Elektroauto-Boom in Monaco Der Fürst denkt grün

Nirgendwo in Europa gibt es mehr Luxusautos als in Monaco. Doch seit Albert II. regiert, gibt sich der mediterrane Zwergstaat einen grünen Anstrich: Elektro- und Hybridautos werden im doppelten Wortsinn fürstlich gefördert - mit erstaunlichem Erfolg.
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Elektromobilität in Monaco: Stromern unter Millionären

Wenn Bernard Fautrier über den Platz vor dem Casino von Monte Carlo schlendert, packt den Minister bisweilen die Wut. Zwar lebt Monaco vor allem von jenen sehr reichen Menschen, die hier Steuern sparen - doch deren Luxuslimousinen und Supersportwagen missfallen dem Ministre Plenipotentiaire, dem Vertrauten von Prinz Albert II. Denn Monaco setzt auf eine grüne Zukunft.

Der Regent hat den Umweltschutz als Generalthema entdeckt. Er lässt kaum eine Gelegenheit aus, um vor der drohenden Klimakatastrophe, der Verschmutzung der Meere und dem CO2-Problem zu warnen. Der Prinz, selbst PS-Fan und Autosammler, fahre offiziell wie privat nur noch Hybridfahrzeuge und habe die Palastflotte auf Toyota und Lexus umgestellt, berichtet Fautrier. Damit das Volk mitzieht, gibt es monetäre Anreize. "Nirgends in Europa werden Fahrzeuge mit alternativen Antrieben so großzügig gefördert wie bei uns", sagt der Minister. "Bei Elektroautos übernimmt der Staat ein Drittel der Kosten."

Außerdem sind schon 300 der rund 18.000 Tiefgaragenplätze im Fürstentum mit Steckdosen ausgerüstet, an denen die Stromer kostenlos nachladen können. "Ein Rabatt bei der Kfz-Steuer wird auch gewährt", sagt Fautrier. Hybridfahrzeuge werden übrigens mit immerhin 3000 Euro bezuschusst.

Monaco fährt elektrisch - doch es fehlen aktuelle Automodelle

Das zahlt sich aus. Weil Monaco schon seit gut zehn Jahren auf saubere Mobilität achtet, sind überraschend viele Hybrid- und Elektroautos unterwegs. "Im Augenblick sind es jeweils rund 250 Modelle. Gemessen am gesamten Fuhrpark ist das mehr als in jedem anderen Land", sagt Fautrier. Allerdings fehlt der Nachschub, denn viele vorhandene Elektroautos sind schon älter und stammen von Umrüstern aus Frankreich oder Italien, die oft nicht mehr liefern.

Monaco ist deshalb sehr interessiert an Partnerschaften, Flottentests und Kooperationen mit Autoherstellern in Sachen Elektromobilität. "Wir brauchen dringend neue Autos, und wir können nach jahrelanger Erfahrung mit dem Thema eine qualifizierte Einschätzung geben", sagt Frautier über die Doppelrolle Monacos als Großkunde und Entwicklungshelfer.

Erst kürzlich übernahm der Prinz vier Mitsubishi i-Miev, von denen einer jetzt dem Ministre Plenipotentiaire als Dienstwagen dient. Und kürzlich wurde mit Daimler ein Abkommen über die Lieferung von zehn Elektro-Smart unterzeichnet, die ab 2010 durchs Fürstentum stromern sollen.

Die Reichweite von Elektroautos ist im Zwergstaat kein Problem

Das sei ein Anfang, aber noch viel zu wenig, lässt der Minister durchblicken. "In Monaco sind insgesamt 870 Smart registriert. Und jeder Besitzer dieser Autos würde den Wagen lieber heute als morgen gegen ein Modell mit Elektroantrieb tauschen."

Die Bedingungen sind hier ideal. Denn eine große Reichweite spielt bei einem Staatsgebiet von drei Kilometer Länge eine eher untergeordnete Rolle.

Das ist offenbar auch die Überzeugung des einzigen monegassischen Autoherstellers Venturi, der Elektrofahrzeuge verkauft. Neben dem potenten Sportwagen Fetish im Stil des Tesla Roadster und schnittigen Studien wie dem Volage baut die Firma auch den Kleinwagen Ecletic, der autonom nur mit Sonne- und Windkraft fahren kann - freilich kaum mehr als ein Dutzend Kilometer am Tag.

Die französische Post will 10.000 Elektroautos in Dienst stellen

Derzeit bereitet Venturi die elektrische Umrüstung des Citroën Berlingo vor. Um dessen Qualität unter Beweis zu stellen, soll der Wagen demnächst auf den Spuren einer historischen Expedition von Shanghai nach Paris fahren. Gelingt die Tour, könnte ein Auftrag der französischen Post über 10.000 Elektro-Kleinlieferwagen folgen.

Allem Anspruch zum Trotz gehören jedoch die Ferrari, Lamborghini und Rolls-Royce weiter zum Image von Monaco - ebenso das Formel-1-Rennen, die Rallye Monte Carlo und die millionenteuren Yachten im Hafen. Doch selbst die Schickeria denkt offenbar um. Erst kürzlich eröffnete eine Tesla-Niederlassung in Monte Carlo.

Mit einem Preis jenseits der 100.000 Euro ist der Elektro-Roadster aus den USA hier genau am richtigen Ort. Gefördert wird der saubere Sportwagen allerdings nicht mit einem Drittel des Kaufpreises. Fautrier: "Es gibt eine Obergrenze für den 30-Prozent-Zuschuss - und die liegt bei 9000 Euro."

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