Diesel-Filter Die Anti-Ruß-Fraktion

Ein breites Bündnis von Umweltverbänden, Automobilclubs, Gesundheits- und Kinderschutzorganisationen möchte mit der Initiative "Kein Diesel ohne Filter" den Einsatz von Rußpartikelfiltern bei Diesel-Pkw durchsetzen. Die deutsche Automobilindustrie blockt ab.


Peugeot 307 Hdi FAP: Der französische Autohersteller rüstet bereits Fahrzeuge mit einem Rußpartikelfilter aus

Peugeot 307 Hdi FAP: Der französische Autohersteller rüstet bereits Fahrzeuge mit einem Rußpartikelfilter aus

Die Technik ist bekannt, ihre Wirksamkeit dokumentiert - doch die deutsche Automobilindustrie steht dem so genannten Rußpartikelfilter skeptisch und ablehnend gegenüber. Die von Peugeot entwickelte und eingesetzte Technik (dort heißt sie FAP) wird von der deutschen Konkurrenz als unausgereift abgetan, und genau an diesem Punkt setzt die Kritik der Initiative an.

Der "Kein Diesel ohne Filter"-Initiative gehören der Deutsche Kinderschutzbund, die Deutsche Umwelthilfe, der Deutsche Naturschutzring (DNR), der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und als wissenschaftlicher Berater die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an. Der Automobilclub ADAC hat die technische Begleitung übernommen.

Die Gruppen fahren schweres Geschütz auf. Obwohl es mit dem Partikelfilter eine zuverlässige und ausgereifte Technik gebe, mit der sich Dieselruß nahezu vollständig vermeiden lasse, so die Argumentation, werden bis heute nur wenige Fahrzeuge damit ausgerüstet. Der ADAC forderte jetzt die Autohersteller auf, mit der Senkung der Diesel-Partikelemission endlich ernst zu machen. Vor allem deutsche Autobauer verweigerten die Einführung der Partikelfilter.

Experten schätzen, dass die Technik ein Dieselfahrzeug um rund 300 Euro teurer machen würde. Die Initiative fordert deshalb eine steuerliche Förderung der "rußfreien" Dieselfahrzeuge. Auch das Bundesumweltministerium forderte die deutschen Hersteller auf, dem Beispiel anderer europäischer Autofirmen zu folgen. Die Allianz der Filter-Befürworter regte an, ab Sommer 2003 nur noch Diesel-Fahrzeuge mit Rußfilter zum Verkauf zuzulassen.

Der BUND erklärte, der Dieselruß sei für jährlich etwa 8000 Lungenkrebsfälle verantwortlich. Die WHO argumentiert, dass vor allem Kinder den Dieselpartikeln ausgeliefert seien, da diese bei ihnen auf Kopfhöhe ausgestoßen würden. Ein Test des ADAC und des Umweltbundesamtes ergab, dass mit Filter praktisch keine Rußpartikel mehr ausgestoßen würden. Negative Folgen für den Verbrauch oder die Lebensdauer des Motors seien nicht feststellbar gewesen.

Genau dies allerdings behauptet der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) jetzt in einer Stellungnahme. Darin heißt es, der Betrieb solcher Filtersysteme führe "zu höherem Kraftstoffverbrauch, höheren Kosten und erfordert eine spezielle Wartung zur Reinigung des Systems von Rückständen".

Im Übrigen feiert der Verband seine Mitglieder als "Vorreiter bei der Verbesserung des Umweltverhaltens ihrer Produkte". Warum die Filtertechnik so rigoros abgelehnt wird, bleibt - offenbar im Rußnebel - unklar. Es ist von einem "Gesamtkonzept" die Rede, dann wieder davon, dass statt der Filtertechnik die deutschen Ingenieure "innermotorische Maßnahmen" favorisieren würden, weil dies der "intelligentere Ansatz" sei, da dabei Partikel erst gar nicht entstünden.

Diese "innermotorischen Maßnahmen" jedoch sind noch längst nicht fertig entwickelt, geschweige denn einsatzbereit. Der Partikelfilter ist es längst. Und so wird wohl, wider besseren Wissens, weiter gerußt von deutschen Diesel-Autos.



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