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Elektroauto im Alltagstest, Teil 3: Geduldsprobe an der Ladesäule

Foto: Christian Frahm

Elektroauto im Alltagstest, Teil 3 So zäh fließt der Strom ins E-Mobil

Mit Elektroautos beginnt eine neue Zeitrechnung - leider. Denn beim Aufladen werden aus zwei Stunden plötzlich drei.

Worum geht's?

Versuchen kann man's ja mal: Christian Frahm lebt in einem Wohngebiet im Osten Hamburgs und möchte herausfinden, wie praktisch ein Elektroauto für ihn ist. Ein Test unter verschärften Bedingungen - denn er hat keine Garage und kann sein E-Mobil nur an öffentlichen Ladesäulen mit Strom befüllen. Auf SPIEGEL ONLINE berichtet er über seine Erfahrungen.

Was bisher geschah

Mein Testwagen, ein Renault Zoe, hat bestenfalls etwa 300 Kilometer Reichweite. Für meine Alltagsfahrten reicht das locker über mehrere Tage. Da ich aber auf öffentliche Ladepunkte angewiesen bin, zapfe ich meinen Strom lieber zu früh als zu spät.

So auch heute

Der Bordcomputer des Zoe zeigt noch 135 Kilometer Restreichweite an, als ich nach Feierabend vor der Ladesäule in der Nähe meiner Wohnung parke. Positiver Nebeneffekt der nur langsam wachsenden Zahl an E-Autos: Wenn man eine Säule gefunden hat, ist sie fast nie belegt.

Es ist 19 Uhr

Ich hole das Ladekabel aus dem Kofferraum, schließe es an und halte anschließend meinen RFID-Chip vor die Anzeige der Ladesäule. "Vorgang derzeit nicht möglich. Wir bitten um Verständnis", steht auf dem Display. Drei weitere Versuche bleiben ebenfalls erfolglos. Während ich die Servicenummer des Säulenbetreibers wähle, erscheint auf der Anzeige der Ladesäule plötzlich ein Smiley. Mein Chip wurde doch erkannt. Glückssache Stromzapfen?

Der Bordcomputer des Zoe zeigt an, dass der Akku jetzt, zu Beginn des Ladevorgangs, zu 56 Prozent geladen ist. Als voraussichtliche Ladezeit für die restlichen 44 Prozent meldet der Rechner zwei Stunden. Ich gehe nach Hause, bereite Kartoffeln fürs Abendessen vor und gehe erstmal joggen.

Es ist 21.10 Uhr

Ich bin wieder am Auto. Die Akkuanzeige steht bei 95 Prozent, die Restladezeit soll 30 Minuten betragen. Ich weiß, dass die letzten Prozent eines Lithium-Ionen-Akkus nur sehr langsam geladen werden können: Das hat damit zu tun, dass die Spannungsdifferenz zwischen Ladequelle und Akku immer geringer wird, je voller der Akku geladen ist. Entsprechend verringert die Ladeelektronik auch den Ladestrom, um den Akku nicht zu überlasten. Ich setze mich ins Auto und warte.

Es ist 21.29 Uhr

Akkuanzeige 98 Prozent, restliche Ladezeit 20 Minuten. Ich stelle die Rückenlehne zurück und mache es mir bequem.

Es ist 21.34 Uhr

Akkuanzeige 99 Prozent, gleich ist es geschafft.

Es ist 22.02 Uhr

Es ist dunkel geworden, ich sitze im Auto und habe Hunger. Zu Hause stehen schon die geschälten Kartoffeln bereit, eigentlich wollte ich nach dem Sport ja nur kurz das Auto abholen. Dann doch noch das erlösende Signal: "Batterie ist vollständig geladen."

Mal kurz nachrechnen

Während der Ladezeit hat der Akku 21,15 Kilowattstunden Energie aufgenommen. Umgerechnet auf die damit zurückgelegte Strecke von 109 Kilometern und den Preis von 27 Cent pro Kilowattstunde macht das etwa 5,24 Euro Stromkosten pro 100 Kilometer. Mit einem vergleichbaren VW Polo, Normverbrauch 4,7 Liter Benzin je 100 Kilometer, hätte man beim derzeitigen Preis von 1,30 Euro pro Liter Benzin 6,22 Euro gezahlt (wahrscheinlich deutlich mehr, wer bewegt schon ein Auto mit dem Normverbrauch?). Vorteil E-Mobil!

Der Nachteil: Statt der vorausgesagten zwei Stunden dauerte der Ladevorgang des Renault Zoe drei Stunden.

Ich schnalle mich an und drücke den Startknopf. Meine Lektion von heute: Beim Laden immer etwas mehr Zeit einplanen. Mein Blick fällt auf die Reichweitenanzeige.

256 Kilometer. Mit vollem Akku? Nur?

Davor waren es doch mal 329 Kilometer! Ich muss mich über mich selbst empören, fällt mir da ein. Denn die Berechnung der Reichweitenanzeige berücksichtigt immer das jüngste Fahrverhalten. Heißt also: Je energieschonender ich fahre, desto mehr Reichweite wird mir anfangs angezeigt. Und entsprechend weniger wird prognostiziert, je rasanter ich unterwegs bin. Ob das nun hilfreich oder verwirrend ist, muss jeder für sich entscheiden. Mein jüngstes Fahrprofil entlarvt mich jedenfalls als verschwenderisch. Trotzdem muss ich jetzt gleich wieder Gas geben - die Kartoffeln warten.


Lesen Sie im nächsten Teil: Wechselbad der Gefühle auf dem Gratisparkplatz


Teil 1: Mein Leben als Ladesäulen-Nomade

Teil 2: Warum Ladesäulen den Dienst verweigern

Wie gut kennen Sie sich mit Elektroautos aus? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz.