Fotostrecke

Elektrolieferwagen: Einladen, ausladen, aufladen

Foto: Nils Hendrik Mueller / UPS Deutschland

Zuwachs bei Elektrolieferwagen Voll der Bringer

Die GroKo will gewerblich genutzte E-Fahrzeuge fördern. Ein sinnvoller Schritt, denn nirgends sind Elektromodelle besser eingesetzt als im städtischen Lieferverkehr.

Wer eine Diskussion über Elektromobilität abwürgen will, muss bloß über eine längere Urlaubsreise sprechen. Kein Mensch käme auf die Idee, beispielsweise von München bis Madrid mit einem E-Auto zu fahren - allein wegen der nötigen Ladepausen. Es sei denn, er sucht das Abenteuer. Noch lange wird ein Elektroauto nicht so universell einsetzbar sein, wie wir das bislang von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren (Benzin, Diesel, Erdgas, LPG) gewohnt sind. Ebenso aber gilt: Es gibt Mobilitätsanforderungen, zu denen Elektromobilität perfekt passt - wie etwa der städtische und regionale Lieferverkehr.

Die "letzte Meile", wie Logistiker die Warenauslieferung an den Endkunden nennen, bietet ideale Voraussetzungen für den Einsatz von E-Autos: Die täglichen Touren sind selten länger als hundert Kilometer, und sie können genau geplant und so an die Reichweiten der E-Fahrzeuge angepasst werden. Das regelmäßige Laden der Batterie am Abend im Depot ist sichergestellt. Und vor allem werden Lärm und Schadstoffe dort reduziert, wo es am sinnvollsten ist: in dicht bevölkerten Gebieten.

Bei den großen Herstellern von Kleinlastern jedoch setzt sich diese Erkenntnis erst langsam durch. UPS, der größte Logistikkonzern der Welt, fährt in Deutschland mit Elektrofahrzeugen Pakete aus, die vom Stuttgarter Unternehmen EFA-S auf Akkubetrieb umgerüstet werden. Der Paketzusteller Hermes kooperiert mit der Hamburger Firma Emovum, die Fiat-Ducato-Transporter zu E-Lieferwagen umbaut. Und weil die Post-Tochter DHL keinen Hersteller fand, der ein elektrisches Zustellfahrzeug bauen konnte oder wollte, erledigt sie das nun hausintern: Die hundertprozentige Post-Tochter Streetscooter hat inzwischen weit mehr als 5000 Elektrolieferwagen gebaut und ist aktuell der größte Elektronutzfahrzeug-Hersteller Europas.

Die Nutzfahrzeug-Hersteller sind jetzt auch aufgewacht

Inzwischen aber tut sich was. Iveco, VW, Mercedes, Renault und Ford beispielsweise haben nun erkannt, dass in der Klasse der Kastenwagen bis 3,5 Tonnen Nutzlast ein Elektroantrieb nicht nur sinnvoll, sondern auch von zahlreichen Unternehmen nachgefragt wird. In diesem und im nächsten Jahr sollen daher, falls die Ankündigungen der Hersteller auch eingehalten werden, eine ganze Reihe E-Transporter in dieser Klasse auf den Markt kommen.

Als Beschleuniger könnte der Plan der Bundesregierung wirken, gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge mit einer Sonderabschreibung von 50 Prozent im Jahr der Anschaffung zu fördern. Das sieht der Koalitionsvertrag vor. 

"Der größte Treiber der Nachfrage nach Elektrolieferwagen ist die Angst vor künftigen Fahrverboten für Dieselfahrzeuge in Innenstädten", sagt Lukas Minnich vom Öko-Institut in Berlin. Mit E-Transportern ist das Befahren von Umweltzonen kein Problem, zudem wird der Preisunterschied zu Dieselfahrzeugen immer geringer, sodass der Einsatz von E-Flotten auch wirtschaftliche Vorteile bringt. Zumal die Akkus über Nacht mit günstigem Strom geladen werden können. In vielen Fällen kommt wohl auch noch ein positiver Werbeeffekt hinzu.

Fotostrecke

Elektrolieferwagen: Einladen, ausladen, aufladen

Foto: Nils Hendrik Mueller / UPS Deutschland

Bald müssen vier Milliarden Pakete pro Jahr in Deutschland ausgefahren werden

Die großen Hersteller wittern daher ein Geschäft mit E-Transportern. Vor allem angesichts der prognostizierten Zunahme des Zustellverkehrs. Aktuell werden in Deutschland pro Jahr gut drei Milliarden Päckchen und Pakete ausgeliefert, bis 2021 sollen es schon vier Milliarden sein. Würden all diese Kartons und Kisten von Amazon und Zalando, Otto, Ebay oder Tchibo weiterhin von Diesel-Kastenwagen vor die Haustür gebracht, kämen womöglich auch hierzulande Atemmasken in Mode, wie man sie aus chinesischen Großstädten kennt. Jedenfalls würde die Lärm- und Abgasbelastung weiter zunehmen und das Ärgernis der "Zweite-Reihe-Parkblockierer" noch größer werden.

"Natürlich stehen auch Elektrolieferwagen im Stau oder verursachen sogar Staus, aber sie reduzieren Lärm und Schadstoffemissionen erheblich", sagt Lars Purkarthofer, Sprecher von UPS in Deutschland. Das größte Logistikunternehmen der Welt experimentierte bereits 2009 mit einem Elektro-Zustellfahrzeug in Deutschland. Inzwischen sind rund 60 der insgesamt 4200 UPS-Fahrzeuge hierzulande rein elektrisch unterwegs. Das ist noch nicht viel, aber ein Anfang. Purkarthofer: "Wenn Ballungszentren möglichst emissionsfrei mit Waren versorgt werden sollen, dann ist Elektromobilität ein wichtiger Baustein, um das zu gewährleisten."

Dass VW, Mercedes und Co. die Elektrifizierung ihrer leichten Nutzfahrzeuge voranbringen, hat nicht nur mit den erwarteten Absatzzahlen zu tun, sondern auch mit den von der EU bis zum Jahr 2030 festgelegten CO2-Zielen, die nicht nur für Pkw, sondern auch für leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht gelten sollen (eine endgültige Festlegung wird Ende dieses Jahres erwartet). Zwar ist die bislang für Lieferfahrzeuge vorgesehene CO2-Absenkung wenig anspruchsvoll, aber es ist geplant, dass jeder elektrisch angetriebene Kastenwagen mit 0 Gramm CO2 pro Kilometer in die Gesamtbilanz eingeht. Das heißt dann auch: Je mehr E-Transporter ein Hersteller verkauft, desto klimaschädlicher dürfen die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bleiben.