Verkehrsprobleme in Großstädten Kommunen und Anbieter einigen sich auf strengere Regeln für E-Scooter

Dürfen Elektroroller bald nicht mehr überall abgestellt werden? Laut einem Medienbericht haben sich Verleiher und Kommunenvertreter auf entsprechende Richtlinien geeinigt.

RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Elektroroller fluten zunehmend deutsche Städte und sorgen dadurch mancherorts für chaotische Zustände auf Gehwegen. Damit soll nun offenbar Schluss sein. Die kommunalen Spitzenverbände und die vier größten Anbieter von Elektrostehrollern haben sich auf strengere Richtlinien geeinigt, berichtet die "Passauer Neue Presse". Die Rahmenvereinbarung soll Anfang der Woche präsentiert werden.

"Die ersten Wochen seit der Zulassung zeigen, dass es sowohl klarere Vorgaben durch die Kommunen braucht als auch eine gute Kommunikation durch die Anbieter", sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. Die vereinbarten Maßnahmen sollen für mehr Ordnung und Sicherheit sorgen.

Die wichtigsten Punkte:

  • E-Roller sollen nicht mehr ungeordnet auf Gehwegen, in Fußgängerzonen und auf öffentlichen Plätzen abgestellt werden dürfen. Stattdessen sind feste Verleihstationen und gekennzeichnete Bereiche vorgesehen.
  • Mieter müssten über die App des Verleihers mit einem Foto beweisen, dass sie sich daran halten. Ein Bonussystem soll das korrekte Abstellen zusätzlich belohnen. Wer die Vorschriften ignoriert, soll als Nutzer gesperrt werden.
  • Technische Möglichkeiten könnten zudem die E-Scooter für bestimmte Gebiete sperren.
  • Falsch abgestellte oder kaputte Roller sollen von den Verleihern innerhalb einer bestimmten Frist entsorgt werden. Sie tragen demnach auch die Kosten, die bei den Kommunen für die Beseitigung anfallen.
  • Eine Hotline soll Beschwerden über falsch abgestellte Roller sammeln.
  • Die Spitzenverbände fordern von den Firmen zudem anonymisierte Daten über die Zahl der E-Roller, die Ausleihquote und die zurückgelegten Strecken.

Ob alle Vereinbarungen tatsächlich umgesetzt werden, ist jedoch unklar. Die diskutierten Richtlinien sind nicht verpflichtend, sondern gelten lediglich als Diskussionsgrundlage zwischen einzelnen Kommunen und Verleihern.

Einige Städte wie Berlin, Dresden und Köln haben bereits Parkverbote mit den Verleihern ausgehandelt. Andere Kommunen wollten zunächst die Rahmenvereinbarung abwarten.

Im Video: Ärger über E-Scooter - Zwischen Ignoranz und Selbstüberschätzung

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m82arcel 25.08.2019
1.
Wenn man die Roller nur in festen Verleihstationen und gekennzeichneten Bereichen abstellen darf, welchen Sinn haben sie dann noch? Denn dann muss man ja auch wieder erst zur Verleihstation und zurück. Und wie ich unsere Städte kenne, gibt es dann 1-2 Verleihstationen, so dass das ganze System überhaupt keinen Sinn ergibt. Zumindest fällt mir persönlich kein passendes Nutzungsszenario ein.
RalfHenrichs 25.08.2019
2.
Zitat von m82arcelWenn man die Roller nur in festen Verleihstationen und gekennzeichneten Bereichen abstellen darf, welchen Sinn haben sie dann noch? Denn dann muss man ja auch wieder erst zur Verleihstation und zurück. Und wie ich unsere Städte kenne, gibt es dann 1-2 Verleihstationen, so dass das ganze System überhaupt keinen Sinn ergibt. Zumindest fällt mir persönlich kein passendes Nutzungsszenario ein.
Zum einen muss man die Roller nicht in die gleichen Verleihstationen abgeben, zum anderen wird es - je nach Größe der Stadt - nicht 1-2 sondern eher ca. 50 davon geben. Es werden auch keine Stationen sein sondern einfach gekennzeichnete Flächen. Dennoch dürfte durch diese und die anderen Regelungen die Nutzerfrequenz deutlich abnehmen. Fände ich persönlich auch nicht schlecht.
IntelliGenz 25.08.2019
3. abwarten
kommt erstmal der Herbstregen und danach der Winter, hat es sich wohl ausgerollert. Ob dann die Verleihfirmen noch ihre Umsatzzahlen erreichen, die ihr Überleben sichern, sei mal dahingestellt. Wieviele Akkus in der Kälte schlapp machen und wieviele Roller in diesem Zeitraum endgültig kaputt gehen, schau' mer mal! Ich bin jedenfalls der Meinung dass in 2 Jahren kein Mensch mehr von E-Scootern schreibt oder spricht. Es werden ein paar in Privatbesitz übrig bleiben, aber für die Verleihfirmen prophezeie ich das baldige Aus
werdercale 25.08.2019
4.
In Irland kann man Fahrräder gegen Gebühr ausleihen. Diese muss man nach Gebrauch in Albstellvorrichtungen einstellen, sonst läuft die Gebühr weiter. Es gab nirgendwo wild in der Gegend rumstehende Fahrräder. Das sollte auch für die E-Scooter möglich sein, dann wäre das Problem mit den zugestellten Bürgersteigen nicht vorhanden.
kingofmars 25.08.2019
5. Verkehrswende erfolgreich kaputtreguliert
Wenn das so kommt, dann st das System der Leihroller zerstört. Die Dinger sind deswegen gut, weil man eben überall losfahren oder ankommen kann. Die meisten Strecken die ich z.B. damit fahre sind im Bereich von unter 10 Minuten. Wenn ich erstmal 5 Minuten zur nächsten Verleihstation laufen muss, und dann nicht an meinem Ziel ankommen kann, sondern an der dortigen nächsten Station den Roller zurückgeben muss, um dann von dort zu mein eigentlichen Ziel wieder zu Fuß gehen darf, dann kann ich auch gleich den Weg zu Fuß gehen oder das Auto nehmen. Bravo Deutschland, so bleiben wir halt auf immer im 20 Jahrhundert stecken...
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