Dodge Avenger Concept Inferno in der Mittelklasse

Dodge greift an. Nachdem die Amerikaner den Caliber in der Golf-Klasse platzierten und den Nitro unter die Kompakt-SUVs schicken, wollen sie nun gegen Toyota Avensis oder Kia Magentis antreten. Als Gegenentwurf zur Langweiler-Limousine debütiert in Paris der Avenger.

Wer sagt denn, dass Familienkutschen langweilig sein müssen? Eben, niemand sagt das, und deshalb fühlt sich die amerikanische Marke Dodge - Slogan "Grab life by the horns" ("Pack' das Leben bei den Hörnern") - berufen, in der Mittelklasse in die Bresche zu springen. "Dieses hart umkämpfte Segment ist geprägt von einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und damit von ziemlich rationalen Motiven. Wer dagegen ein ausdrucksstarkes Design oder ansprechende Fahrleistungen haben möchte, muss dafür bislang tief in die Tasche greifen", sagt Thomas Hausch, der in der Chrysler Group die Märkte außerhalb der USA verantwortet. Dann verspricht er baldige Abhilfe.

Wie die aussehen soll, ist gegenwärtig auf dem Pariser Autosalon zu besichtigen. Dort enthüllte die amerikanische Mercedes-Schwester als drittes Volumenmodell für Europa den Dodge Avenger, der so gar nichts mit den biederen Businesslimousinen für Pharma-Vertreter, Handlungsreisende und Bausparer im Reihenhäuschen gemein hat. Stattdessen trägt der "Rächer", so die wörtliche Übersetzung, bei seinem zur Messe aufwändig inszenierten Sturm auf das Establishment im sogenannten D-Segment ein aufreizendes Muskel-Shirt, dessen Farbton den bezeichnenden Namen "Inferno Red" trägt. Und am Bug prangt, wie immer bei Dodge-Modellen, ein riesiges Fadenkreuz, in dessen Schnittpunkt stolz ein Widder seine Hörner zeigt.

Offiziell gilt das Stufenheck-Modell noch als Studie. Doch die Erfahrung der letzten Messen lehrt, dass die meisten Showcars aus der Chrysler Group nach nur marginalen Retuschen alsbald in Serie gehen. Beim Avenger fällt das den Amerikanern besonders leicht. Denn technisch ist der vom Dodge Charger inspirierte Viertürer mit der geschickt verborgenen B-Säule, dem hübschen Knick über der Hüfte und dem Spoiler auf dem kurzen Heckdeckel ein enger Verwandter des Chrysler Sebring, der bereits seine Serienfreigabe bekommen hat.

Während der Sebring es allerdings mit den Platzhirschen in der Mittelklasse aufnehmen soll und gegen VW Passat oder Opel Vectra antritt, sieht Hausch den Avenger eher als Alternative zu Importmodellen aus Korea und Japan oder den besonders preisgünstigen Europäern und gibt damit ohne Nennung konkreter Zahlen auch gleich einen Preiskorridor vor: Viel mehr als 21.000 Euro dürfte die Basisversion nicht kosten, wenn diese Rechnung aufgehen soll.

Unter der Motorhaube rumort ein VW-Dieselmotor

Angetrieben wird die Studie als Tribut an europäischen Vorlieben von einem ganz und gar unamerikanischen Diesel-Motor, den Chrysler bei VW einkauft und auch in den Dodge-Modellen Caliber und Nitro einsetzt. Bis der Avenger in Serie geht, sind aber auch andere Motoren denkbar. Also dürfte es dereinst auch zwei Vierzylinder-Benziner mit 152 und 173 PS geben. Und auch ein V6-Aggregat sollte drin sein.

Der Avenger macht das angekündigte Trio der Amerikaner komplett. "Mit diesen drei Autos – Caliber, Nitro und Avenger – haben wir neben der auf kleine Stückzahlen ausgelegten Viper unser Geschäftsmodell für den Export der Marke Dodge kalkuliert und geplant", sagt Hausch, der nun aber nicht die Hände in den Schoß legen will, sondern stattdessen noch mindestens ein weiteres Modell von Dodge ankündigt. Bekannt ist, dass der Konzern nach wie vor einen Kooperationspartner für einen Kleinwagen sucht. "Aber auch ein bezahlbarer Sportwagen, ein Cabrio oder ein Roadster wären schöne Ideen", sagt Hausch.

Dodge kommt in Deutschland offenbar bestens an

Seine Laune ist bestens, denn er sieht sich trotz aller Zweifler, die die Einführung der Marke Dodge in Europa kritisiert hatten, von den aktuellen Zahlen bestätigt: "Seit Januar hat die Chrysler Group mit den Marken Chrysler, Jeep und Dodge in Europa um 16 Prozent zugelegt und ist damit nach Fiat die wachstumsstärkste Marke", schwärmt Hausch und freut sich dabei auch über Erfolgsmeldungen aus Deutschland. "In den ersten zehn Wochen nach der Markteinführung des Dodge Caliber im Juni wurden 500 Autos zugelassen und weitere 1500 Autos bestellt", zitiert Pressesprecher Markus Hauf aus den Auftragsbüchern, die mittlerweile so voll sind, dass angeblich der Nachschub knapp wird. "Für dieses Jahr sind wir fast ausverkauft", sagt Hauf und berichtet vom Kampf der deutschen Vertriebsorganisation um höhere Chargen aus der Produktion.

Doch so respektabel der Erfolg und so beeindruckend die Prozentwerte auch sein mögen - in absoluten Zahlen gemessen bewegt sich Dodge im europäischen Straßenbild noch immer weit unter der Wahrnehmungsgrenze. Was den Amerikanern auf der Straße noch an Präsenz fehlt, machen sie vor allem zu Messezeiten mit wirkungsvollen und unkonventionellen Werbemethoden wett. Weil in Paris ohnehin kein vernünftiger Mensch mit dem Auto zur Messe fährt, ist Dodge kurzerhand unter die die Erde gegangen und hat dort eine komplette Bahn der Metrolinie 12 in den Markenfarben eingekleidet.

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