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Elektroautos: E-Mobile von BMW, VW und Mercedes auf der IAA

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Elektroautos auf der IAA 2017 Ihre voraussichtliche Wartezeit beträgt ... zwei bis fünf Jahre

Auf der IAA wagen die deutschen Hersteller den zweiten Anlauf für die E-Auto-Revolution - und zeigen zahlreiche attraktive Modelle. Sie alle haben nur ein Problem.

Die IAA in Frankfurt steht unter Strom. Mal wieder, sagen die, die regelmäßig hier sind. Und in der Tat: Es ist nicht das erste Mal, dass vor allem die deutschen Hersteller bei ihrem Heimspiel die Elektroautorevolution ausrufen. Diesmal allerdings scheint es ihnen ernst. Oder zumindest: ernster. Es liegt wohl auch an einem Konkurrenten, der erst gar nicht zum Branchentreffen in Frankfurt gekommen ist, trotzdem aber da ist: Tesla.

Natürlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Der Verbrennermotor, vor allem der Diesel, steht seit Beginn des Skandals bei VW hierzulande dauerhaft unter Beschuss, schon wird (wohl etwas frühzeitig) sein Ende ausgerufen, mittelfristig muss eine Alternative her. In China, dem derzeit größten Zukunftslabor neuer Mobilität, wird bei den Elektroautos mächtig Druck aufgebaut. Aber es ist Tesla, der Hersteller aus Palo Alto, der mit seinen Model S, Model X und Model 3 bewiesen hat, was sich hierzulande lange niemand vorstellen konnte: Dass E-Autos nicht nur frugal, sondern auch sexy sein und eine breitere Kundenschar ansprechen können.

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Elektroautos: E-Mobile von BMW, VW und Mercedes auf der IAA

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So überrascht es nicht, dass die Reden der Konzernchefs von VW, Daimler und BMW gespickt sind mit Anspielungen und Seitenhieben auf den von seinen Fans vergötterten Elektroautopionier. Dessen Erfolg wollen die deutschen Hersteller mit einer wahren Elektro-Modelloffensive begegnen. Und auf den ersten Blick wirken die in den Raum gestellten Ziele und angepeilten Stückzahlen beeindruckend.

Doch der Teufel steckt im Detail.

Hinter der beschworenen baldigen "Elektrifizierung" der Flotten verbergen sich in Wahrheit überwiegend Plug-in-Hybride oder Fahrzeuge mit 48-Volt-System. Wer von der IAA 2017 mit dem Elektroauto eines deutschen Herstellers davonsurren wollte, schaut in die Röhre: Bis auf wenige Ausnahmen sind alle auf der Messe vorgestellten Weltneuheiten oder Studien noch mindestens zwei Jahre von der Markteinführung entfernt.

Daimlers "Tinder-Kugel"

Selbst der Volkswagen-Konzern, der auf der IAA 2017 das bislang flammendste Bekenntnis zum Umschwung gegeben hat, kann keine bald erhältliche E-Neuheit präsentieren. Der rollende Robo-Kastenwagen Sedric, die Studien Aicon von Audi und Vision E von Skoda - alles Zukunftsmusik. Selbst die deutlich seriennäher präsentierten Modelle der ID-Familie, nämlich der ID, der E-SUV ID Crozz und der Elektrobulli ID Buzz kommen frühestens 2020 - also in drei Jahren.

Da hilft es nicht, dass Konzernchef Matthias Müller forsche Ansagen macht. Ein Investitionsvolumen von 20 Milliarden Euro stellt er für die Umstellung der Antriebstechnologie und der Fertigung von Fahrzeugen in Aussicht, mit dem Ziel, bis 2025 rund 50 rein elektrische Fahrzeuge im Konzernportfolio zu haben. Immerhin kalkuliert man bei VW auch den dafür nötigen Batteriebedarf ein - und verspricht, entsprechende Fabriken gleich mit aufzubauen. Vor allem betonte Konzernchef Müller, bei all dem handele es sich nicht um "Absichtserklärungen, sondern um Ziele, an denen wir uns messen lassen".

Deutlich vager blieb da der Auftritt von Mercedes-Benz. Außer dem PS-Monster Projekt One, das zwar das neue Mercedes-Elektrolabel EQ trägt, aber ansonsten mit den Zielen der Elektromobilität nichts zu tun hat, konnte Firmenchef Dieter Zetsche wenig Greifbares bieten. Dass nun Smart alsbald durchgehend rein elektrisch fahren soll, riss die anwesenden Gäste ebensowenig vom Hocker wie die Ausführungen über den stattfindenden Umbau von Fahrzeugarchitekturen, die mehr Flexibilität bei der Fertigung von Elektroautos ermöglichen sollen. Schon eingeschlafen? Kein Wunder.

Der Smart Vision EQ, eine Studie über ein autonom fahrendes Sharing-Mobil, wegen seiner Lobpreisung als Ride-Share-Vehikel der Digital Natives schon auf der Messe als "Tinder-Kugel" bezeichnet: Eine nette Idee, die aber noch lange an den fehlenden Gesetzen für Robo-Autos hängen bleiben wird. Die Studie EQA, sowas wie die elektrifizierte A-Klasse: optisch ansprechend und durchaus massenkompatibel, aber eben auch alles andere als in den Startlöchern.

Mercedes Concept EQA

Mercedes Concept EQA

Foto: Daimler AG

Und der Brennstoffzellenhybrid GLC F-CELL kommt zwar 2018 auf den Markt, allerdings in sehr überschaubaren Stückzahlen. "Der geht nur in die Vermietung", sagt Michael Kelz, Chefingenieur der teils in Handarbeit gefertigten Fahrzeuge. Auch wenn die Brennstoffzelle wegen der Plug-in-Anordnung im GLC F-Cell deutlich kleiner ausfallen kann als in reinen Wasserstofffahrzeugen und entsprechend mit weniger Platin auskommt, ist der Wagen für normale Kunden immer noch deutlich zu teuer, wie Kelz verrät. Insofern ist der GLC F-Cell für Mercedes-Benz ein willkommener Feldtest, aber keine ernst zu nehmende Tesla-Alternative.

BMW zeigt ein aufregendes Elektroauto - leider nur ein Konzept

Die steht dafür bei BMW auf dem Messestand - zumindest theoretisch. Denn der i Vision Concept genannte Viertürer mit sehniger Karosserie und einem Design wie aus einem Science-Fiction-Film, einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h und einer Reichweite von 600 Kilometern hätte das Zeug zum Tesla-Killer. Leider ist auch er nur eine Studie und von der Serienfertigung noch ein gutes Stück entfernt. Mit dem i3s hat BMW zwar eine der wenigen Elektroweltpremieren mit zur IAA gebracht - aber weil es sich dabei lediglich um die etwas aufgepimpte Variante des i3 handelt, will sich da auch keine richtige Begeisterung breitmachen.

Dass auch BMW eine große E-Offensive ankündigt, bis 2025 zwölf reine E-Autos im Portfolio haben will, tröstet da nur kurz. Denn auch der Elektro-Mini, den BMW auf der Messe zeigt, ist eine Studie. Das fertige Auto soll 2019 auf den Markt kommen und verdeutlicht, wie ausgiebig die Mittagspause war, die sich der einstige deutsche Elektropionier BMW zwischenzeitlich genommen hat: Immerhin begannen die ersten Gehversuche der Bayern mit einer Testflotte von Elektro-BMWs im Jahr 2008.

Jetzt macht auch noch Jaguar Druck

Auch Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer zeigt sich besorgt über die Entwicklung. "Wenn BMW nicht aufpasst, werden sie sogar von Jaguar abgehängt", sagt er mit Hinblick auf den iPace. Der noch vor wenigen Jahren verloren geglaubte englische Hersteller mausert sich unter Führung des indischen Tata-Konzerns nicht nur zum beliebten Premiumhersteller, sondern gibt jetzt auch in Sachen Elektroantrieb richtig Gas: Bereits 2018 kommt das SUV iPace auf den Markt - vollelektrisch.

Alles verloren also in Sachen E-Revolution, im Wettstreit mit Tesla? Nein, die Verspätung der deutschen Hersteller ist ärgerlich und unnötig, aber wenn es gut läuft, nutzen sie die Zeit. Denn bei aller Begeisterung über die Leistungen von Tesla darf man nicht vergessen, dass die Kalifornier in Wahrheit mit ihren Fahrzeugen ein ziemlich altbackenes Konzept verfolgen: Sie ersetzen den Tank durch eine Batterie und verfolgen das tradierte Modell des Besitzes von Fahrzeugen.

Dabei sind sich die meisten Experten einig, dass Elektromobilität nur dann wirtschaftlich und ökologisch ist, wenn sie - zumindest zu einem großen Teil - über Sharing-Modelle funktioniert. Nur so kann der ökologische Rucksack von Elektroautos verkleinert und der Verkehr entlastet werden. In der Richtung hat Tesla bislang wenig zu bieten. Die deutschen Hersteller schon.


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Die Neuheiten auf der IAA: Demnächst auf Ihrem Parkplatz?

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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, der BMW i Vision Concept habe eine theoretische Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Es sind jedoch 200 km/h. Wir haben den Fehler korrigiert.

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