Dodge-Markteinführung Ventilspiele auf dem Bärenfell

"Pack' das Leben bei den Hörnern!" Eine deutsche Marke hätte mit diesem Slogan schlechte Karten. "Grab life by the horns!" klingt da schon anders. Die US-Automarke Dodge wirbt mit diesem Spruch - und will sich jetzt mit prolligen Gadgets in Deutschland bekannt machen.

Von Jürgen Pander


Es ist ein raffinierter Plan, den die Amerikaner ausgeheckt haben, um in die Köpfe der deutschen Autokäufer einzudringen: In Phase eins, die heute beginnt, setzen sie auf sogenannte Viral-Kommunikation: wie ein Virus soll sich die Kunde von der US-Macho-Marke verbreiten, von Männermund zu Männermund sozusagen. Auf die üblichen Marketing-Sprechblasen von Sportlichkeit, Dynamik oder Design verzichtet Dodge. Stattdessen serviert die zum DaimlerChrysler-Konzern gehörige Marke im Internet einige Besonderheiten. Im Mittelpunkt steht der echte Kerl, neudeutsch "Lad", der gerne Sprüche klopft, in die Spalte "Hobbys" stets die Worte Fußball, Autos, Frauen einträgt und sich dort zu Hause fühlt, wo Dosenbier gereicht und dazu herzhaft gerülpst wird. So ähnlich jedenfalls.

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Dodge Markteinführung: Für den Kerl im Mann

Wer sich unter www.grab-life-by-the-horns.de umsieht, findet Produkte wie "Hand Fett" für "herrlich schmutzige schmierige Hände" oder das Duftwasser "Gas-O-Liné", das auch hartgesottene Nasen als "Betörend. Beißend. Ehrlich" wahrnehmen. Oder eine Werkstatt-Fototapete sowie ein "erfrischend aufstoßendes" Getränk namens "Gib Gas"; dazu passt dann auch das vorverdreckte "Dirt-Shirt". Außerdem hält die Webseite die Reize für Männeraugen bereit, die immer funktionieren: Auf einem Eisbärenfell räkelt sich die ehemalige Miss Czechoslovakia, lächelt, winkt - und greift gelangweilt zum Mobiltelefon, falls der Mensch an der Maus nicht an den richtigen Stellen klickt.

"In der ersten Phase unserer Kampagne wollen wir die Marke Dodge spitz positionieren und der Zielgruppe bekannt machen. Die Leute sollen sich den Link zumailen, die Spots runterladen und verschicken oder etwas bestellen", sagt Matthias Möhler, der für Dodge verantwortliche Marketingmann in Deutschland. Die Zielgruppe, das sind für Möhler vor allem Männer im Alter zwischen 25 und 39 Jahren. Die sollen später auch die Autos von Dodge kaufen, die angeblich kein Tuning mehr nötig haben und an denen es nichts herumzuschrauben gibt. Deshalb - quasi als Ausgleich - wurden die "skurrilen Produkte" ersonnen.

"Babe Wash" - eine Bikinischönheit im Schaumbad

Die Webseite wird in Phase zwei, die Mitte Januar startet, weiter ausgebaut. "Babe Wash" heißt zum Beispiel ein interaktives Spiel, bei dem virtueller Schaum von der virtuellen Ex-Miss-Czechoslovakia gewischt werden soll. Es gibt Klingeltöne mit Auto- und Werkstattsounds und andere Belustigungen, bei denen ein zartes Gemüt nicht unbedingt hilfreich ist. Auch Sprücheklopfer finden hier neue Formulierungen fürs Repertoire, "Ventilspiele mit Gleichaltrigen" zum Beispiel. Aber so, nämlich derb und rustikal, sind ja auch die Autos, die immer mehr ins Zentrum der Kampagne rücken, je näher der Termin der Termin der Markteinführung rückt. Im Juni soll das Modell Caliber, ein kantig gestylter Kompaktwagen, auf den deutschen Markt kommen. Bis dahin sollte Dodge als Softproll-Marke etabliert sein - sozusagen der Atze Schröder unter den Automarken.

Ob die Strategie aufgeht, ist ungewiss. Jedenfalls ist es schlau von den Verantwortlichen, nicht auch noch die immer gleiche Leier von Premium und Sportlichkeit, von Emotion und Design einzustimmen. Warum es nicht einmal wieder hemdsärmelig probieren? Warum nicht doch einmal das Leben bei den Hörnern packen? Das funktioniert natürlich nur dann, wenn die Finger nicht gerade voller "Hand Fett" sind.



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