Treffen mit bayerischer Regierung BMW und Audi wollen Euro-5-Diesel umrüsten

Die bayerische Staatsregierung hat sich mit den Herstellern Audi und BMW auf Maßnahmen zur Luftreinhaltung verständigt. Zentraler Punkt: die Nachrüstung von Dieselautos. Eine wichtige Frage blieb allerdings offen.

Auspuff eines Audi A7 mit Dieselmotor
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Auspuff eines Audi A7 mit Dieselmotor


Der Freistaat Bayern prescht bei der Lösung des Abgasproblems durch Dieselautos vor. Staatsregierung und landesansässige Fahrzeugbauer wollen die drohenden Fahrverbote in Innenstädten unbedingt vermeiden - die Hersteller Audi und BMW haben sich deshalb zu einer Umrüstung der Hälfte ihrer in Deutschland zugelassenen Euro-5-Dieselautos bereit erklärt. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) gab dieses Vorhaben am Mittwoch in München nach einem Treffen mit den Vorstandschefs von Audi, BMW und dem Lkw-Hersteller MAN bekannt.

Die wichtigsten Fakten zu dem Treffen:

  • Was wurde genau erklärt?

In einer gemeinsamen Mitteilung der Staatsregierung und der Industrievertreter sagen Audi und BMW zu, dass mindestens 50 Prozent ihrer Flotte von Dieselautos mit Euro-5 "ein für die Absenkung der Stickstoffoxid-Emissionen im innerstädtischen Bereich relevantes Niveau erreichen können". Die TU Graz habe ein Konzept entwickelt, das "eine sehr gute Basis" für die Umrüstung bilde. Die Motoren sollen demnach durch ein Software-Update sauberer werden.

Nach eigenen Angaben sind von BMW rund 700.000 Euro-5-Diesel in Deutschland zugelassen, von denen mindestens 350.000 nachgerüstet werden könnten. Von Audi gab es zunächst keine Zahlen. Dass nur die Hälfte der Flotte nachgerüstet werden könne, begründete ein Sprecher von BMW auf Anfrage des SPIEGEL damit, dass die Software-Lösung bei älteren Modellen mit Euro-5 nicht funktioniere.

  • Wie kam es zu dem Treffen?

Angesetzt hatte das Gespräch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), nachdem der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Überlegungen über ein Dieselfahrverbot in der Landeshauptstadt angestellt hatte.

Protestaktion von Greenpeace-Aktivisten während des Treffens in München
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Protestaktion von Greenpeace-Aktivisten während des Treffens in München

  • Bedeutet der Vorstoß, dass Audi und BMW ihre Dieselautos jetzt definitiv umrüsten - auch im Alleingang ohne die anderen Hersteller?

Laut Audi und BMW könnte das Konzept der TU Graz "Grundlage für eine bundesweit einheitliche Regelung" sein. Erklärtes Ziel ist es, dass alle Hersteller, die in Deutschland Dieselautos mit Euro-5 auf der Straße haben, sich der Umrüstaktion anschließen. "Ich gehe davon aus, dass es ein deutliches Commitment des Verbands der Automobilindustrie geben wird", sagte auch CSU-Politikerin Aigner. Sie bezifferte die Gesamtzahl der Euro-5-Diesel in Deutschland auf 5,9 Millionen - das seien 12,9 Prozent aller zugelassenen Pkw.

Sollte das von Aigner erhoffte "Commitment" ausbleiben, werden BMW und Audi aber kaum als einzige Hersteller ihre Autos umrüsten. Im Klartext: Wer ein Dieselauto von Audi oder BMW mit Euro-5 fährt, wird nach der Verkündung der Bayern jetzt nicht zwingend seinen Wagen umrüsten lassen müssen. Allerdings ist die Bereitschaft der beiden großen Hersteller ein klares Signal, dass die große Dieselnachrüstaktion in Deutschland tatsächlich kommt.

  • Und wer bezahlt das dann?

Diese Frage wurde beim Treffen in Bayern nicht schlussendlich ausgehandelt - und sie wird auch bei weiteren Gesprächen der Knackpunkt sein.

Bereits am Dienstag hatte die Bundesregierung einen Dieselgipfel zwischen Vertretern aus Politik und Industrie angekündigt: Am 2. August werde das sogenannte Nationale Forum Diesel zum ersten Mal tagen und über die Umrüstaktion sprechen. Seehofer sagte, die jetzt getroffene gemeinsame Erklärung könne "ein Vorbild" für den Dieselgipfel "für ganz Deutschland" sein.

Ob Anfang August schon geklärt wird, wer die Kosten der möglichen Umrüstung trägt, wird sich zeigen. Vor der Bundestagswahl wird sich jedoch in dieser Hinsicht nicht viel tun: "Das wäre eine Frage, die wir in die Koalitionsverhandlungen einbringen würden", sagte Ilse Aigner am Mittwoch. "Meine Zielsetzung ist, dass der Kunde gar nichts zahlt", fügte Bayerns Wirtschaftsministerin hinzu.

Alles andere wäre den Besitzern der betroffenen Autos auch schwer vermittelbar - blieben die Kunden auf den Kosten sitzen, wäre das ein Imageverlust sowohl für die Hersteller als auch für die Regierung.

Die bayerische Wirtschaftsministerin Aigner und Innenminister Herrmann (beide CSU) auf der Pressekonferenz nach dem Treffen
DPA

Die bayerische Wirtschaftsministerin Aigner und Innenminister Herrmann (beide CSU) auf der Pressekonferenz nach dem Treffen

  • Was sagten die Chefs der Fahrzeughersteller nach dem Treffen?

Die drei Unternehmensvertreter Harald Krüger (BMW), Rupert Stadler (Audi) und Joachim Drees (MAN) wollten an der Pressekonferenz nicht teilnehmen. Sie ließen sich lediglich in einer Mitteilung zitieren. "Wir meinen, es gibt intelligentere Optionen als Fahrverbote", erklärte Krüger demnach.

  • Kann die Abgasproblematik überhaupt mit einem Software-Update behoben werden?

Am Mittwoch erläuterten Audi und BMW das von ihnen favorisierte Konzept der TU Graz nicht näher. In der gemeinsamen Erklärung machten die Hersteller nur deutlich, dass das Software-Update "keine negativen Auswirkungen auf die zertifizierten Eigenschaften zu Verbrauch, CO2-Ausstoß sowie Geräuschen oder auf die Haltbarkeit eines Fahrzeugs haben" dürfe. Kurzum: Alles muss so bleiben wie bisher, nur sauberer soll der Motor werden.

Experten wie Stefan Carstens bezweifeln, dass ein Software-Update das ermöglicht. Carstens leitet Seminare und Weiterbildungen zum Thema Abgasreinigungssysteme. Seiner Einschätzung nach ist die Lage kompliziert: Der Dieselmotor, sagte er dem SPIEGEL vor einiger Zeit, werde nur dann sauberer, wenn die Abgasrückführung (AGR) im Stadtverkehr häufiger zum Einsatz komme. Dazu seien jedoch größere Umbauten am Motor nötig.

  • Was sieht das Maßnahmenpaket außer Diesel-Umrüstungen noch vor?

Die Landesregierung will in Bayern unter anderem den öffentlichen Verkehr mit Bus und Bahn stärker fördern und ihre Zuschüsse für neue Elektroladesäulen aufstocken. Auf Bundesebene fordert sie einen Steueranreiz für die Besitzer älterer Diesel mit Euro-3- und Euro-4-Motoren, um sie zum Wechsel auf ein Auto mit weniger Schadstoffausstoß zu motivieren. Der SPIEGEL hatte darüber bereits berichtet, demnach laufen die Anreize auf eine Begünstigung von Dieselautos mit Euro-6 hinaus.

MAN-Chef Drees sagte, moderne Lkw- und Busdieselmotoren seien heute schon sehr sauber, die Zukunft des Liefer- und Nahverkehrs in Städten sehe er aber in der Elektromobilität. Er sagte zu, sein Unternehmen werde Ende 2019 mit der Serienproduktion eines elektrischen Stadtbusses beginnen.

Würden alle Vorschläge umgesetzt, so Aigner, ließen sich die Stickoxid-Emissionen deutschlandweit bis 2021 um 50 Prozent reduzieren.

cst/dpa/Reuters

insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
ackergold 28.06.2017
1. Es gibt nur eine sinnvolle Umrüstung!
Dieselmotor raus, Hybrid-Motor einbauen. Aber wozu braucht man dazu die bayerische Landesregierung? Dort sitzt kein einziger Ingenieur und nicht mal jemand, der einfachste Rechnungen sicher beherrscht.
dollenschmiere 28.06.2017
2. und wer bezahlt es? wir alle!
Egal ob vom Staat oder den Automobil-Firmen die Umrüstung bezahlt wird, am Ende werden es alle tragen müssen: die Fahrer von Benzinautos, von Elektroautos, von CNG-Autos, und wenn der Staat die Zuschüsse vergibt auch der Fahrradfahrer. (auch der Rollator-Pilot)
DerBlicker 28.06.2017
3. der Fahrradfahrer sicher nicht
Zitat von dollenschmiereEgal ob vom Staat oder den Automobil-Firmen die Umrüstung bezahlt wird, am Ende werden es alle tragen müssen: die Fahrer von Benzinautos, von Elektroautos, von CNG-Autos, und wenn der Staat die Zuschüsse vergibt auch der Fahrradfahrer. (auch der Rollator-Pilot)
Der Fahrradfahrer bekommt ja sogar seinen Fahrradweg aus der Mineralölsteuer des Autofahrers bezahlt. Der Autofahrer zahlt ja sogar Steuern für die Rente. Nein, es ist schon gut, dass jetzt einmal die Steuern der Autofahrer auch für die Autofahrer genutzt werden. Eigentlich sollten die MIneralölsteuern ausschließlcih für die Belnage der Autofahrer genutzt werden, die Bahnkunden sollen ihre Bahn gefälligst selbst bezahlen.
cindy2009 28.06.2017
4. @ackergold
"____ ackergoldheute, 19:04 Uhr 1. Es gibt nur eine sinnvolle Umrüstung! Dieselmotor raus, Hybrid-Motor einbauen__" das geht nicht. Was soll dieser sinnlose Kommentar?
Stefan_G 28.06.2017
5.
Zitat von ackergoldDieselmotor raus, Hybrid-Motor einbauen. Aber wozu braucht man dazu die bayerische Landesregierung? Dort sitzt kein einziger Ingenieur und nicht mal jemand, der einfachste Rechnungen sicher beherrscht.
Damit liegt man aber deutlich über 10.000 Euro Umrüstkosten pro Fahrzeug. Im Ergebnis ähnlich effektiv ist AdBlue/SCR-Kat, was jetzt schon im Zubehörhandel für 2000 Euro angeboten wird, in Großserie vom Autohersteller geht das sicher auch noch günstiger.
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