Einpark-Geschlechterstudie Und ewig lockt die Lücke

Neue Vergleichsstudie zum Fahrtalent von Männern und Frauen: Die Frage, welches Geschlecht das Auto besser einparkt, wäre demnach endgültig geklärt - mit einem überraschenden Ergebnis.
Missglückter Einpark-Versuch in Bordeaux: Frauen parken anders, Männer auch

Missglückter Einpark-Versuch in Bordeaux: Frauen parken anders, Männer auch

Foto: PATRICK BERNARD/ AFP

"Parkplätze sind unsere Leidenschaft", lautet der Werbeslogan von NCP. Das Londoner Unternehmen betreibt einen Großteil der Parkhäuser und Stellflächen in Großbritannien - es ist also so was wie eine Autorität in Sachen Parkplatzfragen. Aber kann es auch die wichtigste beantworten? Jene, die die Menschheit seit Jahrzehnten spaltet: Wer parkt besser ein - Männer oder Frauen?

Die Firma hat es zumindest versucht. In einer umfangreichen Studie, deren Ergebnisse im "Daily Telegraph"  veröffentlicht wurden, wertete NCP die Kameraaufnahmen von mehr als 700 Parkplätzen Englands aus. Ein Team von Forschern beobachtete über einen Zeitraum von einem Monat rund 2500 Autofahrer beim Einparken. Das erstaunliche Ergebnis: Frauen parken besser ein als Männer.

Oder, besser gesagt: präziser. Im Schnitt brauchten die Herren der Schöpfung zwar nur 16 Sekunden, um ihren Wagen in die Parklücke zu stellen. Die Damenwelt benötigte ganze fünf Sekunden länger - aber dafür stand das Auto dann auch so, wie es sich gehört, nämlich in der Parkplatzmitte. Während über die Hälfte der Frauen ihr Auto korrekt parkte, standen die Fahrzeuge der Männer zu 75 Prozent schief in der Parklücke.

Rückwärts einparken ist Frauensache

Und dann auch noch das: Während männliche Autofahrer das Rückwärtseinparken zum Sport erklärt haben, an dem fahrende Frauen nicht teilnehmen dürfen (weil sie, so die Annahme, es nicht können), belegt die Studie, dass die Männer auch in dieser Disziplin nur auf den zweiten Platz fahren. Der Grund für das bessere Abschneiden der Fahrerinnen: Sie bereiten sich gründlicher auf das Einparkmanöver vor.

Frauen lassen sich mehr Zeit bei der Suche und finden dadurch größere Lücken. Haben sie eine gefunden, stellen sie sich laut Studie erst mal in die richtige Ausgangsposition. Anschließend befolgen sie akkurat die Regeln der Einparkkunst, so wie sie es in der Fahrschule gelernt haben. Männern dagegen wird die Hektik zum Verhängnis. So parken sie zwar schneller - aber eben auch unpräziser.

Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, ist von dem Ergebnis der Studie nicht überrascht. "Ich kann nur bestätigen, dass Frauen genauer einparken", sagt er, und erzählt von den Alltagserfahrungen der Fahrlehrer. Die hätten festgestellt, dass Frauen in der Fahrschule länger brauchen, um Rückwärtsfahren und Parken zu lernen; später wenden sie die Techniken offenbar aber korrekter an. "Männer haben beim Fahrtraining anfangs vielleicht einen Vorsprung, weil sie als Kinder ein Bobbycar gelenkt haben", wagt von Bressensdorf einen eher halbernst gemeinten Erklärungsversuch.

Sieg nach Punkten

Er teilt ebenfalls die Beobachtung, dass Frauen die geeigneteren Stellplätze finden: "Wir stellen immer wieder fest, dass Männer auch risikoreiche Parklücken ansteuern, während Frauen lieber noch mal um den Block fahren."

Forscher der Universität Bochum hatten 2010 übrigens ein ähnliches Experiment gestartet, kamen aber zu einem anderen Ergebnis: Die Männer dort parkten nicht nur schneller ein, sondern auch genauer als Frauen. Allerdings wurden für diese Studie lediglich 17 Fahranfänger und 48 erfahrene Autofahrer bei ihren Abstellmanövern beobachtet.

Die NCP-Studie hingegen wertete nicht nur mehr Einparkversuche aus, sondern auch in einem komplexeren System: Die Daten wurden in sieben Kategorien unterteilt, für die dann Punkte vergeben wurden, darunter die Schnelligkeit beim Finden eines Parkplatzes, Ablauf und Dauer des Einparkmanövers und wie oft der Fahrer zur Korrektur rangieren musste. Klarer Sieger: die Frauen. Sie seien mit einem "Einparkungs-Koeffizienten" von 13,4 von 20 möglichen Punkten besser als die Männer, die nur auf 12,3 Punkte kommen.

Traurig ist dabei nur, dass sich die meisten Frauen nach erfolgreich absolvierter Einparkprozedur so gut wie nie als Siegerin fühlen. Nur wenige Frauen glauben an ihre Fähigkeiten. Gefragt, ob sie sich für die besseren Einparker hielten, antwortete bloß ein Fünftel der Frauen mit Ja.

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