Diesel-Off-Roader Was bei den Trend-Limousinen hinten raus kommt

Der Trend zu schweren Geländewagen mit kraftstrotzenden Diesel-Triebwerken belastet das Umweltimage der deutschen Autohersteller. Die meisten der allrad-getriebenen Trendlimousinen stoßen mehr Stickoxide und Rußpartikel aus, als für PKW normalerweise erlaubt.

Von Gerd Rosenkranz


Jenseits von 2,5 Tonnen wird die Schadstoffeinstufung tolerant: BMW X5 3.0d . . .

Jenseits von 2,5 Tonnen wird die Schadstoffeinstufung tolerant: BMW X5 3.0d . . .

Ob der VW Touareg mit seinem 313-PS-starken Selbstzünder-Aggregat, die großen Diesel-Geländewagen der G- und M-Klasse von DaimlerChrysler oder der X5-Off-Roader von BMW mit einem Sechs-Zylinder-Diesel: Sie alle halten die seit mehr als drei Jahren europaweit geltende Abgasnorm für Diesel-PKW (EURO 3) nicht ein.

Um trotzdem die Typenzulassung beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg zu erhalten, meldeten die Hersteller ihre gewichtigen Luxus-Jeeps wie Kleinlaster an. Für diese so genannten "kleinen Nutzfahrzeuge“ gelten höhere Grenzwerte, etwa bei Stickoxiden und Rußpartikeln. Die hochmotorisierten Oberklasse-Limousinen erreichen damit lediglich die bis 1999 gültige EURO-2-Norm für PKW.

Möglich war die trickreiche Abgas-Einstufung, weil die großen Limousinen mehr als 2,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht auf die Waage bringen und deshalb unter eine entsprechende Ausnahmeregelung fallen. Trotzdem wirbt VW für den Selbstzünder-Touareg ("Der stärkste Serien-PKW-Diesel aller Zeiten“) mit angeblich "sehr guten Emissionswerten“. DaimlerChrysler verweist ausdrücklich auf die "Umweltfreundlichkeit“ seiner Diesel-Off-Roader.

. . . VW Touareg . . .

. . . VW Touareg . . .

In Werbeprospekten wird der Eindruck vermittelt, als hielten die Jeeps die aktuell gültige EURO-3-Norm für normale PKW ein. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, nennt das eine "arglistige Täuschung“ potenzieller Kunden. "Wo EURO-3 draufsteht, muss hinten auch EURO-3 rauskommen“, verlangt Resch und fordert einen "Verkaufsstop bis auch diese Fahrzeuge die für PKW geltenden Abgasnormen einhalten“.

Dass das technisch möglich ist, haben VW und Opel schon bewiesen: Die Wolfsburger in ihrem Spitzenmodell Phaeton, das mit dem gleichen 10-Zylinder-Selbstzünder unter der Haube lieferbar ist wie der Touareg - jedoch aufgerüstet mit einer geregelten Abgasrückführung und einem Rußfilter. Damit werden die gesundheitsschädigenden Abgase unter die für PKW zulässigen Werte gedrückt.

Auch der Opel-Frontera erreicht in seiner neuesten Diesel Version die aktuelle Norm für PKW. Die Rüsselsheimer rüsteten ihren Off-Roader mit innermotorischen Maßnahmen nach, nachdem sich Kunden über die bei EURO-2 erhöhte Steuerlast beschwert hatten.

Parallel setzt sich bei den schweren Luxus-Geländewagen ein weiterer, ökologisch bedenklicher Trend durch. Nach einem Urteil des Bundesfinanzgerichtshofs von 1998 können die Off-Roader auf Antrag auch steuerlich wie Nutzfahrzeuge behandelt werden, sofern ihr zulässiges Gesamtgewicht zwischen 2,8 Tonnen und 3,5 Tonnen beträgt. Einzige weitere Voraussetzung: Eine umlegbare Rückbank.

. . . und Mercedes M-Klasse

. . . und Mercedes M-Klasse

Der Spareffekt ist beträchtlich. So kostet zum Beispiel ein als "kleines Nutzfahrzeug“ zugelassener Diesel-Touareg nur gut 200 Euro Steuern pro Jahr. Als PKW zugelassen muss der Besitzer dagegen jährlich 741,50 Euro an den Fiskus abführen.

Inzwischen reagieren die Hersteller auf ihre Weise auf das attraktive Steuer-Schlupfloch. Immer mehr der schweren Trendfahrzeuge werden mit allerlei Schnickschnack "aufgewichtet“, um die magische Grenze von 2,8 Tonnen zu überbieten. Entsprechend steigt der Treibstoffverbrauch, der wiederum die Belastung der Atmosphäre mit dem Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) bestimmt.

Bis 2008 haben sich die im Verband der Europäischen Automobilhersteller zusammengeschlossenen Unternehmen verpflichtet, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß ihrer Neuwagen auf 140 Gramm pro Kilometer (g/km) abzusenken. Bei anhaltendem Erfolg der Off-Roader rückt das Ziel in weite Ferne. Der 5-Liter-Diesel-Touareg pustet durchschnittlich 329 g/km in die Atmosphäre, der 4-Liter-Diesel-Geländewagen von DaimlerChrysler 343 g/km und der 3-Liter-Diesel X5 von BMW immerhin noch 233 g/km.



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