Donald Ducks Auto Das Geheimnis des knallroten 313

Er hat keine Türen und keine Gurte, dafür aber mit "Veeblefetzer" und "Glüstok 13 U" eine einmalige Antriebstechnik unter der Haube: Donald Ducks berühmtes Cabrio. Jetzt droht dem bekanntesten Comicauto der Welt die letzte Fahrt ins Museum.

Von Philip Wesselhöft


Enten-Cabrio 313: Der 60-jährige Oldtimer erhält Konkurrenz durch Duckatti und Ferfari
Disney

Enten-Cabrio 313: Der 60-jährige Oldtimer erhält Konkurrenz durch Duckatti und Ferfari

Die Zulassungsstelle von Entenhausen meinte es nicht gut mit dem Fahrzeughalter: 313 steht auf dem Nummernschild. Ausgerechnet Drei-Dreizehn - als hätte Donald Duck nicht schon genug Pech im Leben. Doch trotz Unglückszahl und unzähliger Unfälle und Totalschäden fährt und fährt und fährt das Enten-Auto auch nach über 60 Jahren immer noch ohne nennenswerte Macken durch die weite Disney-Welt. Kein TÜV konnte das wohl berühmteste Comicauto der Welt aus dem Verkehr ziehen und auch kein schwarzer Ritter - in einer vom Zeichner Don Rosa erdachten Story aus dem Jahr 1999 zerhackt ein mysteriöser Rüstungsträger den Kleinwagen in zwei Teile.

Auch im neuen Abenteuer muss Donald wieder um seinen geliebten Oldtimer bangen: In der jetzt erscheinenden Ausgabe der Reihe Lustiges Taschenbuch - der Nummer 313 - steht aus gegebenem Anlass das immer etwas pummelig wirkende Cabrio mit dem breiten Kühler im Mittelpunkt. Onkel Dagobert und Konkurrenz-Milliardär Klaas Clever wollen den 313 - im Laufe der Jahre ist das Nummernschild zur Typenbezeichnung geworden - ins Museum verfrachten. Durch die Spende eben jenes einmaligen Oldtimers, jenes Missing Link in der Automobilhistorie, erhoffen sich beide mehr Aufmerksamkeit für ihre eigenen Neuwagen aus den Automobilwerken D. Duck und dem Autohaus Klever: dicke Duckatti und fette Ferfari.

Auch das Lustige Taschenbuch Nr. 313 löst nicht die Frage aller Fragen: Wer ist der Erbauer des 313?

Auch das Lustige Taschenbuch Nr. 313 löst nicht die Frage aller Fragen: Wer ist der Erbauer des 313?

Doch Donald mag sich nicht von seinem "alten Freund" trennen. Und das ist auch gut so. Denn würde die berühmteste Ente der Welt nicht mehr im knallroten Spielmobil vorfahren, geriete wohl ganz Entenhausen und damit auch das Disney-Imperium ins Wanken. Wie sollte Donald seine geliebte Daisy zum Picknick chauffieren? Wer würde die Neffen Tick, Trick und Track zum jährlichen Sommerlager des Fähnlein Fieselschweif kutschieren? Und noch viel wichtiger: Womit wäre Phantomias unterwegs, um nächtens die Welt zu retten? Denn ohne den von Daniel Düsentrieb mit Sprungfederreifen und Raketenwerfern zum Superheldenwagen aufgemotzten 313 wäre Donald "Phantomias" Duck wie ein Batman ohne Batmobil. Zum Glück hat der vielseitige Erfinder noch ein Unsichtbarkeitsspray und einen Dublifikator in petto, um Donalds Wagen vor dem Dauerparkplatz im Museum zu retten.

Doch auch im Lustigen Taschenbuch mit dem Titel "313" wird nicht die Frage aller Fragen geklärt: Woher stammt der 313, mit dem der bereits 1969 verstorbene Disney-Zeichner Al Taliaferro Donald Duck Ende der dreißiger Jahre ausstattete? Eine Theorie besagt, Donald habe sich den 313 in jungen Jahren selbst aus Autoteilen zusammengebaut. In einer von Carl Barks 1974 gezeichneten Story will Donald seinen Wagen in Zahlung geben, dabei kommt die bunte Ausstattung ans Licht: Motor aus dem Jahre 1920, Ford-Fahrgestell und Räder, die von einem Rasenmäher stammen. Dieser Geschichtsschreibung widerspricht der an anderer Stelle erwähnte Fahrzeugtyp: Demnach handelt es sich bei dem 313 um einen nur in Entenhausen vorkommenden 1934er Belchfire Runabout, den Donald seinerzeit beim Jobben in Mexiko von einem fragwürdigen Geschäftsmann erworben hatte.

Womit sollte Donald sonst seine geliebte Daisy chauffieren?: Das knallrote Spielmobil 313
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Womit sollte Donald sonst seine geliebte Daisy chauffieren?: Das knallrote Spielmobil 313

Aber auch hier sind in Bezug auf die Fahrzeugtechnik einige Fragen offen: Was zum Beispiel ist der "Veeblefetzer", den Donald nach einem Crash in Händen hält? Jenes geheime Motorenteil, eine Art Sparbüchse mit Antenne, die Zeichner Don Rosa dem 313 verpasste. Steht der "Veeblefetzer" etwa in Verbindung mit dem "Glüstok 13 U"? Einem ebenfalls geheimnisvollen Maschinenteil, das hinter dem breiten Belüftungsgitter sitzt und dessen Funktion wohl nur Donald selbst erklären könnte.

Auf jeden Fall ist der 313 ein äußert vielseitiges Gefährt. Auch als in den vierziger Jahren seine drei Neffen Tick, Trick und Track bei Onkel Donald einziehen, bleibt der Erpel im Matrosenanzug seinem Auto treu - natürlich auch wegen der chronischen Knappheit des Duckschen Haushaltsbudgets verzichtete Donald auf die Anschaffung eines größeren und komfortableren Familienwagens. Deshalb fahren die Ducks bis heute überall mit dem 313 hin: der Onkel am mittig montierten Steuer, die drei Neffen zusammengequetscht auf dem ausklappbaren Soziussitz.

Der Unglückszahl zum Trotz: Auch nach unzähligen Unfällen und Totalschäden fährt das Enten-Cabrio die Duck-Familie zuverlässig durch die Disney-Welt
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Der Unglückszahl zum Trotz: Auch nach unzähligen Unfällen und Totalschäden fährt das Enten-Cabrio die Duck-Familie zuverlässig durch die Disney-Welt

Und obwohl die Viererbande immer wieder unter den Augen der Polizei unangeschnallt durch Entenhausen düst, gab es bisher kaum Ärger mit den Ordnungshütern. Vielleicht, weil die Hand des mächtigen Paten - Onkel Dagobert - schützend über Donald liegt? Oder gelten in Entenhausen die üblichen Bestimmungen für Oldtimer, wonach Wagen, die älter sind als 30 Jahre, im Originalzustand bleiben dürfen und demnach keine Gurte, Kopfstützen oder gar Türen vorweisen müssen? "Das ist ein Comicauto, da gelten andere Regeln", sagt Peter Höpfner nüchtern, Chefredakteur der Lustigen Taschenbücher und der Micky-Maus-Hefte. "Vielleicht ist Donald ja unten herum angeschnallt."

Eine wesentlich existenziellere Frage stellte Disney-Zeichner Don Rosa Anfang der neunziger Jahre in der Story "The Duck who never was". Was wäre, wenn es Donald nie gegeben hätte? Wer säße hinter dem Steuer des markanten Kleinwagens? Natürlich Glückspilz Gustav Gans, der das Cabrio in der Lotterie gewonnen hätte - auf dem Nummernschild allerdings würde dann 131 stehen



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