, wonach EU-Umweltkommissar Stavros Dimas von seinem Dienst-Mercedes aus Klimaschutzgründen auf ein japanisches Auto mit kombiniertem Benzin- und Elektromotor umsteigen will.

Doch nicht jeder will da mitziehen: Der deutsche Industriekommissar Günter Verheugen habe gerade einen neuen 7er BMW mit Dieselmotor als Dienstwagen bekommen, sagte sein Sprecher. Verheugens Fahrzeug stößt nach Herstellerangaben 216 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer aus, der von Dimas favorisierte Lexus mit Hybridantrieb kommt bei der gleichen Strecke mit 187 Gramm des Treibhausgases aus. Verheugen hatte sich in der Diskussion bislang vehement für die Position der deutschen Autohersteller eingesetzt.

Die EU-Kommission plant für die kommenden Jahre, strengere Regeln für die Autobeschaffung der 27 Politiker an der Spitze der Behörde einzuführen. Funktionalität, Sparsamkeit und Sicherheit müssten immer berücksichtigt werden, hieß es. Der Kauf eines neuen Dienstwagens sei jedoch "eine Frage einer gewissen Komplexität", betonte Chefsprecher Johannes Laitenberger. Die meisten EU-Kommissare lassen sich in einem S-Klasse-Mercedes oder einem Audi der großen A-8-Baureihe fahren.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der auch als Aufsichtsrat bei der Audi-Mutter Volkswagen tätig ist, kritisierte Dimas' Wahl eines japanischen Herstellers. Dies sei nicht gerade im Interesse der EU-Strategie für Wachstum und Beschäftigung in Europa, sagte er in Brüssel.

Die Dienstwagen-Frage kam mit der Debatte der EU-Kommission über künftige Grenzwerte für die Autoindustrie auf. Dimas will die Hersteller gesetzlich verpflichten, ihr bisher freiwillig angepeiltes Ziel von durchschnittlich 120 Gramm CO2 pro Kilometer bis zum Jahr 2012 tatsächlich zu erreichen – und erntete entschiedenen Protest von deutschen Autoherstellern. Auch Kanzlerin Merkel hatte sich gegen das Gesetz ausgesprochen.

sto/dpa/afp

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Seite 1
pps, 27.01.2007
1.
---Zitat von sysop--- Sind Arbeitsplätze wichtiger als Klimaschutz? ---Zitatende--- Es arbeitet sich ausgesprochen incommod, wenn man vorher verbrannt, erfroren, verdurstet, verhungert oder erstickt ist. Auch das Autofahren läßt in diesem Zustand nur wenig Plaisir aufkommen!
Mocs, 27.01.2007
2.
In Deutschland sind Arbeitsplätze IMMER wichtiger als anderes andere.... zumindest suggerieren uns das unsere Politiker. Arbeitsplätze sind das Totschlagargument für alles - eigentlich ein Wunder, dass die Dünnsäureverklappung auf See eingestellt wurde, da hingen doch auch Arbeitsplätze dran. Irgendwann haben wir dann gaaanz viele Arbeitsplätze - und verbringen unsere Freizeit entweder in Wirbelstürmen und Orkanen oder mit Sonnenschschutzfaktor 170 im Freien. Arbeitsplätze werden in meinen Augen völlig überbewertet - eine intakte Umwelt gewährleistet unserer aller Lebensqualität. Hinzu kommt dass jedes Jahr nach Angaben der ILO (International Labour Organization = Internationale Arbeitsorganisation) weltweit rund zwei Millionen ArbeitnehmerInnen allein durch arbeitsbedingte Unfälle und Krankheiten sterben - das sind mehr als 5000 Todesopfer pro Tag! Obwohl Arbeit also täglich wesentlich mehr Todesopfer fordert als z.B.Terroranschläge oder diverse Seuchen und Erkrankungen wird die Gier nach Arbeit(splätzen) von niemandem in Frage gestellt. Bestimmte Schichten mit einer grossen Lobby verdienen einfach zu gut an der Arbeit anderer.
mbieren, 27.01.2007
3. Natürlich nicht
Ich kann es schon fast nicht mehr hören. Sollte es wirklich zu einer nachhaltigen Erwärmung kommen gehen noch wesentlich mehr Arbeitsplätze verloren. Die deutschen Autobauer haben es schlichtweg verschlafen passende Modelle auf den Markt zu bringen. Ich frage mich ob diese Menschen glauben sie leben auf dem Mars.
langsamer 27.01.2007
4.
---Zitat von sysop--- Gern argumentiert die Energie- und Autoindustrie, dass strengere Grenzen für den CO2-Ausstoß der Wirtschaft schadeten. Müssen notfalls Arbeitsplätze geopfert werden, um den Klimakollaps zu verhindern? Oder gibt es gar keinen Gegensatz zwischen Umweltschutz und Wirtschaftskraft? ---Zitatende--- Die gegenwärtigen Generationen haben eine Sonderrolle inne; ihnen ist es durch technische Möglichkeiten, welche die Menschheit zuvor nicht hatte vergönnt, Ressourcen zu verbrauchen, die späteren Generationen dann nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Gleichzeitig entstehen auf Basis dieser Ressourcenausbeutung jede Menge Luft- Boden- und Gewässerschadstoffe, die noch für lange Zeit Auswirkungen haben werden. Die heutigen globalen Wirtschaftsstrukturen schmücken sich also bereits mehr als genug mit fremden Federn, sprich mit einem von unseren Nachfahren geklauten Wachstum. Autohersteller oder Energieversorger wollen also offensichtlich den Grad der Benachteiligung späterer Generationen erhöhen, damit der nächste Quartalsbericht etwas besser aussieht. Lebensfeindliche Umweltbedingungen kosten auch heute schon Geld, belasten also die Wirtschaft und kosten damit auch Arbeitsplätze.
Mikael, 27.01.2007
5.
Wem der Profit wichtiger als das nackte Leben ist, gehört in die Klapse! Die EU versucht seit 1996 schon, endlich die Emissionswerte von PKW´s zu senken. Jetzt haben wir 2007!!! Was für Luschen! Wenn man Menschen auf Freiwilligkeit verpflichtet, PASSIERT NIX. Ich habe schon einen tollen Klima-Clip ersonnen: Eine Autokolonne von noblen, schweren Limousinen steht im Stau und die Insassen tun superwichtig, Marke: Börsennotierung überprüfen, Renditecheck, Rumlabern von wegen Arbeitsplätze sind in Gefahr etc. Dann schaut jemand in den Rückspiegel und sieht einen Hurrikan, der mit 400 Km/h. sich nähert und die ganze Meute in die Luft schleudert. Dann ist die Straße wieder leer. Stimme aus dem OFF: Wie lange wollen sie noch warten bevor sie handeln? OK, der Clip würde nichts ändern, aber er wäre verdammt cool, oder? Gruß Mikael
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