Polizeistatistik Allianz fordert eigene Kategorie für E-Scooter-Unfälle

Die Allianz rechnet damit, dass Elektrostehroller die Unfallzahlen in Deutschland in die Höhe treiben. Viele Benutzer seien "völlig ungeübt mit dem neuen Gefährt".
Mann mit Elektrostehroller

Mann mit Elektrostehroller

Foto: Christoph Soeder/ DPA

Die Allianz dringt darauf, Unfälle mit Elektrostehrollern in Deutschland gesondert zu erfassen. Die Polizei sollte E-Scooter-Unfälle als eigene Kategorie in ihre Statistiken aufnehmen, heißt es in einer Stellungnahme. "Nur so können die Sicherheitsexperten von Beginn an Fehlentwicklungen und typische Unfallmuster erkennen und frühzeitig Gegenmaßnahmen empfehlen."

Europas größter Versicherer rechnet durch die Einführung der E-Scooter auf deutschen Straßen mit einem Anstieg der Unfallzahlen - sowohl bei Kollisionsunfällen als auch bei Alleinunfällen. "Wie schon beim Pedelec zu beobachten, sind die Benutzer völlig ungeübt mit dem neuen Gefährt und seinen fahrdynamischen Eigenschaften", schreiben die Experten der Allianz.

Für Versicherer sind Informationen über Unfallhergang und Ursache von enormer Bedeutung, um auch das eigene Risiko besser abschätzen können.

Betrunkener verliert Führerschein

E-Scooter sind in Deutschland seit Mitte Juni im Straßenverkehr erlaubt. Offizielle Unfallzahlen gebe es aber noch nicht, sagte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Die Unfallstatistik wird immer mit einigen Wochen Verzögerung erstellt, um auch spätere Todesfälle zu erfassen - beispielsweise, wenn jemand wenige Tage nach einem Unfall im Krankenhaus seinen Verletzungen erliegt.

Schon jetzt gibt es vereinzelte Berichte über Unfälle mit E-Scootern. In Düsseldorf etwa hatte sich ein Fahrer schwer verletzt, als er mit einem Fahrrad kollidiert war. Auch in Berlin wurde eine Frau schwer verletzt, die auf einem Elektrostehroller unterwegs war. Die 33-Jährige wurde nach einem Sturz von einem Kleintransporter überrollt.

In Köln verlor ein 21-Jähriger seinen Führerschein, nachdem die Polizei ihn betrunken auf einem E-Scooter stoppte. Bei der Kontrolle maßen die Beamten einen Atemalkoholwert von mehr als 1,1 Promille. Die Polizei wies darauf hin, dass unter Alkoholeinfluss das Benutzen von Elektrokleinstfahrzeugen - also Elektrostehroller und Segways - ebenso wenig erlaubt sei wie das Fahren mit dem Auto.

Häufig schwere Verletzungen am Kopf

Laut einer US-Studie endet fast die Hälfte aller Unfälle mit E-Scootern mit Verletzungen am Kopf. Für die Untersuchung wertete die US-Gesundheitsbehörde CDC knapp eine Million E-Scooter-Fahrten in der Stadt Austin im Bundestaat Texas aus.

Während des Untersuchungszeitraums von zwei Monaten registrierte die Behörde 190 Unfälle, bei denen sich Fahrer von E-Scootern verletzten. Dabei zogen sich 48 Prozent der Fahrer Kopfverletzungen zu, bei der Hälfte davon handelte es sich um schwere Verletzungen.

Laut der Studie sind Anfänger besonders häufig in Unfälle verwickelt. Ein Drittel aller Unfallopfer waren das erste Mal auf einem E-Scooter unterwegs. Zeitgleich zeigt die CDC-Studie, dass nur eine Person, und damit weniger als ein Prozent aller Fahrer, zum Unfallzeitpunkt einen Helm trug. Durch diesen hätten viele Verletzungen verhindert oder zumindest abgemildert werden können, schreibt die US-Gesundheitsbehörde.

irb/dpa
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