Elektroautos Tesla Model S fährt mit Strom und Staatsknete

Es soll das erste rein elektrische Großserienauto werden: Die kalifornische Firma Tesla Motors möchte ab 2011 eine neuartige Stromer-Limousine bauen. Zumindest in einem Punkt ähnelt die Hightech-Schmiede aus dem Silicon Valley allerdings der traditionellen Pkw-Industrie - sie fordert Geld von Staat.


Optisch sieht das Tesla Model S aus wie eine Kreuzung aus 1er BMW und Aston Martin DBS. Doch unter der Haube hat das Fahrzeug nur wenig mit herkömmlichen Pkw gemein: Lithium-Ionen-Akkus versorgen das Fahrzeug mit Energie, betankt wird es an der Steckdose. Die Reichweite beträgt nach Unternehmensangaben bis zu 480 Kilometer. "Model S macht keine Kompromisse, wenn es um Performance und Effizienz geht", behauptet Teslas Chef Elon Musk. Vielleicht noch interessanter als das bereits aus Teslas Sportwagen Roadster bekannte Antriebskonzept ist die Raumaufteilung. Weil der Antriebsstrang und die Akkus vollständig im Fahrzeugboden untergebracht sind, gibt es keinen Motorraum im klassischen Sinne - was Platz spart.

Das Model S hat deshalb zwei Kofferräume, vorne und hinten. Zudem passen bis zu 7 Personen in das Fahrzeug. Fünf Erwachsene nehmen auf regulären Sitzen Platz. Zwei Kinder können im Heckraum sitzen, mit Blick nach hinten. Das erscheint ungewöhnlich - in amerikanischen station wagons der sechziger und siebziger Jahre war solch eine dritte Sitzreihe aber eine gängige Option.

Leise, sauber, teuer

Gefertigt werden soll das Fahrzeug in Südkalifornien, vermutlich in der Nähe von Los Angeles. Ab 2011 will Musk das Model S in in Serie bauen lassen. Die Jahresproduktion könnte bei 20.000 Stück liegen. Für US-Kunden soll das Fahrzeug 49.999 Dollar kosten (enthalten ist ein Steuerrabatt für Ökoautos). Das ist für eine Familienkutsche freilich recht happig.

Tesla-Chef Musk macht eine andere Rechnung auf. Wenn der US-Benzinpreis wieder auf 4 Dollar pro Gallone steige, spare der Kunde mit dem Elektroauto über den ganzen Lebenszyklus gerechnet 15.000 Dollar. Somit seit das Model S nicht teuerer als ein Ford Taurus, für Amerikaner der Inbegriff einer drögen Mittelklasse-Limousine. "Würden sie lieber dieses Auto fahren oder einen Taurus?" rief Musk am Donnerstagabend bei der Präsentation im kalifornischen Hawthorne in die Menge.

Das neue Fahrzeug soll Tesla den Massenmarkt erschließen. Bislang stellt das Unternehmen nur den Sportwagen Roadster her. Der kostet mehr als 100.000 Dollar - zu den stolzen Besitzern zählen der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger und die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page.

Das Unternehmen ist derzeit dabei, auch den europäischen Markt zu erschließen. "Im Mai öffnet unser erster deutscher Laden in München, auch in Hamburg und anderen Städten werden wir vertreten sein", sagte Teslas europäischer Marketingchef Craig Davis SPIEGEL ONLINE.

Lektion in Demut

Musk, der mit seiner Dotcom-Firma Paypal Milliarden machte, wollte es den siechen Autoriesen in Detroit mit Tesla eigentlich so richtig zeigen. Das "Silicon Valley ist bei allem, was es tut, Weltspitze", formulierte er einst in der "Business Week" seinen Anspruch. Inzwischen hat Musk eingeräumt, dass er Komplexität und Finanzbedarf der Fahrzeugproduktion unterschätzt habe.

Deshalb macht Tesla Motors jetzt das, was auch viele andere Autobauer derzeit tun: den Staat anpumpen. Die Kalifornier hoffen auf einen 450-Millionen Dollar-Kredit aus dem Elektroauto-Investitionsprogramm der US-Regierung. Man sei sehr zuversichtlich, die Mittel zu erhalten. Ohne das Geld ist der Bau der neuen Fabrik wohl fraglich.

Parallel sucht das Unternehmen nach weiteren Investoren - und versucht, bei seinen potenziellen Kunden vorab Geld einzusammeln. Das Model S lässt sich bereits zwei Jahre vor Produktionsstart vorbestellen. Wer 40.000 Dollar anzahlt, dem garantiert Tesla eines der ersten 2000 Fahrzeuge.

Ein ähnliches Reservierungsprogramm gab es bereits beim Roadster. Weil die Produktion des Sportflitzers jedoch wegen technischer und finanzieller Probleme sehr schleppend verläuft, warten hunderte Kunden immer noch auf ihr bereits angezahltes Fahrzeug.

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