Dreirad im Wandel Das Ende der Käfer-Trikes

Abschied vom VW Käfer heißt auch Abschied vom Trike mit Käfermotor. Die Hersteller haben vorgesorgt, die moderne Technik ist umweltfreundlicher und bietet mehr PS. Doch was ist ein Trike ohne das Käfer-typische Tuckern im Heck?

Lindlar/Sontheim - Das Rezept für Trikes war ebenso simpel wie außergewöhnlich: Als in den siebziger Jahren alles begann, zersägten Bastler einfach einen VW Käfer und verschrotteten das Vorderteil des Autos. Stattdessen wurde am Käferheck samt Motor und Achse die vordere Hälfte eines Motorrades befestigt - fertig war das Trike. Mittlerweile werden solche Dreiräder von Kleinherstellern deutlich professioneller in Serie gefertigt. Das Grundprinzip mit der VW-Technik im Heck blieb aber meist unangetastet. Doch nun ist Umdenken angesagt: Der absehbare Mangel an Motoren nach dem Ende der Käfer-Produktion zwingt die Trike-Bauer zu neuen Konstruktionen.

"Für die kommenden zwei Jahre ist die Versorgung mit Volkswagen-Motoren aus dem Werk in Mexiko noch gesichert", sagt Harald Schmitz, Geschäftsführer des Trike-Herstellers Rewaco in Lindlar (Nordrhein-Westfalen). Aber für die Zeit danach werde jetzt an neuen Konzepten gearbeitet. Auch bei den kommenden Trikes wird wohl auf Großserientechnik aus dem Automobilbau gesetzt. Boom-Trikes aus Sontheim an der Brenz (Baden-Württemberg) hat bereits Trikes ohne das Käfer-typische Tuckern im Heck präsentiert. Die neuen Modelle mit der Bezeichnung "Fighter" werden von handelsüblichen wassergekühlten Motoren der Marken Peugeot und Ford mit geregeltem Katalysator angetrieben, sagt Alexander Rembold, Technischer Leiter von Boom-Trikes.

"Viele der Leute, die ein Käfer-Trike fahren, wollen es nicht hergeben"

Für die Fahrer dürften die neuen Motoren ein völlig neues Tempoerlebnis bringen. Denn laut Karola Stürzel von WK-Trikes im bayerischen Aubstadt erreicht ein Trike mit dem kleinen, 25 kW/34 PS starken Volkswagen-Motor eine Höchstgeschwindigkeit von allenfalls 125 km/h. Beim stärkeren Boxermotor mit 37 kW/50 PS sind es immerhin 145 km/h. Der Zweiliter-Motor von Ford leistet im Boom-Trike dagegen 90 kW/130 PS - was laut Rembold das Tempo auf 185 km/h steigen lässt.

Doch so modern die neue Technik im Verhältnis zum überholten Käferkonzept auch ist - die Hersteller rechnen nicht damit, dass die Trike-Fahrer gleich begeistert zugreifen werden. "Viele der Leute, die ein Käfer-Trike fahren, wollen es nicht hergeben", sagt Stürzel. Rewaco hat schon mit einer anderen Idee festgestellt, dass es lange dauern kann, Käufer davon zu überzeugen. Seit vier Jahren bietet das Unternehmen ein Trike an, in dessen Heck ein zünftiger Zweizylinder von Harley-Davidson montiert ist. "Es hat drei Jahre gedauert, bis sich das Harley-Konzept durchgesetzt hat und das Modell von den Kunden auch tatsächlich nachgefragt wurde", sagt Harald Schmitz.

Für die Zukunft erwartet Schmitz Ähnliches - schließlich ist der Kauf eines Trikes kaum mit der Anschaffung eines Autos zu vergleichen. "Das wird nicht spontan gekauft, die Entscheidung dauert oft zwei oder drei Jahre." Und wer sich derzeit gerade mit dem Thema befasst, hat in der Regel eben das Trike mit Käfermotor im Sinn.

Ehefrauen spielen beim Trike-Kauf eine große Rolle

Hinzu kommt, dass der typische Trike-Fahrer beileibe nicht mehr zu jugendlichem Überschwang neigt. Laut Alexander Rembold liegt das Alter der jüngsten Kunden bei etwa 35 Jahren. Harald Schmitz zufolge sind typische Kunden "eher 50 und älter". Darunter seien einerseits Menschen, die früher einmal Motorrad fuhren, heute aber keine schwere Maschine mehr bewegen wollen. Auf der anderen Seite stünden Autofahrer, die etwas Motorradgefühl erleben wollen, ohne sich dem Risiko eines Zweirades auszusetzen. "Außerdem spielen die Ehefrauen bei der Entscheidung für ein Trike eine große Rolle", sagt Karola Stürzel. Manche Frau würde sich zwar niemals hinter dem Gatten auf ein Motorrad setzen, akzeptiere jedoch ein Trike.

Abgesehen vom anstehenden Wandel der Technik hat die anspruchsvolle Klientel schon in der Vergangenheit das Trike an sich verändert. Wurden die Fahrzeuge einst als Bausatz geliefert und vom Eigner mehr schlecht als recht zusammengeschraubt, sind solche Tüftler-Trikes heute so gut wie ausgestorben. "Die Bausätze sind vom Markt verschwunden", sagt Achim Kuppinger von der Dekra in Stuttgart. Als Folge habe sich die Qualität der Trikes verbessert, die Fahrzeuge seien heute technisch in Ordnung. Allerdings hat die Qualität auch ihren Preis - laut WK-Trikes zwischen 12.000 und 25.000 Euro.

Wer sich weder mit dem Käfer-Aggregat noch mit einem säuselnden Ford-Motor im Traum-Trike abfinden kann, findet vielleicht Gefallen an einem der Dreirad-Exoten. So baut Frank Maelzer aus Westerheim (Bayern) Trikes, die von amerikanischen V8-Motoren angetrieben werden. "Jedes der Trike ist ein Einzelstück", sagt Maelzer. Die Fahrer sollten schon einiges an Erfahrung mitbringen - das schwächste Modell leistet immerhin 156 kW/212 PS. Außerdem ist Leidensfähigkeit gefragt: Weil der Motor vor dem Fahrersitz montiert ist, kann es beim Ampelstopp etwas warm an den Beinen werden.

Von Heiko Haupt, gms