Auto-Notrufsystem wird Pflicht Das sollten Sie über eCall wissen

Das Notrufsystem eCall wird ab 2018 in allen Neuwagen Pflicht. Bei einem Verkehrsunfall löst das Fahrzeug dann automatisch Alarm aus und ruft Hilfe. Doch wie funktioniert eCall? Und warum gilt es als umstritten?
Knopf eines Auto-Notrufsystems: EU will eCall verpflichtend in Neuwagen

Knopf eines Auto-Notrufsystems: EU will eCall verpflichtend in Neuwagen

Foto: Armin Weigel/ picture alliance / dpa

Ab 2018 wird das automatische Notrufsystem eCall in allen neuen Pkw-Modellen in der EU zur Pflicht. Das EU-Parlament stimmte am Dienstag abschließend für das neue System, mit dem nach Schätzungen der EU-Kommission die Zahl der Unfalltoten um zehn Prozent verringert werden könnte. Bei der eCall-Debatte im Parlament war der Datenschutz der wichtigste Aspekt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick:

Wie funktioniert das eCall-System?

Bei einem schweren Verkehrsunfall alarmiert eCall die Notrufzentrale. Das System übermittelt automatisch unter anderem Standortdaten, Unfallzeitpunkt, die Zahl der Insassen und die Art des Treibstoffs zur nächsten Rettungsleitstelle. Hierfür hat das eCall-System eine Mobilfunkeinheit, einen GPS-Empfänger und einen Antennenanschluss.

Wann löst das Notrufsystem aus?

Kommt es zu einem schweren Unfall des Autos, etwa zu einem heftigen Aufprall, sendet das System automatisch einen Notruf ab - beispielsweise dann, wenn die Airbags auslösen. Damit eCall zum Beispiel nicht bei einem leichten Auffahrunfall beim Parken die Rettungsstelle informiert, ist das System dafür an verschiedene Sensoren und Sicherheitstechniken des Fahrzeugs gekoppelt.

Das Notrufsystem kann aber auch manuell ausgelöst werden: Hierzu muss ein entsprechender Knopf im Auto gedrückt werden. "So können Verletzte, die noch bei Bewusstsein sind, eCall selbst auslösen oder auch Zeugen, die den Insassen zu Hilfe kommen", erklärt Jacqueline Lacroix vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat.

In beiden Fällen - also bei automatischer und manueller Auslösung - wird eine Sprachverbindung zwischen Fahrzeug und Rettungsleitstelle aufgebaut. So können weitere Unfalldetails durchgegeben werden.

Was kostet mich eCall?

"Für den Verbraucher wird dieser Service kostenfrei sein", sagt Lacroix. Die Kosten für das eCall-System schätzt die EU auf weniger als hundert Euro pro Fahrzeug.

Kritiker fürchten den gläsernen Autofahrer. Zu Recht?

Grundsätzlich könnte das System nicht nur Informationen wie den Unfallort aufzeichnen, sondern ständig Daten sammeln und Bewegungsprofile erstellen, befürchten Kritiker.

Die EU entgegnet, bei eCall handele es sich um ein sogenanntes schlafendes System: Die Informationen werden demnach erst in dem Moment preisgegeben, in dem ein schwerer Unfall passiert ist. So soll verhindert werden, dass Fahrzeuge mit Hilfe von eCall verfolgt werden könnten.

Warum wird überhaupt ein solches Notrufsystem eingeführt?

Ziel ist es, ein System zu etablieren, dass in jedem EU-Land funktioniert und auf der Notfallnummer 112 basiert. Es gibt bereits private Dienste etwa von den Autoherstellern, doch sie funktionieren nicht überall in Europa. Das standardisierte System eCall soll Abläufe sicherstellen, ohne dass Sprachprobleme im Weg sind oder ein Standort nicht ausgemacht werden kann.

eCall soll helfen, die Zahl der Verkehrstoten in der EU merklich zu senken. 2014 sind etwa 25.700 Menschen bei Verkehrsunfällen in Europa gestorben. Durch den sofortigen Alarm im Falle eines Unfalls und die Kenntnis vom genauen Unfallort könne die Reaktionszeit der Rettungskräfte um bis zu 50 Prozent in ländlichen und bis zu 40 Prozent in städtischen Gebieten reduziert werden, sagt die EU-Kommission. Sie verspricht sich durch den Zeitgewinn, den eCall ermöglicht, dass jedes Jahr bis zu 2500 Leben gerettet werden.

smh/dpa
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