E10-Kraftstoff Berlin mischt mehr Bioethanol ins Benzin

Ab Januar soll in Deutschland Benzin mit bis zu zehn Prozent Bioethanol auf den Markt kommen, um den Klimaschutz voranzubringen. Umweltverbände aber kritisieren die höhere Beimischung des aus Pflanzen gewonnenen Kraftstoffs. Dessen CO2-Bilanz sei zweifelhaft.

Zapfpistole an einer Tankstelle: E10-Sprit wird demnächst als zusätzliche Sorte angeboten
dpa/dpaweb

Zapfpistole an einer Tankstelle: E10-Sprit wird demnächst als zusätzliche Sorte angeboten


Berlin - Die neue Sorte, genannt E10, wird ab Januar 2011 nach einem Beschluss das Bundeskabinetts zusätzlich zu den vorhandenen Kraftstoffen angeboten. Bisher dürfen nur fünf Prozent Biosprit ins Benzin gemischt werden. "Wir wollen mit der Erhöhung des aus Pflanzen gewonnenen Biosprits den CO2-Ausstoß der Autoabgase senken und damit auch die knapper werdenden Erdölreserven schonen", erklärte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU).

Die Einführung gehe auf einen EU-Beschluss zurück. Nun muss noch der Bundesrat zustimmen. Das Verfahren soll Mitte Dezember abgeschlossen sein. Zusammen mit Röttgen hatte ADAC-Präsident Peter Meyer die Einführung bereits am Wochenende begrüßt. Der Biokraftstoff werde aus Pflanzen aus nachhaltigem Anbau gewonnen; dazu gebe es gesetzliche Vorgaben.

Zweifel von Umweltschützern

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) äußerte dennoch Vorbehalte. "Die Öko- und Klimabilanz von Ethanol, das aus zucker- oder stärkehaltigen Pflanzen hergestellt wird, ist äußerst umstritten", erklärte der Umweltverband. "Die Umwandlung von Wald, Weide- oder Brachland in Ackerland kann dazu führen, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch Biokraftstoffe eingespart wird. E10 ist daher der falsche Kraftstoff zum falschen Zeitpunkt."

Die EU-Kommission diskutiere intensiv über die negativen Folgen sogenannter Landnutzungsänderungen für die Klimaschutzpolitik. Schon jetzt bestünden große Zweifel, ob Ethanol und Biodiesel zur Senkung der CO2-Emissionen im Verkehr überhaupt helfen könnten, fügte er an.

Sind alle Fahrzeuge E10-tauglich?

Biokraftstoffe waren zeitweise als Beitrag zum Klimaschutz gelobt worden; der frühere Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte bereits 2008 einen Anlauf unternommen, dem Benzin mehr Biosprit beizumischen. Doch waren Bedenken laut geworden, die Autos könnten darunter leiden, und Gabriel stoppte seine Pläne.

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums vertragen derzeit etwa 90 Prozent aller benzinbetriebenen Autos E10 ohne Einschränkungen. "Neufahrzeuge sind in der Regel E10-tauglich", erklärt das Ministerium. Allerdings sollte man sich dessen vor dem ersten Tanken beim Fahrzeughersteller vergewissern.

hil/DAPD



insgesamt 23 Beiträge
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the0retisch 27.10.2010
1. Versteckte Mineralölsteuer-Erhöhung
Entscheidender Grund für die Einführung dürfte nicht unbedingt der Umweltaspekt sein, sondern viel mehr die Tatsache, dass die Energiedichte von Ethanol deutlich geringer ist (ca. 35%) als die von herkömmlichem Benzin. Wenn der Ethanolanteil im Sprit erhöht wird, steigt automatisch auch der Verbrauch. Da nämlich nicht davon auszugehen ist, dass ein Liter E10 weniger kosten soll als ein Liter Super 95 (sonst hätte sich dies in den Medien schon längst herumgesprochen und würde in jedem Artikel zum Thema erwähnt werden) ergibt sich für den normalen Autofahrer im Endeffekt nichts weiter als eine plumpe Mineralölsteuererhöung, während sich die Regierung für ihren Beitrag zum Umweltschutz feiern lassen wird.
larsmach 27.10.2010
2. "Zweifelhaft"?
Was heißt "zweifelhaft"? Wird bei Vergleichen überhaupt berücksichtigt, dass Ethanol aus Pflanzen Jahr für Jahr für Jahr für Jahr... produziert wird? Wie Ethanol produziert wird, wie Flächen erschlossen werden, wie auf diesen gedüngt wird, wie Plantagenarbeiter bezahlt werden... ...all das liegt in der Hand des Käufers. Der Kunde ist König. Stattdessen finde ich Hinweise auf Gemeinplätze à la "Zuckerrohr wächst generell auf Brandrodungsflächen" - ein bequemer Automatismus, während afrikanischen Staaten oft ihre Agrarlastigkeit vorgeworfen wird. Man möchte meinen, dass Kritik das Geschäft der Umweltverbände sei. Hülfe es nicht mehr, Vorschläge zu nachhaltiger Produktion von Pflanzenkraftstoffen dort zu machen, wo es an exportfähigen Produkten oft mangelt und infolgedessen Armut herrscht?
glaubblosnix 27.10.2010
3. Spekulanten´´
... kaufen schon mal vorsorglich Ackerland im Osten auf und wenn sie alles aufgekauft haben bekommen wir die Rechnung an der Zapfsäule.
ArnoNym 27.10.2010
4. Leider . . .
Zitat von the0retischEntscheidender Grund für die Einführung dürfte nicht unbedingt der Umweltaspekt sein, sondern viel mehr die Tatsache, dass die Energiedichte von Ethanol deutlich geringer ist (ca. 35%) als die von herkömmlichem Benzin. Wenn der Ethanolanteil im Sprit erhöht wird, steigt automatisch auch der Verbrauch. Da nämlich nicht davon auszugehen ist, dass ein Liter E10 weniger kosten soll als ein Liter Super 95 (sonst hätte sich dies in den Medien schon längst herumgesprochen und würde in jedem Artikel zum Thema erwähnt werden) ergibt sich für den normalen Autofahrer im Endeffekt nichts weiter als eine plumpe Mineralölsteuererhöung, während sich die Regierung für ihren Beitrag zum Umweltschutz feiern lassen wird.
. . . ist das absolut richtig. Allerdings kann die Bundesregierung auf dem Papier (!) dadurch einen Teilerfolg auf dem Weg zum Erreichen der Klimaschutzziele nachweisen, wenn auch unter Inkaufnahme dessen, daß an etlichen Fahrzeugen Schäden zu erwarten sind: Einerseits können Plastikteile quellen und damit stexkenbleiben. Andererseits kann Ethanol ab einer Konzentration von ca. 10% Alulegierungen angreifen (Bildung von Ethanolaten). Letzteres ist übler Lochfraß, und da hilft auch kein Calgon! (Letzteres hilft ohnehin nicht, aber das ist ein ganz anderes Thema)
karsten112 27.10.2010
5. Die CO² Bilanz ist Sche...egal...
Zitat von sysopAb Januar soll in Deutschland Benzin mit bis zu zehn Prozent Bioethanol auf den Markt kommen, *um den Klimaschutz voranzubringen. Umweltverbände aber kritisieren die höhere Beimischung des aus Pflanzen gewonnenen Kraftstoffs. Dessen CO2-Bilanz sei zweifelhaft. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,725708,00.html
Wann begreifzt hier endlich auch der letzte das wir allmählich in einer CO²Diktatur befinden , die diese Begründung zur Durchsetzung aller möglicher Gesetze und Verordnungen als Totschlagargument benutzt. Die Umweltbilanz interessiert in Berlin keine Sau...
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