Autoverkäufe Rabattaktionen für Diesel verfehlen ihr Ziel

Statt Hardwarenachrüstung gibt es Rabattangebote: Dafür legte sich Verkehrsminister Scheuer mächtig ins Zeug - nach SPIEGEL-Informationen vergeblich, wie Zahlen aus seinem Ministerium zeigen.

Autohaus in Bayern (Symbolbild)
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Autohaus in Bayern (Symbolbild)

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Die Rabatte, die Deutschlands Autokonzerne für den Umtausch älterer Dieselfahrzeuge anbieten, zeigen kaum Wirkung. Das berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe unter Berufung auf neue Zahlen des Bundesverkehrsministeriums. Danach haben seit Herbst vergangenen Jahres nur 27.000 Dieselfahrer ihren Wagen gegen ein neues Fahrzeug gewechselt. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

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Heft 5/2019
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Geht es in diesem Tempo weiter, wird die Aktion ihr Ziel verfehlen, so die Berechnungen des Ressorts. Danach müssten bis zum Sommer kommenden Jahres 1,5 Millionen Dieselautos umgetauscht werden, damit die Luft in den Städten besser wird und Fahrverbote verhindert werden können. Im vergangenen Herbst hatten Daimler, VW und BMW verschiedene Rabatte ausgelobt, um Kunden in den von Fahrverboten betroffenen Städten zum Kauf neuer Autos zu bewegen.

Umtauschangebote nicht besser als andere Rabatte

Die Angebote der einzelnen Hersteller unterscheiden sich dabei jedoch stark, die Höhe des Nachlasses hängt außerdem oft vom Wert des abgegebenen Altwagens und dem Preis des jeweiligen Neuwagens ab. So gibt es beispielsweise bei VW bis zu 7000 Euro beim Kauf eines Neuwagens, bei BMW dagegen bis zu 6000 Euro - allerdings nur für Besitzer eines BMW- oder Mini-Dieselmodells der Abgasnormen Euro 4 und 5.

Rabatte in ähnlicher Höhe gewährten die Hersteller jedoch bereits vor den jetzigen Aktionen, außerdem gelten sie auf den jeweiligen Listenpreis. Dadurch kommen andere, beim Neuwagenkauf häufig übliche Preisnachlässe hier nicht zum Tragen. Auch deshalb war man bei BMW über die Zurückhaltung der Kunden nicht überrascht. "Die Rabatte sind zwar hoch, doch sie gleichen nicht den Wertverlust aus, den die Kunden durch die Dieselkrise erlitten haben", bestätigte ein Manager hinter vorgehaltener Hand.

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insgesamt 101 Beiträge
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qwertreiber 26.01.2019
1. Wen wundert's?
Das war doch vorher klar, dass nur Leute kaufen würden, die mit ihrem Auto eh nicht mehr zufrieden waren und genug Kohle auf der Kante haben. Die so genannte Lösung geht einfach an Realitäten vorbei.
fördeanwohner 26.01.2019
2. -
Eben. Ich weigere mich außerdem, die Autokonzerne dadurch zu unterstützen. Die haben Mist gebaut und ich soll mir ein neues Auto kaufen? Nö. Ich erwarte eine Hardwarenachrüstung und zwar pronto. In den USA bieten unsere deutschen Konzerne nämlich ganz saubere Diesel an. Hier werden sogar noch solche Konjunkturprogramme angeregt. Aber solange eine Mehrheit der Deutschen so wählt, wie sie wählt, werden wir immer die Automobil-Lobby im Verkehrministerium sitzen haben.
jjcamera 26.01.2019
3. Verbotspolitik
Der deutsche Autofahrer kauft das Auto, das er kaufen will. Punkt. Weder Verbote noch Vorschriften oder Prämien halten ihn davon ab. Das sieht man deutlich am grandiosen Misserfolg des E-Autos. Im Gegenteil: wenn die Politik mit Verboten erzwingen will, dass er kleinere und sparsamere Autos kauft, tut er das Gegenteil: er kauft ein V8 SUV. Ich vermute sogar, dass nach einem Tempolimit auf Autobahnen als Trotzreaktion noch leistungsstärkere Autos verkauft werden. Wann kommt mal einer in Berlin auf die Idee, Mobilitätspolitik nicht gegen die Autofahrer zu machen, sondern mit ihnen? Das wäre doch was.
frenchie3 26.01.2019
4. Der Kunde hat anscheinend gelernt
aus der Abwrackprämie. Wer nachrechnet merkt schnellstens daß er nicht nur beim Motor veralbert wurde
kleinsteminderheit 26.01.2019
5. Wer rechnen kann...
Wer rechnen kann, der weiß, dass er bei dieser Umtauschaktion herbe Verluste hinnehmen muss. Wenn Herr Scheuer das Umtauschmodell immer wieder lobt, hält er entweder seine Wähler für mathematisch minderbemittelt oder kann selber nicht rechnen.
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