Drive Resort Bilster Berg Ein Graf gibt Gas

Wo einst Militär patrouillierte, sollen bald Motoren röhren: Im Teutoburger Wald plant Graf von Oeynhausen ein PS-Resort für Unternehmen und Motorsport-Enthusiasten - auf dem ehemaligen Gelände der britischen Rheinarmee. Bis zum ersten Start auf dem Bilster Berg wird es aber noch dauern.

Bilster Berg

Der Nürburgring praktisch pleite, der Sachsen- oder der Lausitzring noch nie in den schwarzen Zahlen - und Michael Schumachers Formel-1-Comeback kommt auch nicht recht in Fahrt. Die Zeiten für Rennstrecken könnten also durchaus besser sein. Doch Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff lässt sich davon nicht irritieren. Er will mitten im Teutoburger Wald eine neue Anlage aus dem Boden stampfen und spätestens im Frühjahr 2012 auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots der britischen Rheinarmee das "Drive Resort Bilster Berg" eröffnen.

Trotz aller Schwierigkeiten bei der Konkurrenz glauben die Initiatoren an das Nutzungskonzept. "Rennen vor großem Publikum wird es hier nicht geben", sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen von Glasenapp. Stattdessen bleibt man auf dem Bilster Berg unter sich. Das gilt für reiche Raser ebenso wie für Spezialeinheiten der Polizei, die hier Notfallszenarien trainieren sollen. Und erst recht gilt das für Testfahrer der Industrie, denen der Bilster Berg eine neue Heimat werden soll.

Denn die bestehenden Teststrecken sind häufig überbucht, hat Glasenapp beobachtet. "Überall in Europa übersteigt die Nachfrage das Angebot." Der Bilster Berg wäre da wohl eine willkommene Alternative. Zumal die Konditionen vergleichsweise günstig sein sollen. Statt wie sonst üblich für rund 50.000 Euro, soll ein Streckentag am Bilster Berg ab 15.000 Euro buchbar sein.

Auf dem 85-Hektar-Gelände soll eine 4,2 Kilometer lange Strecke angelegt werden, die der zweimalige Rallye-Weltmeister und Berater Walter Röhrl bereits mit der legendären Nordschleife des Nürburgrings vergleicht. Die Gegend ist nicht nur ähnlich waldreich, sondern auch genauso hügelig wie die "grüne Hölle"; immerhin sind rund 70 Höhenmeter zu überwinden. Zur Hauptstrecke soll es noch zwei Offroad-Parcous geben sowie eine sogenannte Dynamikfläche für Sicherheitstrainings oder die Abstimmung von Regelsystemen. In den rund drei Dutzend Panzerhallen, in den früher Munition gelagert wurde, sind künftig Werkstätten oder Garagen geplant.

Bislang verdient der Graf Geld mit einem Golf- und Spa-Hotel sowie vier Kliniken, doch mangelt es ihm nicht am Benzin im blauen Blut. Schon als kleiner Junge war er Stammgast am Nürburgring und hatte dort einen prominenten Ansprechpartner; denn seine ältere Schwester war mit dem Formel-1-Fahrer Jacky Ickx liiert, der ihn auf dem Rücksitz eines Ford Mustang zu den Rennen mitnahm. Das hat offenbar Eindruck hinterlassen: Seit er den Führerschein besitzt, fährt Oeynhausen Oldtimer-Rennen und hat unter anderem einen getunten Jaguar E-Type und einen alten Porsche 911 in der Garage.

Das 34-Millionen-Projekt wird rein privat finanziert

Dennoch plant er den Bilster Berg nicht als persönliche Spielwiese oder als Refugium für reiche Raser. "Dafür geht es hier schlichtweg um viel zu viel Geld", sagt der Graf, der in das Projekt rund 34 Millionen Euro investiert. Ein Teil davon kommt von Banken und Anteilseignern, die für eine Einlage von 100.000 Euro nicht nur die Aussicht auf eine Gewinnbeteiligung, sondern auch 80 Fahrtage pro Jahr erhalten. Den Löwenanteil jedoch steuert er selbst bei. "Wir nutzen ausschließlich Privatkapital und keine öffentlichen Mittel", unterstreicht Geschäftsführer Glasenapp.

Anfangs musste Oeynhausen gegen heftige Widerstände kämpfen. "Immerhin war der Hockenheimring die letzte Rennstrecke, die auf dem Gebiet der alten Bundesländern genehmigt wurde - und das war 1932", sagt der Graf. Selbst Streckenplaner Hermann Tilke, der mehrere Formel-1-Kurse entworfen hat, wollte ihn erst nicht ernst nehmen. "Da kann man auch ein Atomkraftwerk in einer Innenstadt planen", erinnert sich Oeynhausen an die erste Abfuhr. Nach einem Besuch im Teutoburger Wald hat er den Architekten allerdings umgestimmt - wie die meisten anderen Zweifler auch. Die nötigen Genehmigungen seien weitgehend erteilt, melden die Initiatoren. Selbst die Naturschützer wurden besänftigt. "Der Ausgleichsplan reicht vom Fledermausturm über den Lurchteich und die übliche Aufforstung bis zur Ansiedlung einer Herde spezieller Auerochsen", sagt Geschäftsführer Glasenapp.

Bislang sind erst ein paar Munitionshallen frisch gestrichen, sie dienen jetzt als Garage für Oldtimer und Sportwagen. Doch von der Strecke ist noch nichts zu sehen. Aber wenn es so zügig vorangeht, wie Graf Oyenhausen glauben macht, sollten die Bauarbeiten bald losgehen. "Spätestens im nächsten Jahr rollen die Bagger an", sagt Glasenapp. Anfang 2012 soll dann der Betrieb beginnen. Die Jungfernfahrt des Bauherren allerdings findet schon früher statt. "Im nächsten Sommer habe ich einen runden Geburtstag", sagt der Graf. "Da würde ich gerne die erste Runde drehen - notfalls in einem Geländewagen."

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insgesamt 6 Beiträge
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Fackus, 14.05.2010
1.
Obwohl man ja zunächst mal wieder vermuten könnte, daß Adel nicht unbedingt was mit Intelligenz zu tun hat, könnte es trotzdem ein cleveres Projekt sein: Nämlich dann, wenn man die PS-Mafia in so einen Irren-Garten reinsperrt und dann nie wieder rausläßt.
manni-two 14.05.2010
2. solange in seriösen Zeitungen " brachiale Varianten
einer Vollgas-Ikone " hochgejubelt werden,sollte man in dieser Gesellschaft prinzipiell Deppen-Verhalten erwarten.
Dr.-Beaker 16.05.2010
3. Schlecht recherchiert: Unnötige Rennstrecke und Schwarzstorch, Salamander und Co.
Ich habe den Spiegel bislang für ein kritisches gut recherchiertes Blatt gehalten aber dieser unkritische Artikel zu Werbezwecken für die Selbstverwirklichung eines Grafen auf Kosten der Umwelt ist tragisch. Es ist unglaublich das mitten im Teutoburger Wald, der immerhin Landschaftsschutzgebiet ist, eine Rennstrecke gebaut werden kann, bei der über 30 ha Land versiegelt, also unter Asphalt begraben werden. Und das obwohl etliche bedrohte Tiere dort einen Lebensraum gefunden haben. Seltsamerweise hat sich aber auch der BUND unglaublich ruhig verhalten, da sollten sie mal recherchieren warum das so ist. Wenn es dem Grafen um eine gute Investion ginge, dann könnte er sein Konzept und sein Geld doch bei den vorhandenen Rennstrecken einbringen und bräuchte nicht eine neue Rennstrecke bauen. Der Abstandserlass der besagt das mind. 1500 m zwischen Rennstrecke und Siedlung liegen müssen wird übergangen. Man bekommt den Eindruck das der Graf in dieser Region allmächtig ist und das im 21 Jahrhundert.
denkmalagiler 16.05.2010
4. Interessant aber vage.
Also die Idee von Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff (lustiger Name übrigens) wurde im internationalen Vergleich ja schon öfters umgesetzt. Man schaue sich z.B. nur mal die Fülle an Rennstrecken für den Hobbyrennfahrer in den USA an. Da Herr von Oeynhausen-Sierstorpff laut Artikel ein Hotel sowie mehrere Kliniken betreibt, dürfte man ihm theoretisch die benötigten betriebswirtschaftlichen Kenntnisse unterstellen dürfen. Ob er dabei beachtet hat, dass Deutschland das einzige Land der Welt mit Straßennetz ist welches kein allgemeines Tempolimit hat, bin ich mir nicht sicher. Was bringt mir eine nichtmal 5km kurze "Rennstrecke" wenn ich in den vielen Mittelgebirgen und Autobahnen Deutschlands so schnell fahren kann wie ich will?? Lieber Graf, lassen Sie sich nicht von verrückten Investoren überreden falls Sie nicht schon sowieso Millionen im Jahr verdienen. Ich kann mir einen Erfolg eines solchen Konzepts auf den ersten Blick nicht vorstellen und habe einen geschäftlichen Hintergrund in diesem Bereich.
Dr.-Beaker 16.05.2010
5. Ego-Trip eines Grafen: ich bau mir eine Rennstrecke
Nun ja der Graf ist Hobby-Rennfahrer und ihm geht es glaube ich eher um sein Ego als um eine sichere Investition. Bislang war es auch so das er sein eigenes Geld dort gar nicht einbringen wollte sondern "nur" als Geschäftsführer und Ideengeber aufgetreten ist. Soweit ich weiß konnte er aber nicht genügend Investoren finden und wieviel er defacto in dieses Projekt investiert weiß keiner.... auf jeden Fall sucht er wohl angeblich noch händeringend nach Investoren!
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