Deutschland Unfallchirurgen warnen vor Elektrostehrollern

Am Freitag wird sich wohl entscheiden, ob Elektrostehroller in Deutschland erlaubt werden. Gesundheitsexperten kritisieren die geplante Zulassung: "Im Stadtverkehr sind E-Scooter hochgefährlich."

Elektrostehroller auf einem Gehweg in Berlin: Am Freitag stimmt der Bundesrat über die Zulassung ab
Christoph Soeder/ DPA

Elektrostehroller auf einem Gehweg in Berlin: Am Freitag stimmt der Bundesrat über die Zulassung ab


An der geplanten Zulassung von Elektrostehrollern gibt es bei Gesundheits- und Umweltexperten Kritik. "E-Tretroller bergen ein deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko. Im Stadtverkehr sind E-Scooter hochgefährlich - auch weil sich andere Verkehrsteilnehmer nur extrem schwer darauf einstellen können", sagte Christopher Spering, Leiter der Sektion Prävention der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGU), der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

In der Klinik für Unfallchirurgie in Göttingen seien allein in den zurückliegenden vier Wochen zwei schwer verletzte Elektrostehrollerfahrer behandelt worden, sagte Spering. Er ist dort Oberarzt. Beide hätten ein Schädel-Hirn-Trauma und Verrenkungsbrüche im Bereich der Sprunggelenke gehabt. "Die Trittbretter der Roller sind tief, sodass sich bei Stürzen der Fuß schnell darunter verfängt", sagte der DGU-Experte.

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) befürchtet außerdem erhebliche Nachteile für Fahrradfahrer: "Wir laufen Gefahr, dass auch auf Radwegen der motorisierte den nicht motorisierten Verkehr verdrängt", sagte Bund-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg der "NOZ". "Die ohnehin schon sehr begrenzte Fläche, die dem Radverkehr aktuell zugestanden wird, für weitere Nutzungen freizugeben, ist zu kurz gedacht."

Auch auf die Umwelt kämen neue Belastungen zu. In europäischen Städten, in denen solche Elektrostehroller bereits fahren, würden Leihroller schon nach drei Monaten ausgetauscht und verschrottet. "Hier besteht nicht nur die Gefahr, dass Innenstädte mit abgewrackten E-Scootern zumüllen", sagte Hilgenberg. "Es würden auch problematische Rohstoffe wie Lithium und Aluminium verschwendet."

Ob Elektrostehroller in Deutschland zugelassen werden, entscheidet sich voraussichtlich am Freitag (ab 9.30 Uhr) im Bundesrat: Die Länderkammer soll über eine geplante Verordnung der Bundesregierung abstimmen. Erwartet werden dabei aber noch Änderungen an den Plänen von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

aar/dpa

insgesamt 199 Beiträge
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Paul Caster 17.05.2019
1. Bedenkenträgerland Deutschland
Statt zu fragen was kann uns neues an Vorteilen bringen fragen die Deutschen immer nur "welche Gefahren birgt das Neue"? So gesehen haben wir ja die perfekte Regierung unter Merkel mit ihrem Familienbild aus den 50ern und der Verweigerungshaltung entgegen dem digitalen Źeitalter und der lobbygetriebenen Besitzstandswahrung. Ich empfehle dringend zum Fahren mit dem E-Scooter gesetzliche Regelungen für das Tragen von: Helm, Ellenbogen- Knie -und Handgelenkschoner, natürlich nach irgendeiner albernen DIN-Norm, festes knöchelhohes Schuhwerk, natürlich auch nach irgendeiner DIN, beide Hände am Lenker in stets bremsbereiter Haltung, aufrechter Stand. Mindestend die Pflicht eines Versicherungskennzeichens... und sonstige aberwitzige Vorschriften, darin sind wir Deutschen ja gut. Dann hat sich das Thema schnell erledigt und eine neue Möglichkeit zur Entlastung des Verkehrs wurde erfolgreich bekämpft und Schaden von der Autoindustrie abgewendet.. ganz im Sinne der CDU. Puh, und alles bleibt wie es immer war....(Satire aus).
Cascara LF 17.05.2019
2. Böse, ganz böse...
War ja klar, dass man in D wieder einen Haufen Gründe gegen eine Innovation finden wird. Eine Unfallgefahr i.S.v. Fuß einklemmen und hinfallen bestand aber schon während meiner Kindheit mit einem herkömmlichen Tretroller. Die modernen und zusammenklappbaren Tretroller sind ebenso niedrig und schon ziemlich schnell, wenn man will. Und? Hören wir dort etwas von erhöhtem Unfallrisiko? Hallo? Ist da jemand? Nein, hier sehen sich nun sogar Radfahrverbände in ihrem Revier gefährdet. Allein den Umwelt- und Rohstoffaspekt sehe ich bei erster Betrachtung als gerechtfertigte Kritik. Alles andere ist mehr oder weniger Angst um den vereinnahmten öffentlichen Raum derer, die nicht teilen wollen aber immer mehr in Anspruch nehmen möchten - Heuchler!
PRAN1974 17.05.2019
3.
Dafür, dass das Gefährt letztlich ein paar Stadttouristen und (berufs-)jugendliche Pendler nutzen werden, wird in den Medien ein viel zu großer Aufriss darum gemacht. Wohl der Reiz des Verbotenen. Habe neulich den Satz gehört: "Wenn es Fahrräder in Deutschland nicht seit hundert Jahren gäbe, würden sie niemals erlaubt werden" Dem ist kaum was hinzuzufügen.
grossinquisitor 17.05.2019
4. Tolles Geschäft
Habe in Deutschland bereits die E-Roller auf Gehwegen beobachten können. Wenn man diese tollen geilen Dinger erlaubt, sollte man zur Sicherheit Kindern, Alten und Behinderten verbieten, weiterhin Gehwege zu benutzen. Sonst kommt da bald das Gejammer, dass sie das, was jetzt Neues kommt, weder abschätzen noch darauf reagieren könnten. Aber macht man mit diesem Ausschuss Geschäft? Nein, aber mit den Rollern. Milliarden! Her damit. Mit meinem behinderten Sohn muss ich dann leider zu Hause bleiben. Aber den will eh keiner sehen. Kann mir noch jemand helfen, was die zuständigen Ministerium für den Schutz dieser Randgruppen zu Rollern sagten !
deffnull 17.05.2019
5. Braucht kein Mensch...
... diese Dinger. Überflüssig wie ein Kropf. Aber Hauptsache wir kurbeln mal wieder die Wirtschaft mit unsinnigen Dingen an.
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