Elektromobilität Ab Juli könnten E-Roller losflitzen

In wenigen Tagen sind E-Roller in Deutschland erlaubt. Bevor sie losfahren dürfen - wir sind schließlich in Deutschland - fehlen noch: Bescheinigungen, Anti-Fälschungshologramm und eine "helltönende Glocke".

Eine junge Frau macht eine Probefahrt mit einem E-Scooter. Bis zu 20 Stundenkilometer dürfen diese schnell sein.
DPA

Eine junge Frau macht eine Probefahrt mit einem E-Scooter. Bis zu 20 Stundenkilometer dürfen diese schnell sein.


In deutschen Städten gehen elektrische Tretroller wohl frühestens im Juli an den Start. Nach der für Mitte Juni geplanten allgemeinen Zulassung der sogenannten E-Scooter sind weitere Vorbereitungen nötig.

Die Hersteller müssen für jedes ihrer Modelle eine Allgemeine Betriebserlaubnis beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) beantragen - sobald die Verordnung mit den Zulassungsregeln in Kraft ist. Die Bearbeitung der Anträge werde dann "in der Regel zwei Wochen" beanspruchen, sagte ein KBA-Sprecher.

Käufer und Vermieter von E-Tretrollern müssen sich außerdem noch Haftpflichtversicherungen besorgen. Auch das könne etwas Zeit in Anspruch nehmen, heißt es beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Mitte Mai hatte der Bundesrat den Weg für eine Zulassung der kleinen Gefährte freigemacht. Dabei wurden aber noch wichtige Sicherheitsregeln aufgestellt:

  • E-Roller dürfen maximal 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren.
  • Zudem müssen die Fahrer mindestens 14 Jahre alt sein und Radwege benutzen.
  • Zum Schutz von Fußgängern bleiben Gehwege für die neuen Kleinfahrzeuge tabu.
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Die Verordnung soll Mitte Juni in Kraft treten. Konkret war schon einmal der 15. Juni im Gespräch. Es muss sich aber zeigen, an welchem Tag genau die Regelungen im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden.

Beim KBA gingen inzwischen 99 Interessensbekundungen von Herstellern ein, wie das Bundesverkehrsministerium mitteilte. Fünf Hersteller haben demnach bereits eine "Anfangsbewertung". Sobald die Verordnung in Kraft tritt und sie einen entsprechenden Antrag stellen, könnten sie demnach schnell eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für ihre Fahrzeuge bekommen.

Unterschiedliche Elektro-Roller von mehreren Herstellern
obs/DEKRA SE/Karl-Heinz Augustin / DEKRA

Unterschiedliche Elektro-Roller von mehreren Herstellern

Die gibt es aber nur, wenn die E-Scooter die nun feststehenden Anforderungen erfüllen:

  • Sie dürfen zwischen 6 und 20 Kilometer km/h schnell fahren und
  • müssen eine Lenk- oder Haltestange haben.
  • Die Gefährte dürfen höchstens 70 Zentimeter breit sein, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang sein.
  • Erlaubtes Maximalgewicht ohne Fahrer: 55 Kilogramm
  • Pflicht sind zudem zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen, eine Beleuchtung und eine "helltönende Glocke".
  • Dazu kommt die Haftpflichtversicherung für jedes Fahrzeug, nachzuweisen mit einem Anti-Fälschungs-Hologramm.

Die Vermieter brauchen Vorlauf

Es ist nicht damit zu rechnen, dass Miet-Tretroller vor Anfang Juli in Großstädten auftauchen. Mit einer solchen Zeitspanne rechnet auch der Berliner Senat. Allein in der Hauptstadt hatten acht Verleihfirmen angekündigt, Elektroroller über Smartphone-Apps vermieten zu wollen. Die Mietpreise dürften bei etwa 15 Cent pro Minute liegen.

Der Fahrrad- und Rollervermieter Lime wollte zunächst nicht verraten, ab wann er seine E-Scooter in deutschen Großstädten aufstellen will. Man werde kurz vorher darüber informieren, sagte eine Sprecherin.

Dazu kommt, dass schon E-Tretroller verkauft wurden, die offiziell nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind. Wenn die Gefährte die Anforderungen der Verordnung nun nicht erfüllen, können sie nachgerüstet werden. Dabei liegt es laut Verkehrsministerium aber bei Herstellern und Händlern, ob sie eine Nachrüstung anbieten.

Die neuen E-Tretroller sollen besonders für kurze Strecken etwa von der Bushaltestelle ins Büro oder nach Hause geeignet sein. Sie sind in der Regel kleiner und leichter als Fahrräder, oft lassen sie sich auch zusammenklappen.

mak/dpa

insgesamt 49 Beiträge
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MartinHa 08.06.2019
1. Kein Wunder, dass es keine Zulassung für den Gehweg gab
Ich fand es ja seltsam, dass es für die langsamen Versionen (bis maximal 12 km/h) keine Zulassung für den Gehweg gab, obwohl manuelle Tretroller auch dort fahren mussten. Aber jetzt wird es klar: bis 55 kg Leergewicht ohne Fahrer und zwei Meter lang. Das ist nicht mit den kleinen Tretrollern vergleichbar, die man sonst so kennt.
Weitblicker 08.06.2019
2. Und noch mehr...
Umweltverschmutzung und -schädigung durch Lithium-Abbau und "Altbatterieentsorgung" in armen Ländern. Ich kann nur noch mit dem Kopf über die Elektrifizierung der Mobilität schütteln. Wasserstoff war und ist nach wie vor ideal, transportabel und regenerativ herzustellen. Gut, nicht in Deutschland... aber in Ländern mit hoher Sonnenstundenzahl oder Erdwärme. Hier macht jedoch die Lobby ganze Arbeit.
mantay 08.06.2019
3. Sponsorprogramm für Versicherungen
Wieso braucht man für Tretroller, die maximal 20 km/h fahren, eine Haftpflichtversicherung? Mit jedem Fahrrad fahre ich mindestens genauso schnell auf nunmehr dem gleichen Weg (nämlich Radweg), aber für das Rad brauche ich keine solche Versicherung. Man muss übrigens eine gesonderte Kfz-Haftpflichtversicherung für die Roller abschließen - eine möglicherweise bestehende fürs Auto reicht nicht aus. Und auch die Privathaftpflichtversicherung würde für Schäden nicht haften, die mit einem Roller verursacht werden. Mit anderen Worten: Wer einen Tretroller fährt, muss auf jeden Fall eine neue Versicherung abschließen, die vermutlich so zwischen 30 und 100 EUR im Jahr kosten wird. Die Versicherungswirtschaft hat hier wieder erfolgreich Lobbyarbeit bei (be-)Scheuer(-t) geleistet. Gegen welche Gegenleistung wohl ...
lincoln33t 08.06.2019
4. Es ist eine Hype Blase und sonst nichts weiter
Und diese wird sehr schnell wieder Platzen.
r.pfeilsticker 08.06.2019
5. teurer als Auto
15 Cent pro Minute gleich 45 Cent pro km, wenn man ohne Stop fährt. Da sind laut ADAC normale PKW günstiger...
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