Diskussion über Taxifarbe Der Streit ums Elfenbein

Einheitliche Elfenbeinfarbe oder bunte Reihe? Diese Frage spaltet das wirtschaftlich angeschlagene Taxigewerbe und seine Verbände. Während die einen an der bundesweiten Farbvorschrift für die Wagen rütteln, fürchten die anderen um den Wiedererkennungseffekt. Nun soll der Bundesrat entscheiden.

Von Thomas Joppig


 Taxis am Frankfurter Flughafen: Weg vom Sanitätshaus-Outfit?
DPA

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Die Argumentationsliste kam als sechsseitiges Sonder-Fax. Versorgt wurden damit die Chefs jener Taxizentralen, die dem Deutschen Taxi- und Mietwagenverband (BZP) angehören. Nichts wäre für dessen Geschäftsführer und überzeugten Elfenbein-Befürworter Thomas Grätz in diesen Tagen unangenehmer als Querschläger aus den eigenen Reihen. Um die Mitglieder für Presseanfragen "zu wappnen", hat er auf den sechs Seiten eine übersichtliche Tabelle zusammengestellt. Links die Argumente der Farbfreunde in Kurzfassung, rechts eine ausführliche Erläuterung, weshalb der vertraute Farbton "Hell-Elfenbein" bleiben muss.

Erbitterter Glaubenskampf

Gesetzliche Einheitsfarbe oder freie Auswahl? Diese scheinbar banale Frage sorgt in der Branche derzeit für einen erbitterten Glaubenskampf. Der BZP als Interessenverband einflussreicher Taxizentralenbesitzer kämpft für den Erhalt des bundesweiten Farb-Gesetzes. Der Taxiverband Deutschland (TVD) hingegen, dem auch etliche kleinere Taxiunternehmen angehören, hält die Abschaffung der Vorschrift für dringend nötig - vor allem aus Kostengründen.

Die Farbfolie in Hell-Elfenbein koste rund 800 Euro pro Wagen, das Entfernen vor dem Weiterverkauf abermals knapp 500 Euro, sagt der TVD-Vorsitzende Peter Kristan. Ihm seien zudem Einzelfälle bekannt, bei denen beim Abziehen der Folie der darunter liegende Schutzlack zum Teil gleich mit entfernt wurde.

 Schwarzes und weißes Taxi nebeneinander: Die Wagenfarbe ist in Paris kein Erkennungsmerkmal
AP

Schwarzes und weißes Taxi nebeneinander: Die Wagenfarbe ist in Paris kein Erkennungsmerkmal

Zudem seien beispielsweise schwarze oder silberne Karossen mit abnehmbarem Taxischild vielseitiger einzusetzen: "Wenn es gelingt, die bislang getrennten Konzessionen für Taxis und Mietwagen gesetzlich zusammenzuführen, könnten Taxiunternehmer zudem künftig auch einen Limousinenservice anbieten", so der TVD-Chef.

Eine solche Forderung hält Thomas Grätz nicht für sinnvoll: "Taxi- und Limousinenservice sind zwei verschiedene Bereiche." Wenn plötzlich jeder Taxifahrer mit seinem Wagen auch einen Limousinenservice anbieten könne, seien Qualitätsverluste für die Limousinen-Fahrgäste zu erwarten. "Das wäre schon aus Gründen des Verbraucherschutzes problematisch."

Wiedererkennungseffekt durch Farbe

Der Hauptgrund für Hell-Elfenbein sei aber die Erkennbarkeit: "Viele Firmen geben Millionen dafür aus, um eine Corporate Identity zu erzeugen. Wir haben solche Wiedererkennungseffekte durch die einheitliche Farbe der Taxen. Es wäre unsinnig, einen solchen Vorteil aufs Spiel zu setzen", sagt Grätz.

Für den TVD ist das kein Argument: "Die meisten Taxen werden ohnehin nicht per Handzeichen, sondern per Telefon bestellt oder an zentralen Orten wie Bahnhöfen oder Flughäfen bestiegen, sagt Peter Kristan. Zudem seien Deutschland und Portugal die einzigen Länder Europas, in denen es ein Gesetz zur Taxifarbe gebe.

London - Stadt der schwarzen Traditionstaxen: Gesetzlich vorgeschrieben ist die Farbe der Karossen jedoch nirgends
AP

London - Stadt der schwarzen Traditionstaxen: Gesetzlich vorgeschrieben ist die Farbe der Karossen jedoch nirgends

Thomas Grätz möchte jedoch an genau dieser juristischen Besonderheit festhalten: Dank ihrer hellen Farbe seien die Wagen im Straßenverkehr gut zu erkennen und daher sicherer. Und auch die sehbehinderte "Oma auf dem Balkon", so Grätz, könne so schon von weitem sehen, dass ihr Taxi vorfährt. Ein weiterer Grund: "Durch die einheitliche Farbe der Taxen ist klar, dass sie, im Gegensatz zu Privat-Pkw auch Busspuren benutzen dürfen." Ein Ende der Farbbindung, so Grätz, würde mehr Privatleute auf die Busspuren locken, weil dies nicht mehr so auffällig sei.

Schon bald könnte das Thema sogar den Bundesrat beschäftigen. Dort will das Saarland einen so genannten Entschließungsantrag gegen das bundesweite Farbgesetz einbringen. "Hell-Elfenbein" ist seit 1970 in der "Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrtunternehmen im Personenverkehr" als Einheitsfarbe vorgeschrieben; zuvor mussten alle Taxis schwarz sein.

Warnung vor Regulierungswut

Hanspeter Georgi, saarländischer Wirtschaftsminister, hält es für überflüssig, Taxifahrern vorzuschreiben, welche Farbe ihr Wagen hat: "Nicht die Farbe, sondern das Taxischild am Dach ist Erkennungsmerkmal eines Taxis", sagt der Christdemokrat.

Im Bundesverkehrsministerium sieht man das anders: "Jedes Kind erkennt ein Taxi an seiner Farbe", sagt Ministeriumssprecher Felix Stenschke. "Die Farbgebung hat sich bewährt, sie erhöht die Verkehrssicherheit und ist ein gängiges Erkennungsmerkmal."

Die FDP warnt unterdessen vor zu viel Regulierungswut: "Wenn die Regierung des Saarlands meint, dass die Farbe des Taxis eine unternehmerische Entscheidung ist, dann sollte dies die Bundesregierung akzeptieren", sagt der liberale Verkehrsexperte im Bundestag, Horst Friedrich.

 Leuchtendes Blau: Taxi in Kuba
Sabine Moser

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Ungeachtet solcher Bedenken, haben sich Taxifahrer schon jetzt vereinzelt der Farbe mit dem Sanitätshaus-Image ade gesagt: Im aufrührererischen Saarland gab es mehrere Ausnahmegenehmigungen; in Baden-Württemberg denkt man über eine pauschale Ausnahmegenehmigung nach. Die wird vom Taxi- und Mietwagenverband Stuttgart und vom Verkehrsverband Südbaden gefordert. Vorab soll eine Untersuchung der Fachhochschule Nürtingen bis September Klarheit darüber bringen, ob die Farbbindung nötig ist, damit die Wagen sicherer fahren und problemlos erkennbar sind.

Peter Kristan rechnet damit, dass beide Fragen mit Nein beantwortet werden. Er hofft, dass, dass die ersten silbernen, schwarzen oder blauen Taxen Ende des Jahres durch Baden-Württemberg fahren können.



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