Hersteller e.Go Billig-Elektroauto könnte wegen Kaufprämie deutlich teurer werden

Der erhöhte staatliche Zuschuss für Elektroautos belastet den Hersteller e.Go. Das Aachener Unternehmen erwägt deshalb sogar, den Verkauf in Deutschland einzustellen.

Das Elektroauto e.Go leidet - unter der erhöhten staatlichen Subventionierung und den Folgen des Dieselskandals
SASCHA STEINBACH/ EPA-EFE/ REX

Das Elektroauto e.Go leidet - unter der erhöhten staatlichen Subventionierung und den Folgen des Dieselskandals

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Die neue Kaufprämie setzt den Elektroautohersteller e.Go unter Druck. Bundesregierung und Autobranche hatten auf dem Autogipfel Anfang November vereinbart, dass die Kaufprämie für E-Fahrzeuge deutlich aufgestockt wird. Für rein elektrische Autos unterhalb eines Listenpreises von 40.000 Euro soll der Zuschuss von bisher 4000 Euro auf 6000 Euro steigen. Die Hälfte der Prämie zahlt der Staat, den anderen Teil der Hersteller - in Summe 3000 Euro. Und genau dort liegt für e.Go-Chef Günther Schuh das Problem.

Das Geschäftsmodell von e.Go basiert darauf, ein E-Auto zu einem möglichst niedrigen Preis anzubieten. Mit 15.900 Euro für die Basisvariante ist der e.Go derzeit sogar das günstigste Elektroauto in Deutschland. Das extrem reduzierte Fahrzeug bietet daher keinen Spielraum bei den Margen. Hinzukommt, dass e.Go das Geld nicht mit dem Verkauf von Verbrennerautos querfinanzieren kann, wie es die großen Hersteller tun.

Den bisherigen gültigen Prämienanteil von 2000 Euro übernimmt e.Go derzeit zwar noch, allerdings sei die Summe nicht in den Verkaufspreis einkalkuliert. D.h. e.Go zahlt die Prämie bisher drauf. Das Unternehmen hatte damit gerechnet, dass die Prämie 2020 ausläuft und man dann die volle Verkaufsmarge erwirtschaften könnte. Dann hätte man ein "marktgerechtes Auto" bauen können so Schuh. Dass die Investoren bereit sind, die Mehrkosten auch weiterhin zu stemmen, ist laut Schuh mehr als fraglich.

Daher wäre ein Preisaufschlag für Schuh dann die einzige Lösung. Sprich, den Prämienanteil von 3000 Euro müsste e.Go dann direkt auf die Kunden umwälzen. Warum aber tut sich Schuh so schwer, genau das zu tun? Nach Abzug der 6000 Euro Prämie wäre das Auto für die Kunden schließlich noch immer sehr günstig. "Das wäre für den Kunden kein Nachteil, aber für den Wettbewerb", erklärt Schuh. Dabei geht es nicht um sein eigenes Unternehmen, sondern die Konkurrenten. Denn durch die Prämie und die zusätzliche Möglichkeit der Querfinanzierung in Form eigener Rabatte rückten andere Hersteller preislich nun ganz nah an den e.Go heran.

Dieselskandal treibt Kosten zusätzlich in die Höhe

Hinzukommt ein weiteres Problem: der Dieselskandal. Im Zuge der Abgasaffäre haben viele Zulieferer ihre Geschäftsbedingungen geändert - das trifft nun auch den Elektroautohersteller e.Go. So haben die Zulieferer eigene Abnahmeprozeduren eingeführt, die sicherstellen sollen, dass die gelieferten Komponenten nach dem Einbau auch gesetzeskonform vom Autohersteller eingesetzt werden. Durch den daraus entstehenden Mehraufwand habe sich die Auslieferung der Fahrzeuge laut Schuh stark verzögert. Außerdem seien dadurch Mehrkosten von rund 35 Millionen Euro entstanden. Um diesen Betrag auszugleichen, müsste der Preis für den e.Go um weitere 1200 Euro steigen, meint Schuh.

e.Go will die Preiserhöhung seiner Modelle allerdings so gering wie möglich halten und fordert deshalb, den Eigenanteil der Prämie bei reinen Elektroautoherstellern auszusetzen. Derzeit führt Schuh daher Gespräche mit politischen Entscheidern. Bei einem Besuch im e.Go-Werk in Aachen habe Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) versichert, dass man das Problem erkannt habe, berichtet Schuh. Auch mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) sei Schuh im Gespräch. "Ich bin hoffnungsfroh, dass wir für reine Elektroautohersteller noch eine Ausnahmeregelung erwirken können", sagt Schuh. Könnte er die volle Prämie an die Kunden weitergeben, würde das Basismodell nur noch 9900 Euro kosten.

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Für den Fall, dass keine Einigung erzielt werde, hat Schuh noch einen Plan B. Doch der dürfte viele Kunden, die auf den Billig-Stromer warten, ebenso wenig begeistern wie Schuh selbst. "Notfalls muss ich überlegen, meine Autos erst einmal in den Nachbarländern anzubieten, bis das Problem in Deutschland behoben ist", sagt Schuh - etwa in den Niederlanden, Belgien oder der Schweiz.

Durch die entstandene Verzögerung konnte e.Go bislang nur rund 200 Fahrzeuge an Kunden ausliefern, 600 sollen es bis zum Ende des Jahres insgesamt werden. Ursprünglich waren bis dahin allerdings 4300 E-Autos geplant. Ende nächsten Jahres soll die Produktion deutlich erhöht und der Zweischicht-Betrieb im Werk eingeführt werden. Ab Ende 2021 plant e.Go, jährlich 30.000 Autos zu produzieren.

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Greenkeeper2021 20.11.2019
1.
Zusammengefasst: Weil E Go kein Geschäft machen will oder nur im Micorbereich verdienen will, sollen nun alle anderen Konzerne das genau so machen? Also Gehälter in Keller? Ags auflösen, dakeine Marge mehr rüberkommt? Oder pleite gehen, da es keine Investoren mehr gibt, die bei Nullgewinn Geld leihen
bernhard.geisser 20.11.2019
2.
Die Hersteller-Prämie ist bei jedem Hersteller ein Nullsummenspiel: X + 3000 - 3000 = X. Erst die Steuergelder senken den Preis effektiv um 3000 Euro. Wenn der e.Go jetzt bei 15.900 Euro liegt, dann ist der subventionierte Preis 12.900 Euro.
achim21129 20.11.2019
3. Sehr cool, ...
... so werden junge innovative Hersteller gleich schon mal staatlich gelenkt abgewürgt. Große Hersteller, die Verbraucher bewusst hinters Licht führen (und der Staat Miteigentümer ist), werden weiter gefördert. Ist schon etwas strange ...
patricka1 20.11.2019
4. Quatsch
Reine Panikmache; 18590€-6000€= 12590€, somit kommt der Käufer sogar noch günstiger an das Auto! Was soll das also? Wahrscheinlich hat das mit der prozentualen Marge zu tun, die dann bei einem höheren Kaufpreis natürlich niedriger ist. Ist es das was die Investoren fürchten? Oder ist es nur der individuelle Bonus, den der Firmengründer dahin schwinden sieht, wahrscheinlich letzteres....
Hirnretter2.0 20.11.2019
5. Will hier jemand klammheimlich aussteigen, weil er merkt ....
..... dass niemand diesen Wagen kaufen will? Ich würde mal sagen, die Inso ist nur noch eine Frage der Zeit. Na ja, so hat MP Laschet ein sehr seltenes Exemplar in seiner Garage stehen. Das kann er dann später dem "Haus der Geschichte" in Bonn schenken für die Abteilung "Deutsche Technikflops, Kapitel E-Mobilität".
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