Dieselautos Trittin will Rußfilter für alle

Für Dieselfahrzeuge könnte schon bald ein Filter vorgeschrieben werden. Einen entsprechenden Vorstoß hat jetzt Umweltminister Jürgen Trittin gestartet.


Berlin - "Ich erwarte von der Automobilindustrie, dass sie möglichst bald alle Dieselfahrzeuge ausschließlich mit Partikelfiltern anbietet", sagte Trittin der "Bild am Sonntag". Auch über finanzielle Anreize könne gesprochen werden: Vorstellbar sei etwa eine Staffelung der Kraftfahrzeugsteuer nach der Höhe des Schadstoffausstoßes.

Ein Sprecher des Umweltministeriums bestätigte den Bericht und verwies darauf, dass die EU-Umweltminister schon Ende 1998 beschlossen hätten, europaweit Rußfilter für Lastwagen einzuführen. Es seien strenge europäische Partikelgrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge ab 2005 festgelegt worden, die ohne Filter nicht einzuhalten seien.

Zwischen Bundesumweltministerium und Automobilindustrie liefen Gespräche. Nach Meinung Trittins stellt die flächendeckende Einführung von Partikelfiltern für die Umwelt einen ähnlich großen Schritt dar wie seinerzeit der Vormarsch der Katalysatoren.

"Dieselfahrzeuge ohne Filter schaden der Gesundheit", so Trittin. "Partikel aus dem Abgas können bis in kleinste Verästelungen der Lunge vordringen. Sie stehen deshalb im Verdacht, Lungenkrebs und andere schwere Lungenkrankheiten wie Asthma auszulösen."

Der serienmäßige Einbau von Partikelfiltern könne das Krebsrisiko um 90 Prozent senken. Zudem müsse es "über kurz oder lang" Nachrüstungen zu einem vertretbaren Preis geben. Bei Bussen gebe es diese Möglichkeit bereits. Insbesondere bei Personenwagen fehle es aber noch an entsprechenden Angeboten.

Nach Angaben des Umweltbundesamts kostet die Filternachrüstung für Autos zwischen 300 und 500 Mark. In Deutschland seien 5,6 Millionen Kraftfahrzeuge mit Dieselmotor auf der Straße.



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