Neue Abgasregeln Indien würgt den Diesel ab

Der größte Autohersteller Indiens will künftig auf Diesel-Pkw verzichten. Damit wendet sich eines der bislang dieselfreundlichsten Länder wohl endgültig vom Selbstzünder ab.

Dichter Verkehr im Smog in Neu Delhi
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Dichter Verkehr im Smog in Neu Delhi


Indien leidet unter extremer Luftverschmutzung, Neu-Delhi ist die am stärksten verschmutzte Hauptstadt der Welt, das Taj Mahal, eines der bekanntesten Wahrzeichen des Landes in der Stadt Agra verfärbt sich aufgrund der verschmutzten Luft. Die extreme Situation hat nun auch Auswirkungen auf die indische Autoindustrie.

Maruti-Suzuki, mit einem Marktanteil von 51 Prozent größter Autohersteller des Landes, verzichtet auf den Diesel. "Ab dem 1. April 2020 werden wir keine Dieselautos mehr verkaufen", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende R.C. Bhargava. Derzeit ist rund jeder vierte in Indien verkaufte Maruti ein Diesel, insgesamt sieben Modelle des Herstellers sind mit einem Selbstzünder erhältlich.

Diesel-Subventionen gehen massiv zurück

Schuld am Diesel-Aus sind neue Abgasvorschriften, die am 1. April 2020 in Kraft treten. Dann löst die Norm "Bharat-Stage VI", die der Euro-6-Norm entspricht, die der Euro-4-Niveau entsprechende Abgasnorm Bharat IV ab. Die ursprünglich geplante fünfte Stufe der Bharat-Norm wird dabei übersprungen, um die steigenden Emissionen zu bekämpfen. Durch die übersprungene Norm sollen die Stickoxidemissionen bei Dieselautos um 68 Prozent sinken, der Feinstaubausstoß sogar um 80 Prozent.

Die dafür nötige Technik dürfte den Preisunterschied zwischen den etwas teureren Dieselmodellen und vergleichbaren Benzinern jedoch beinahe verdoppeln, von rund 1300 auf 2500 Euro - und die Selbstzündervarianten damit unattraktiv machen. Dabei sah die indische Verkehrspolitik vor wenigen Jahren noch ganz anders aus: Erhebliche Subventionen machten den Diesel zu einer günstigeren Alternative für viele Autofahrer, ein Liter Diesel war im Jahr 2012 rund 34 Cent billiger als ein Liter Benzin - heute liegt der Unterschied bei rund zehn Cent.

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Diese Preissteigerung machte sich auch in den Zulassungszahlen bemerkbar, so waren im Jahr 2012 60 Prozent aller neu zugelassenen Pkw Dieselmodelle, 2016 waren es nur noch 40 Prozent. Die Entscheidung bei Maruti-Suzuki dürfte den Diesel-Niedergang weiter beschleunigen. Die Riege der Hersteller, die auf den Diesel verzichten wollen, ist damit gewachsen, neben dem indischen Marktführer wollen künftig auch Porsche und Toyota auf den Selbstzünder verzichten - Toyota allerdings nur in Europa.

ene



insgesamt 51 Beiträge
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kpkuenkele 26.04.2019
1. Chance für die Deutsche Autoindustrie
Da nicht "Indien" den Diesel abwürgt sondern einfach nur ein indischer Hersteller die in Europa üblichen und von Indien nun übernommenen Abgasnormen nicht einhalten kann, ist dies nicht das Ende des Diesels sondern im Gegenteil eine Chance für europäische Autohersteller, die 51 Prozent Marktanteil des indischen Herstellers unter sich aufzuteilen. Eine gute Nachricht für die Umwelt und unsere Wirtschaft!
spon_1644724 26.04.2019
2. Wo bleibt die Entwicklungshilfe von Deutschland?
Da sollten doch die Herren Scheuer und Müller einen beratenden Besuch mit Ihren Experten Köhler, Koch, Mattes vom VDA und Sinn vom IFO-Institut planen. Bestimmt kann man politisch die demokratischen Kräfte in Indien von der Überlegenheit der deutschen Diesel überzeugen. Die Vorstände lassen sich entschuldigen? Bestimmt haben die Inder da Verständnis für.
gaheris 26.04.2019
3. Zu 1
Pech für die deutschen Hersteller. Unsere Diesel-Autos sind für Indien viel zu teuer. Bin gespannt wann der letzte Schreiberling hier merkt, das der Diesel tot ist.
vitalik 26.04.2019
4.
Zitat von gaherisPech für die deutschen Hersteller. Unsere Diesel-Autos sind für Indien viel zu teuer. Bin gespannt wann der letzte Schreiberling hier merkt, das der Diesel tot ist.
Woran merkt man es denn? Daran, dass Weltweit immer noch hunderte Millionen von Dieselfahrzeugen unterwegs sind? Dabei frage ich mich, wie Sie "tot" deffinieren.
alexnoe 26.04.2019
5.
Zitat von vitalikWoran merkt man es denn? Daran, dass Weltweit immer noch hunderte Millionen von Dieselfahrzeugen unterwegs sind? Dabei frage ich mich, wie Sie "tot" deffinieren.
Das ist wie folgt gemeint: Wenn in 20 Jahren tatsächlich keiner mehr Verbrennungsmotoren in PKW braucht, ist u.a. der Diesel tot. Antidieseltrolle feiern dann, dass deren seit 30 Jahren unablässig wiederholten Vorhersagen korrekt waren. Solche Antidieseltrolle sind vorwiegend Fahrer von großen verbrauchsstarken SUV mit Benzindirekteinspritzer, die ihren Fehlkauf irgendwie vor sich selbst rechtfertigen müssen.
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