Unfallforscher Todesrisiko für E-Biker deutlich höher als für unmotorisierte Radfahrer

E-Biker verunglücken häufiger tödlich als Fahrer von unmotorisierten Zweirädern. Laut der Allianz-Versicherung überleben Pedelec-Lenker schwere Unfälle dreimal häufiger nicht.

Sicherheitstraining für E-Biker in Stuttgart
DPA

Sicherheitstraining für E-Biker in Stuttgart


Wer auf einem Elektrorad durch die Stadt fährt, fühlt sich mitunter ganz schön unsicher. Laut Berechnungen der Allianz verbirgt sich dahinter eine statistische Wahrheit: Das Risiko, mit einem E-Bike tödlich zu verunglücken, ist demnach tatsächlich höher als bei einem Unfall mit einem nicht motorisierten Rad.

Jörg Kubitzki, Unfallforscher bei Europas größtem Versicherer, stützt seine Berechnungen vor allem auf zwei Datensätze: Er hat die Unfalldaten des Statistischen Bundesamts in Beziehung zu den geschätzten Fahrkilometern gesetzt, die das Bundesverkehrsministerium in der Studie "Mobilität in Deutschland 2017" veröffentlicht hatte. Über die Berechnungen, die dem SPIEGEL in Auszügen vorliegen, hatte zunächst die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Schwere Unfälle gehen dreimal öfter tödlich aus

Pedelec-Fahrer haben demnach im Fünfjahresmittel 5,84 Milliarden Kilometer zurückgelegt, herkömmliche Radfahrer 35,04 Milliarden Kilometer. Während der Pedelec-Kilometer-Anteil damit bei 14,3 Prozent liegt, beträgt der Anteil der getöteten Pedelec-Fahrer an allen getöteten Fahrradfahrern 17,8 Prozent.

Demnach kommen im Schnitt zwölf Pedelec-Fahrer pro Milliarde gefahrener Kilometer ums Leben - dagegen nur neun nicht motorisierte Fahrradfahrer. Bezogen auf die gefahrenen Kilometer ist das Todesrisiko für E-Bike-Fahrer also etwa ein Drittel höher.

Kommt es aber erst einmal zu einem Unfall mit Personenschaden, geht er laut Kubitzki für Pedelec-Lenker dreimal häufiger tödlich aus als für Fahrer unmotorisierter Zweiräder. Diese Gefahr sei in allen Altersgruppen signifikant höher - nicht nur bei Senioren.

Bezogen auf die gefahrenen Kilometer ist das Todesrisiko für Pedelec-Fahrer ein Drittel höher, bezogen auf alle Unfälle mit Personenschaden dagegen dreimal so hoch - darin sieht die Allianz-Versicherung auf Nachfrage keinen Widerspruch. SPIEGEL-Leser hatten darauf hingewiesen, dass im Umkehrschluss das Risiko, sich auf dem E-Bike (nicht tödlich) zu verletzten, deutlich geringer ist als auf einem normalen Fahrrad.

"Es geht uns insgesamt um die Aussage, dass Pedeleclenker ein höheres Risiko haben als Lenker von traditionellen Fahrädern, wenn ein Unfall mit Personenschaden geschieht", teilte ein Allianz-Sprecher mit. "Dass in der Gesamtzahl einschließlich leichter Verletzungen das Bild ein anderes ist, widerspricht dem nicht."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, das Todesrisiko für E-Bike-Fahrer liege pauschal dreimal höher als für Fahrer unmotorisierter Räder. Diese Angabe bezieht sich aber lediglich auf schwere Unfälle - nicht auf alle gefahrenen Kilometer mit dem E-Bike. Bei diesen liegt das Todesrisiko für E-Bike-Fahrer lediglich rund ein Drittel höher.

ssu



insgesamt 180 Beiträge
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FrankZimmermann 20.07.2019
1. Wie wird das gerechnet?
Pedelec: 5,84 Milliarden Kilometer "herkömmlich": 35,04 Milliarden Kilometer Gesamt: 40,88 Milliarden Kilometer Anteil Pedelec-Fahrten: 14,2% Anteil getöteter Pedelec-Fahrer: "satte" 17,8% Also mir scheint jetzt das Risiko nicht so drastisch höher zu sein, oder habe ich da einen Denkfehler?
hypnoforce 20.07.2019
2. ... seit der Erfindung des Rades durch den Menschen
sind auch bedeutend mehr Menschen durch radbetriebene Vehikel dadurch umgekommen. Das liegt in der Natur der Sache. Also bitte nicht immer solche Paniküberschriften ohne Bezug zur Verhältnismäßigkeit der Zahlen am Ende des Artikels.
nachdenken01 20.07.2019
3. Falsch gerechnet?
Der Anteil der Pedelec-Kilometer ist 14,3%, der Anteil der Pedelec-Tote ist 17,8%. Das Todesrisiko ist also "bloß" 24% höher. Wie kommt Herr Kubitzki dann auf ein mehr als dreimal höheres Todesrisiko? Interessant wäre, ob bei Unfällen mit Beteiligung von Autofahrern, die Autofahrer häufiger schuld als der Fahrradfahrer war. Weiterhin interessant wäre, wieviele Fußgänger von Pedelec Fahrrädern getötet wurden, weil ja immer von den "Fahrrad-Rambos" gesprochen wird.
PMischnik 20.07.2019
4. Falsche Zahlen?
Ich komme auf drei Prozent mehr. Aber die Aussage wird trotzdem stimmen. Die Geschwindigkeit eines Rades lässt sich nur schwer einschätzen. Ein entspannter Radfahrer wird da gerne unterschätzt.
whatilike 20.07.2019
5. Helmpflicht für alle Radfahrer incl. E-Biker?
Mir fällt nur auf, dass E-Biker meist ohne Helm fahren, gerade auch innerorts. Wahrscheinlich weil sie vom Auto direkt aufs E-Bike umgestiegen sind. Ich fände da eine Helmpflicht für alle Radfahrer nicht schlecht.
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