Elektroauto im Alltagstest, Teil 4 Parkplatz gratis, Ärger umsonst

In Hamburg dürfen E-Mobile auf öffentlichen Stellplätzen kostenlos parken. SPIEGEL-ONLINE-Autor Christian Frahm, für den Alltagstest im Elektroauto Renault Zoe unterwegs, freut sich. Allerdings zu früh.

Christian Frahm

Worum geht's?

Versuchen kann man's ja mal: Christian Frahm lebt in einem Wohngebiet im Osten Hamburgs und möchte herausfinden, wie praktisch ein Elektroauto für ihn ist. Ein Test unter verschärften Bedingungen - denn er hat keine Garage und kann sein E-Mobil nur an öffentlichen Ladesäulen mit Strom befüllen. Auf SPIEGEL ONLINE berichtet er über seine Erfahrungen.

Was bisher geschah

Ich habe festgestellt, dass man fürs Stromtanken an öffentlichen Ladesäulen sehr viel Geduld braucht. Erst einmal muss die Anmeldung klappen, und dann können aus den vorhergesagten zwei Stunden Wartezeit fürs Laden auch mal drei Stunden werden. Das macht die Sache kompliziert.

Umso mehr freue ich mich über eine Überraschung, die ich an einem Parkautomaten erlebe:

Ich muss keine Parkgebühren zahlen!

"Gekennzeichnete Elektrofahrzeuge mit Parkscheibe bis zur Höchstdauer frei", steht auf einem Aufkleber an dem Automaten. Heißt: Ich spare sechs Euro, die normalerweise für 120 Minuten parken fällig werden. Mein Gratisstellplatz hat außerdem beste Lage: An der Hamburger Binnenalster, nur wenige Minuten zu Fuß von meinem Büro entfernt. Ich lege also die Parkscheibe hinter die Frontscheibe und bin in Schnäppchenlaune. Zwei Stunden Freiparken reichen mir locker, ich habe später noch einen Termin, zu dem ich mit dem Auto fahre. Und wenn ich zurückkomme, kann ich zwei weitere Stunden frei parken. Denke ich zumindest.

Der Beamte, der mir einen Strafzettel hinter den Scheibenwischer geklemmt hat, sah das offensichtlich anders.

Knöllchen am Elektroauto
Christian Frahm

Knöllchen am Elektroauto

Was. Soll. Das?

Wie geplant hatte ich den Renault Zoe nach meinem Termin wieder auf einem Gratisparkplatz vor dem Büro geparkt. Als ich nach Feierabend ans Auto zurück komme, sehe ich als erstes das Knöllchen. Wusste der Kontrolleur nichts von der Ausnahmeregel für Elektroautos? Oder hat er nicht erkannt, dass mein Zoe ein E-Mobil ist? Wahrscheinlich ersteres - denn auf dem Kennzeichen des Wagens steht ein großes "E" für Elektroauto.

Jedenfalls bin ich unschuldig und wehre mich gegen den Vorwurf der Zechprellerei

Ich wende mich an die Hamburger Innenbehörde. Herr Guido Malburg meldet sich.

"Innerhalb der vorgegebenen Höchstparkdauer können Elektroautos in Hamburg kostenlos parken, sofern der Fahrer dafür eine Parkscheibe nutzt," erklärt er.

Habe ich gemacht.

"Macht man den Parkplatz nach Ablauf der Höchstparkdauer frei und findet eine neue Parklücke in der Umgebung, kann man weitere zwei Stunden dort parken, da es sich um einen neuen Parkvorgang handelt", sagt er.

Genau so war es bei mir.

Malburg: "Ich kümmere mich."

Der unnötige Aufwand ärgert mich zwar, aber eins sollte man nicht vergessen:

Seit November 2015 können E-Mobile im gesamten Hamburger Stadtgebiet auf öffentlichen Stellplätzen kostenlos parken. Das ist nur in wenigen Städten in Deutschland möglich, unter anderem in Hannover und Stuttgart.

Den Vorteil in Hamburg weiß ich zu schätzen. Natürlich wäre es mir noch lieber, würden in Deutschland norwegische Verhältnisse herrschen: Im skandinavischen Elektroauto-Paradies entfallen nicht nur die Parkgebühren für E-Mobile, sondern unter anderem auch die Mautgebühren sowie die Mehrwertsteuer bei der Anschaffung. In Großstädten wie Oslo ist zudem der Strom an öffentlichen Ladesäulen kostenlos. Zusammenaddiert machen diese Vergünstigungen in Norwegen ein Elektroauto günstiger als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

Ach, Norwegen! Hier in Deutschland klappt ja noch nicht einmal das kostenlose Parken, denke ich - als plötzlich mein Handy klingelt.

Herr Malburg von der Innenbehörde ist am Apparat

"Das Verfahren wegen Falschparkens wurde eingestellt", teilt er mir mit. "Wahrscheinlich hat der Beamte übersehen, dass es sich um ein Elektroauto handelte", sagt Malburg. "Das kommt wirklich nur ganz selten vor."


Lesen Sie in der nächsten Folge: Mein erster Ausflug mit Zoe - ab an die Ostsee!


Teil 1: Mein Leben als Ladesäulen-Nomade

Teil 2: Warum Ladesäulen den Dienst verweigern

Teil 3: So zäh fließt der Strom ins E-Mobil

Wie gut kennen Sie sich mit Elektroautos aus? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz .



insgesamt 148 Beiträge
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Seite 1
vanselow 02.06.2017
1. Anfängerprobleme
Ich fahre selbst Elektroauto. Was mich bei solchen Tests immer wieder ärgert, sind diese vielen Anfängerfehler, die gemacht werden und die man dann dem Elektroauto zurechnet, statt einzusehen, dass E-Autofahren einige Übung braucht. So hatte der Tester bei 95 Prozent tatsächlich nochmals eine Stunde im Auto gewartet, bis ganz voll war. Entweder man sagt, ich habe es eilig und verzichtet auf die letzten Prozente, die viel Zeit kosten, oder man holt das Auto gleich später von der Ladestation ab. Dann die Preisberechnung für das Vollladen: Mit Erfahrung weiß man, dass es extreme Preisunterschiede gibt. Von kostenlos bis zu Wucherpreisen. Ich habe bislang noch kein Geld für das Stromtanken bezahlt. Mit einiger Erfahrung kann man das hinbekommen. Und ich habe auch keine Garage und muss öffentlich aufladen. Dann das Problem mit dem Chip, der nicht gleich funktioniert hat. Ein bisschen Geduld muss man schon mitbringen, weil alles sehr neu ist und noch nicht sehr ausgereift. Das gilt auch für das Knöllchen: die Leute müssen alle erst noch lernen. Wem es an solcher Geduld mangelt, Geduld mit sich selbst und dem Erlernen von Neuem und Geduld bei anderen, die auch lernen, sollte mit dem Elektroauto noch etwas warten. Für alle anderen: das Elektroautofahren funktioniert und macht auch viel Spaß.
jak01 02.06.2017
2. Norwegen als quasi Vorbild in Sachen Elektromobilität....
...zu bezeichnen, ist an Hohn nur schwer zu überbieten! Denn wie kaum ein anderes Land - zumindest in der westlichen Welt - lebt Norwegen von seinen Ölexporten. Damit finanziert der Staat dann die Subventionen für die Elektroautos der Bürger seines dünn besiedelten Landes. Diese können für ihr grünes Image also nur hoffen, dass die anderen Länder noch möglichst lange dem hohen Ölkonsum treu bleiben, d.h. also u.a. noch möglichst lange und zahlreich mit Verbrennungsmotoren fahren. ;-) Verlogene Ökologie muss man sowas nennen!
herbert 02.06.2017
3. Warum umsonst parken ?
Wer sich solch ein teures Auto anschafft, der hat auch 2 Euro für die Parkuhr. Hamburgs Idee ist völlig ungerecht und daneben!
Steffen Gerlach 02.06.2017
4. Norwegen
Zitat: "Zusammenaddiert machen diese Vergünstigungen in Norwegen ein Elektroauto günstiger als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor." Letztendlich zahlen aber auch die Norweger für ihre Elektroautos den vollen Preis, der nicht geringer ist als anderswo. Sie haben nur einen Teil der Kosten vergesellschaftet. Das ändert die Anreize, aber nicht die Kosten. Kostenloser Strom? Schwerlich. There ain't no such thing as a free lunch.
moev 02.06.2017
5.
---Zitat--- Im skandinavischen Elektroauto-Paradies entfallen nicht nur die Parkgebühren für E-Mobile, sondern unter anderem auch die Mautgebühren sowie die Mehrwertsteuer bei der Anschaffung. In Großstädten wie Oslo ist zudem der Strom an öffentlichen Ladesäulen kostenlos. Zusammenaddiert machen diese Vergünstigungen in Norwegen ein Elektroauto günstiger als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. ---Zitatende--- Kommt wohl auf die verglichenen Fahrzeuge an. Selbst wenn all das in D ebenfalls zutreffen würde, so würde ich mit einem Zoe immer noch nicht günstiger fahren können wie mit meinem Corsa.
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