Autozulassungen Deutschland verliert die Lust auf Diesel

Sparsam im Verbrauch, günstig beim Tanken - jahrelang liebten die Deutschen ihren Diesel. Jetzt ist der Anteil bei den Neuzulassungen gegenüber Benzinern spürbar gesunken.
Neuwagen des VW-Konzerns

Neuwagen des VW-Konzerns

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Dieselautos verkaufen sich auf dem deutschen Markt immer schleppender. Im August wurden nur noch 45,3 Prozent aller Neuwagen mit einem Selbstzünder-Motor zugelassen - laut einer am Montag veröffentlichten Studie des CAR-Centers der Universität Duisburg-Essen  der niedrigste Dieselanteil seit März 2012 und im Vergleich zu November 2015 ein Rückgang von rund fünf Prozentpunkten.

Die Studie basiert auf der Statistik des Kraftfahrt-Bundeamts (KBA). Der Großteil der insgesamt 245.076 im August neuzugelassenen Pkw hatte demnach einen Benzinmotor (52,6 Prozent). 3927 Autos mit Hybridantrieb waren unter den Neuwagen, eine Steigerung von 84,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

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Die Studie macht deutlich: Seit der Abgasaffäre von Volkswagen haben Dieselautos in Deutschland ein Imageproblem. Weil sich die Umweltverträglichkeit dieser Autos als Augenwischerei entpuppt hat -Fahrzeuge fast aller Hersteller stoßen viel mehr Schadstoffe aus als offiziell angegeben - ist der Selbstzünder in Verruf geraten. Diskussionen um eine Streichung der Steuersubventionen waren die Folge.

Alte Dieselautos, so ein ursprüngliche Forderung des Umweltministeriums, sollten sogar aus den Innenstädten verbannt werden. Mittlerweile ist dieser Plan zwar auf Eis gelegt - aber eine Mischung aus Enttäuschung und Skepsis gegenüber Dieselautos scheint bei den Käufern geblieben zu sein. "Die Negativmeldungen verunsichern" die Kundschaft, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Centers und Autor der Studie, über Pkw mit Selbstzünder - und sieht darin eine Gefahr für die deutschen Autohersteller.

Toyota gelingt, was Mercedes, BMW und Co. nicht schaffen

Seine Argumentation: Wenn die Käufer eine "grüne Alternative" zum Diesel suchen - also ein Auto mit vergleichsweise geringem Verbrauch - könnten sie bei den Fahrzeugen mit Hybridantrieb der ausländischen Konkurrenz landen. So habe der japanische Hersteller Toyota hierzulande mittlerweile einen Hybridanteil von 40 Prozent unter seinen Pkw-Verkäufen.

Damit schaffe die japanische Marke etwas, was deutschen Herstellern nicht gelingen mag: Den Hybrid aus der Nische herauszuholen. Toyota biete hier ein attraktives Angebot, während die Hybrid-Autos von Mercedes, BMW, Audi oder VW nach Ansicht von Dudenhöffer "preislich und technisch" nicht mithalten könnten. Die deutschen Hersteller hätten "zu lange" auf den Diesel gesetzt.

Die Gesamt-Zulassungszahlen in Deutschland waren im August noch um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Bereinigt um die zwei zusätzlichen Arbeitstage im Vergleich zum August 2015 ergab sich jedoch ein Minus von 1,1 Prozent oder 2549 Autos, so Dudenhöffer.

cst/dpa
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