Studie E-Scooter helfen offenbar kaum bei Verkehrswende

Elektrische Tretroller sollen die Straßen entlasten, so lautete die Idee von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Eine Studie kommt zu ernüchternden Ergebnissen.
Lime-Roller stehen am Brandenburger Tor für Kunden bereit

Lime-Roller stehen am Brandenburger Tor für Kunden bereit

Foto: Christoph Soeder/ DPA

Morgens ins Auto steigen und damit zur Arbeit fahren - darauf sollen Pendler in Zukunft verzichten und stattdessen auf elektrische Tretroller umsteigen. Die sind laut Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine echte "Alternative zum Auto". Pendler könnten Teilstrecken ins Büro per Sharing-Tretroller zurücklegen, kombiniert mit Bus und Bahn.

Die Realität sieht jedoch anders aus, wie eine Studie  des Beratungsunternehmens Civity nahelegt. Zwar ist die von den elektrischen Tretrollern im Schnitt zurückgelegte Wegstrecke der Untersuchung zufolge immerhin 1,9 Kilometer lang, womit sich viele Bushaltestellen oder Bahnhöfe erreichen ließen. Auch werden die Roller offenbar oft genutzt, so meldete der Anbieter Tier nach einem Monat bereits eine Million Fahrten in Deutschland.

Samstag ist Scooter-Tag

Allerdings sind die Roller der Studie zufolge vor allem am Wochenende und abends beliebt. Offenbar wurde also nur selten ein Teil des Arbeitsweges mit ihnen zurückgelegt, womit auch die Funktion als Autoersatz fraglich scheint. Lediglich rund ein Viertel der Erwerbstätigen in Deutschland arbeitet regelmäßig am Wochenende.

Die meisten Fahrten mit Rollern der Anbieter Tier und Lime wurden in der Woche vom 8. bis zum 14. Juli samstags um 14 beziehungsweise 16 Uhr zurückgelegt. Auch unter der Woche stieg kaum jemand morgens auf den Leihroller. Stattdessen wurden sie werktags vor allem mittags und abends bewegt.

Die untersuchte Woche zeigt zwar kein vollständiges Bild der Scooter-Nutzung, die Zahlen deuten den Autoren zufolge jedoch vor allem auf Fahrten in der Freizeit und durch Touristen hin. Damit wären die Roller zwar gefragte Spaßmobile, aber kein wirklicher Ersatz für private Pkw.

Für die Studie hat Civity die Positionen der Roller der gezeigten Anbieter ausgewertet, die über Softwareschnittstellen regelmäßig abgefragt wurden. Anhand der Positionsdaten wurden dann die Bewegungen pro Roller ermittelt. Allerdings würden nicht alle Anbieter solche Schnittstellen zur Verfügung stellen, schränken die Autoren ein. Und da es sich nicht bei jeder Bewegung um eine Bezahlfahrt handle, könne man aus diesen Zahlen auch nicht den geschäftlichen Erfolg der jeweiligen Firmen ableiten.

In Hamburg wollen die Verkehrsgesellschaft Hochbahn und Rolleranbieter Voi die Gefährte für Pendler attraktiver machen . Je 30 Roller stehen in den am Rand der Hansestadt gelegenen Stadtteilen Berne und Poppenbüttel bereit. Sie sollen den Umstieg vom Auto in den öffentlichen Nahverkehr erleichtern. Dafür stellt die Hochbahn Abstellflächen an Bahnstationen bereit und kauft zusätzlich bei Voi Freiminuten, die Abokunden des Nahverkehrs nutzen können.

ene
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