Studie des Umweltbundesamts Krachmacher Elektroauto

Der leise Antrieb galt bisher als einer der großen Vorteile von Elektroautos. Doch die Hoffnung auf weniger Lärm auf den Straßen wird nun von einer Studie des Umweltbundesamts enttäuscht. Demnach sind E-Mobile meistens genauso laut wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
E-Mobil mit Ladestecker: "Elektroautos können nicht pauschal als leise bezeichnet werden"

E-Mobil mit Ladestecker: "Elektroautos können nicht pauschal als leise bezeichnet werden"

Foto: DANIEL MUNOZ/ REUTERS

Wer zum ersten Mal in seinem Leben ein Elektroauto fährt, ist meistens gleich beim Start überrascht. Denn wenn bei Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb der Motor deutlich zu hören ist, gleitet das E-Mobil mit einem leisen Surren davon. Befürworter der Elektromobilität träumen deshalb nicht nur von einer sinkenden Umweltbelastung durch die Stromer, sondern auch von weniger Verkehrslärm.

Tatsächlich verursachen E-Mobile aber viel mehr Krach als bisher angenommen, behauptet das Umweltbundesamt in einer aktuellen Studie . "Elektroautos können nicht pauschal als leise bezeichnet werden", lautet das Fazit der Untersuchung.

Dass die Stromer beim Antriebsgeräusch weniger lärmintensiv sind, wollen die Macher der Studie nicht bestreiten. Im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor seien sie bei Geschwindigkeiten bis zu 25 km/h "deutlich leiser". Weil mit steigendem Tempo jedoch das Abrollgeräusch der Reifen auf der Fahrbahn zunehme, würden sie bei höheren Geschwindigkeiten vergleichbar laut wie herkömmliche Pkw.

Das Potential der Elektroautos, den Verkehrslärm zu senken, betrachtet das Umweltbundesamt deshalb als gering. Selbst wenn bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs wären - diese Zahl wird von der Bundesregierung angestrebt, viele Experten halten sie jedoch für völlig illusorisch - würde der Lärm am Straßenrand nach Schätzungen der Behörde im Schnitt um mickrige 0,1 Dezibel sinken. "Das ist ein völlig unbedeutender Effekt", heißt es in der Studie.

Mopeds, so leise wie Fahrräder

Die Untersuchung ist trotzdem alles andere als ein Abgesang auf die Vorteile der Elektromobilität. Denn während die Hoffnungen des Umweltbundesamts auf leisere Elektroautos nur gering sind, setzt sie umso mehr Erwartungen in elektronisch angetriebene öffentliche Busse - und vor allem auf Mopeds und Motorräder.

Bei schweren Nutzfahrzeugen sei das Antriebsgeräusch im Vergleich zum Abrollgeräusch bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 50 km/h die dominierende Lärmquelle. ÖPNV-Busse und andere Nutzfahrzeuge, die ausschließlich innerorts bewegt werden und sehr häufig anfahren und wieder abbremsen, wären deshalb mit einem Elektroantrieb deutlich leiser unterwegs.

Elektrisch angetriebene Mopeds und Motorräder könnten laut der Studie sogar "prinzipiell fast so leise wie Fahrräder" sein. Kein Wunder, dass die Behörde hier das größte Einsparpotential für die Lärmbelastung sieht, zumal bei diesen Fahrzeugen das Antriebsgeräusch unabhängig von der Geschwindigkeit immer die dominante Lärmquelle sei. Die Macher kommen zu dem Schluss, dass "wegen der großen Störwirkung schon einzelner motorisierter Zweiräder eine Elektrifizierung dieser Fahrzeuge aus Lärmschutzsicht sinnvoll" wäre.

Das Umweltbundesamt fordert in der Studie grundsätzlich mehr Anstrengungen, den Verkehrslärm einzudämmen. Denn mehr als die Hälfte aller Deutschen fühlt sich laut der Untersuchung durch den Krach auf der Straße belästigt.

cst