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Ultraleicht-Auto: Schnittig in die Zukunft

Foto: Brad Jaeger

Ultraleicht-Auto Edison VLC 4.0 Ein Fall fürs Ei

Halb Rennwagen, halb Raumschiff: Das Very Light Car der Firma Edison 2 sieht ebenso futuristisch wie abgedreht aus. Der Zweisitzer ist extrem leicht, windschlüpfig und verfügt über eine neuartige Radaufhängung. Wagt ein Hersteller, dieses Auto zu bauen?

"Letztendlich geht es immer um Effizienz", sagt Oliver Kuttner, "und zwar um Effizienz, die nichts extra kosten darf." Nach diesen beiden Maximen entwickelt Kuttners Unternehmen, die Ingenieursfirma Edison 2, in Lynchburg im US-Staat Virginia, seit mehreren Jahren Auto-Prototypen.

Das neueste Modell heißt Edison VLC 4.0, wobei die Abkürzung vor Very Light Car steht, Ultraleicht-Auto. Es wurde vor kurzem während einer Veranstaltung im Henry Ford Museum in Dearborn enthüllt - eine geschmeidig geformte, zweisitzige Kapsel auf vier freistehenden, voll verkleideten Rädern. Das Ding könnte ohne weiteres in einem Science-Fiction-Film mitspielen; Kuttner jedoch will lieber real im Hier und Jetzt wirken.

"Ich glaube, dass wir am Beginn tiefgreifender Veränderungen in der Autoindustrie stehen", sagt Kuttner, ein ehemaliger Autohändler und Immobilienunternehmer. Kuttner hörte vor einigen Jahren vom Automotive X-Prize, bei dem es 10 Millionen Dollar für den zu gewinnen gab, der ein alltagstaugliches, industriell produzierbares Fahrzeug mit einem Verbrauch von umgerechnet weniger als 2,3 Liter je 100 Kilometer (100 mpg) auf die Räder stellte.

Als Antrieb reicht ein 250-Kubik-Benziner

2010 erfüllte das Modell von Edison 2 diese Anforderungen gemeinsam mit einem zweiten Fahrzeug - das brachte fünf Millionen Dollar Preisgeld. Die Siegprämie wurde sogleich in die nächste Ausbaustufe investiert. Die Karosserie wurde größer, blieb jedoch maximal windschnittig und leicht. "Es gibt eigentlich nur zwei Stellschrauben, an denen man drehen kann, um ein brauchbares Ergebnis zu erzielen", sagt Kuttner, "den Luftwiderstand und das Gewicht." Beides lasse sich ohne exotische und teure Materialien bewerkstelligen. Das Very Light Car 4.0 hat kein Gramm Karbon an Bord, sondern besteht aus Aluminium und Stahl; das Chassis allein wiegt rund 500 Kilogramm.

Die technische Besonderheit des Zweisitzers sind neue, patentierte Radaufhängungen. Diese sind so gestaltet, dass Feder, Dämpfer und Scheibenbremsen als Einheit so kompakt gebaut sind, dass sie ins Felgeninnere passen. Das spart insgesamt Gewicht und reduziert somit die ungefederten Massen. Allerdings müssen die Räder ziemlich groß und zugleich schmal sein, damit das komplexe Aufhängungssystem sinnvoll integriert werden kann.

Als Antrieb für das VLC 4.0 sind sowohl ein Verbrennungsmotor als auch Hybrid- oder Elektroantrieb möglich. Kuttner favorisiert die klassische Lösung mit einem Ottomotor, weil dann auf schwere und teure Akkus verzichtet werden könne. "Für das Auto reicht ein 250-Kubik-Motor", sagt Kuttner. Um den Zweisitzer mit konstant Tempo 100 über den Highway zu treiben, sei eine Leistung von sechs PS ausreichend, was mit dem geringen Gewicht und dem niedrigen Luftwiderstandsbeiwert von 0.16 zu tun habe.

Wie soll es jetzt weitergehen? Kuttner sagt, man warte auf Anfragen von großen Herstellern; die neuartige Radaufhängung beispielsweise sei eine Komponente, die möglicherweise in künftigen Serienautos zum Einsatz komme, um auch dort Gewicht zu sparen. Eine Serienfertigung des VLC 4.0 plant die Firma Edison 2 jedenfalls nicht. Obwohl das Projekt nach Kuttners Auskunft bereits durchgerechnet sei. "Bei einer Jahresproduktion von 10.000 Exemplaren müsste das Fahrzeug mit kleinem Benzinmotor rund 20.000 Dollar kosten, um nicht defizitär zu sein." Falls das stimmt, wäre es wirklich ein sehr effizientes Auto zu einem annehmbaren Preis.

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