Euro-5-Diesel Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt erstes Abgasnachrüstsystem für Deutschland

Euro-5-Diesel sind an vielen Orten von Fahrverboten bedroht, eine Hardwarenachrüstung könnte das verhindern. Nun hat das Kraftfahrt-Bundesamt das erste System genehmigt - aber nur für Modelle eines Herstellers.
Foto: Ina Fassbender/ DPA

Mehr als fünf Millionen Diesel-Pkw mit der Abgasnorm Euro 5 sind auf Deutschlands Straßen unterwegs - und wegen des hohen Ausstoßes von Stickoxiden (NOx) von Fahrverboten bedroht. Die Hardwarenachrüstung, also der Einbau zusätzlicher Systeme zur Abgasnachbehandlung, würde den NOx-Ausstoß deutlich senken, bisher fehlte solchen Systemen jedoch die nötige Genehmigung.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat dem ersten Nachrüstsatz nun nach Informationen des SPIEGEL und der Rechercheabteilung des Bayerischen Rundfunks die Betriebserlaubnis erteilt. Das von der Bamberger Firma Dr. Pley entwickelte System ist für den nachträglichen Einbau in Dieselautos der Abgasnorm Euro 5 geeignet - allerdings nur für Volvo-Modelle mit 2,0- beziehungsweise 2,4-Liter-Dieselmotoren, die in den Modellen XC60, XC70, S60 und V60 verbaut sind.

Die Stickoxidemissionen der nachgerüsteten Fahrzeuge sinken durch die Nachrüstung auf unter 270 mg NOx pro Kilometer, damit wären sie künftig auch von Fahrverboten ausgenommen.

Hohe Auflagen für Nachrüstsysteme

Für das KBA und den zuständigen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bedeutet der Verwaltungsakt eine Abkehr von der bisher anlehnenden Haltung gegenüber Hardwarenachrüstungen. Man solle nicht in alte Autos investieren, sondern stattdessen den Kauf neuer, vermeintlich sauberer Diesel fördern, so der CSU-Minister. Mit dieser Losung hatte sich Scheuer im vergangenen Jahr bei den Wählern und selbst bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unbeliebt gemacht. Hunderttausende Diesel-Fahrer mussten wegen drohender Fahrverbote hohe Wertverluste für ihre Wagen in Kauf nehmen, die mitunter unverkäuflich geworden sind.

Als die Kanzlerin die Angelegenheit im vergangenen Herbst an sich riss, musste Scheuer dann mit den Autokonzernen verhandeln. Schließlich sagten ihm VW und Daimler zu, 3000 Euro für die Nachrüstung eines so genannten SCR-Katalysators zu finanzieren. Nur, bislang gab es noch kein System, was auch eine Zulassung hat, damit es eine Genehmigung für die Einfahrt in Fahrverbotsgebiete etwa in Stuttgart erhält. Die Auflagen der Bundesregierung an die Hersteller solcher Systeme sind hoch. Die Gesamtkosten für den Einbau eines SCR-Katalysators werden auf 1400 bis 5000 Euro geschätzt.

Volvo zahlt nicht für Nachrüstung

Martin Pley und seine Bamberger Firma hatten sich schon im Oktober 2018 mit Volvo zusammengetan, die die Entwicklung von Anfang an unterstützten. Das Resultat sind die nun zugelassenen Nachrüstsets, die aus einem Katalysator und einer Einspritzvorrichtung von so genanntem AdBlue bestehen. Dabei handelt es sich um eine Harnstofflösung, die giftige Stickoxide unschädlich macht. Volvo selber finanziert die Sets nicht, weil man nicht manipuliert oder betrogen habe, so der chinesisch-schwedische Konzern.

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Hardware-Nachrüstung: Ist das die Lösung?

Foto: Twintec Baumont

Die erste erteilte Genehmigung wird nicht die letzte bleiben. Nach Informationen des SPIEGEL und der Rechercheabteilung des Bayerischen Rundfunks wird Pley bald auch die Genehmigung für ein Nachrüstset der E-Klasse von Mercedes-Benz erhalten. Sie betrifft Modelle der Abgasnorm Euro 5. Hier sind die Messungen des neuen Abgassystems erfolgreich abgeschlossen. Eigenen Angaben zufolge erwartet Pley, die Genehmigung weiterer Nachrüstsätze für folgende Modelle von Mercedes und BMW:

  • Mercedes-Benz C220/250cdi, E220/250cdi, GLK 220cdi sowie V220cdi
  • BMW X3 2.0d, 318d, 320d, 325d, 518d, 520d und 525d