Laden von E-Autos Home, sweet Strom

Eine Million Ladepunkte für Elektroautos sollen bis 2030 in Deutschland entstehen, so will es die Bundesregierung. Eine Studie, die dem SPIEGEL vorliegt, legt nahe: An den Bedürfnissen vieler Fahrer geht das womöglich vorbei.

Für das Laden von Elektroautos werden öffentliche Säulen kaum genutzt
Jan Woitas/ DPA

Für das Laden von Elektroautos werden öffentliche Säulen kaum genutzt

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Die mager ausgebaute Ladeinfrastruktur ist eines der großen Hemmnisse für den Durchbruch der Elektromobilität. Oder doch nicht? Eine Studie lässt diesen eisernen Grundsatz der Mobilitätswende jetzt anscheinend schmelzen: Erstaunlich oft nutzen Besitzer von Elektroautos gewöhnliche Haushaltssteckdosen, um ihr Fahrzeug mit Strom zu versorgen. Ein Drittel kommt mit der üblichen Steckverbindung von höchstens 3,7 Kilowatt aus. Die meisten sind damit auch zufrieden, obwohl es deutlich leistungsstärkere Systeme gibt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Karlsruher Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI).

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Die Wissenschaftler haben 432 E-Auto-Besitzer danach befragt, wie sie ihr Auto laden. Fast 80 Prozent von ihnen verfügen über einen festen Parkplatz auf dem eigenen Wohngrundstück, ihnen steht deshalb regelmäßig eine Lademöglichkeit zur Verfügung. Entsprechend laden mehr als die Hälfte der Befragten das Auto zu Hause, ein Viertel tut dies am Arbeitsplatz. 21-mal im Monat hängen sie ihr Fahrzeug an die Dose, also alle ein bis zwei Tage. Drei Viertel nutzen das Auto für Routinestrecken, sie legen im Schnitt 33 Kilometer pro Strecke zurück.

Kaum genutzt werden bislang öffentliche Säulen, sie nehmen "einen geringeren Stellenwert ein", heißt es in der Studie. "Die Möglichkeit, zu Hause laden zu können, ist eine sehr wichtige Voraussetzung für die Anschaffung eines Elektroautos," stellen die Fraunhofer-Forscher fest. Deshalb sollte die Politik die Voraussetzungen schaffen, dass in Mietshäusern oder Eigentümergemeinschaften die Installation von Ladeeinrichtungen auf einfache Weise möglich sei, fordern sie.

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insgesamt 281 Beiträge
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kanauten 08.11.2019
1. Oh wie überraschend!
Der Bürger ist bequem. Für mich in meiner Mietwohnung ohne Lademöglichkeit zu Hause und am Arbeitsplatz, Pendelstrecke täglich 80km, kommt daher kein Elektroauto in Frage. Erst wenn sich das ändern sollte käme das in Frage. Die nächste öffentliche Ladesäule ist 500m entfernt. Zudem ist nicht garantiert, dass diese immer verfügbar ist. Diesen Stress will sich doch niemand antun. Also weiter Diesel... Daher erst einmal Auftrag an die Politik, hier etwas zu ändern.
syracusa 08.11.2019
2.
Ein Elektroauto mit den Fahrleistungen heutiger Benzin- und Dieselautos braucht im Mittel nur 8 kWh Strom pro Tag. Selbstverständlich reicht den allermeisten Leuten eine simple häusliche Steckdose (230V, 16A, max 3,7 kW) deshalb für die Ladung völlig aus. Sogar eine auf nur 1 kW gedrosselte Ladung würde den allermeisten E-Auto-Fahrern ausreichen.
hman2 08.11.2019
3. Die Duldungspflicht muss her!
Häufig sind ja die Käufer von E-Autos durchaus auch bereit, die 500 Euro plus Montage für eine Wallbox auszugeben. Schon alleine dafür, dass man dann mit dem Ökostromtarif seiner Wahl laden kann, denn nur dann ist das ganze auch grün. Aber dem stehen häufig ewiggestrige Vermieter ("sowas hatten wir noch nie, damit wollen wir gar nicht erst anfangen") entgegen, oder bei Wohneigentumsbesitzern Investoren in der WEG, die nur bis zum Brett vor dem Kopf denken wollen ("bringt mir nichts, also lassen wir es lieber bleiben, sonst wollen es am Ende noch meine Mieter auch haben"). Seit drei Jahren gammelt eine Initiative der bayerischen Landesregierung im Bundesrat, endlich eine Duldungspflicht für Vermieter und Wohnungseigentumsgemeinschaften einzuführen. Zahlen müssen es dann immer noch die E-Auto-Besitzer selber, aber die sind ja oft bereit dazu!
Augapfel 08.11.2019
4. Blödsinn.
Wo sollen denn die Ladesäulen für Mieterfahrzeuge stehen - am Bordstein ? Eingelassen in die dünnen Wände der morschen Altbauten mit Kabelschacht unter dem Fußweg ? Die Vandalen, die Bushaltestellen und Fahrscheinautomaten demolieren, freuen sich schon. Das ist, wie bei anderen Artikeln auch schon kommentiert wurde, nur was für die Hausbesitzer. Aber dass es unsere Regierung nicht kann, ist ja nichts Neues. Die kippen ja jetzt schon vor Überlastung um, wahrscheinlich vor Hunger, weger der schmalen Diäten.
tempus fugit 08.11.2019
5. Bestätigt wird diese....
....Analyse, wenn man sich - auch im Ausland bei Super- und Heimwerkermärkten, bei IKEA u.u.u. selten ein E-Auto sieht, das an den dortigen, oft Gratisladesäulen hängen... Und wenn täglich so 20- 60 - oft garnichts und nicht öfters mal 100 km gefahren werden, reichen die Nacht- stunden zu Hause u/o beim Arbeitgeber mehr als reichlich aus. Auch mit der Schuko. Hier und da 10-12 h Anschluss - machen reichlich 20 kWh Zuladung - im Nahverkehr bei so max. 50 km/h - real wohl eher 35 km/h und reichlich Rekuperation - und reichen für 150 km. Bestätigt, was die Untersuchung ergab - Laden alle 2-3 Tage, aber dann morgens immer voll!
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