Elektroautos von Volvo Spritztour im schwedischen Stromer

Wenn der CO2-Ausstoß der Flotte bis 2020 unter 100 g/km sinken soll, sind herkömmliche Sparmodelle mit Start-Stopp-Automatik zu wenig. Deshalb sucht Volvo seine Zukunft im Plug-in- und dem Elektroantrieb. SPIEGEL ONLINE fuhr in einem Prototyp mit - und ein Stromer ist schon zu kaufen.


In den nächsten Jahren wird Paul Gustavsson viel zu tun haben. Denn er verantwortet bei Volvo die Elektrifizierung der Fahrzeugpalette und spielt damit eine Schlüsselrolle im ambitionierten Umweltplan der Schweden. "Bis 2020 wollen wir die durchschnittlichen CO2-Emissionen unserer Modelle auf 90 bis 100 g/km senken", kündigt er an. Selbst wenn bei der aktuellen Palette bereits ordentlich geknausert wird, ist das mit konventioneller Technik kaum zu schaffen, weiß Gustavsson. Die schrittweise Elektrifizierung ist für ihn deshalb vorprogrammiert. Das wollen sich die Schweden bis 2014 rund 1,5 Milliarden Euro kosten lassen.

Dass die Zeiten dafür durchaus günstiger sein könnten, ist auch Gustavsson und seinen Kollegen klar. Schließlich hat die Konzernmutter Ford ihre schwedische Tochter zum Verkauf angeboten, und wer in Göteborg einmal das Sagen hat, weiß heute noch keiner. Doch von solchen Überlegungen lassen sich die Entwickler nicht beirren. "In der Autobranche muss man langfristig planen", sagt der deutsche Pressesprecher Olaf Meidt. "Alles, was in den nächsten Jahren kommt, ist noch mit Ford abgesprochen und würde von einem Verkauf nicht tangiert", ist er überzeugt. Falls ein branchenfremder Investor einsteige, könne der Volvo ohnehin nur Geld und keine Technik bieten. "Und falls es ein anderer Hersteller wäre, würde es viele Jahre dauern, bis dessen Komponenten in unsere Modelle passen."

So viel Zeit haben die Schweden nicht. Denn bereits 2012 wollen sie gemeinsam mit dem Energieversorger Vattenfall den Nachfolger des großen Kombi V70 als Plug-in-Hybrid auf den Markt bringen, und damit den Verbrauch auf vielversprechende 1,9 Liter drücken. Dafür bestücken sie den Wagen mit einer Lithium-Ionen-Batterie, die nicht nur mit zurück gewonnener Bremsenergie, sondern auch an der Steckdose geladen werden kann. Sie speist einen 70 PS starken Elektromotor an der Hinterachse, der im Team mit einem 205-PS-Diesel unter der Motorhaube arbeitet. Dabei hat der Stromer Saft und Kraft genug, um den immerhin 1,8 Tonnen schweren Kombi für bis zu 50 Kilometer alleine anzutreiben.

Starker Antritt, geringe Ausdauer

Das geht bei ersten Testfahrten ausgesprochen flink: Wie jeder Stromer glänzt der V70 nicht nur mit einem flüsterleisen Fahrgeräusch, sondern vor allem seinem starken Antritt. Weil zudem ja nur die Hinterachse angetrieben wird, geht der Schwedenkombi so flott um die Kurven, als wäre es ein BMW. Mit zunehmender Geschwindigkeit geht dem Wagen im Elektromodus allerdings die Puste aus. Bis Tempo 100 braucht er deshalb 15 Sekunden, und über die Höchstgeschwindigkeit will Volvo lieber noch gar nicht reden. Macht nichts. Denn anders als im Prototypen wird das Serienmodell auch einen Schalter bekommen, mit dem man beide Motoren zusammenspannen und dann mit 280 PS durchstarten kann. Und einen simulierten Allradantrieb gibt es dann quasi als Zugabe.

Noch sparsamer als der umgerüstete V70 fährt der C30 BEV. "Das ist unser erstes batterieelektrisches Fahrzeug", sagt Gustavsson und zeigt stolz auf den braunen Prototypen mit den bunten Aufklebern. Das Auto haben die Schweden zwar binnen drei Monaten zusammengeschustert, und unter der Haube sieht es deshalb ein wenig aus wie in einem Experimentierkasten für Oberstufen-Schüler.

Aber auf der hauseigenen Teststrecke in Göteborg macht der Prototyp seine Sache schon ausgesprochen gut: Still und schnell bringt der umgerechnet 111 PS starke Stromer den Wagen in Fahrt. Auch hier wird die Luft nach oben hin etwas dünner, so dass er für den Standardsprint 10,5 Sekunden braucht. Und mit Blick auf die Reichweite von 150 Kilometern haben die Entwickler das maximale Tempo auf 130 km/h limitiert. Doch damit irgendwann durch den Stadtverkehr der Metropolen zu flitzen, ist eine verlockende Perspektive.

Realistische Einschätzung

Dummerweise wird das noch ein paar Jahre dauern, räumt Gustavsson ein. Während andere Hersteller an diesem Punkt gerne das Grüne vom Himmel versprechen und mit frühen Einsatzterminen für ihre Elektroautos hausieren gehen, sind die Schweden realistischer: Mit ihrem Prototypen haben sie noch viel vor, und eine Testflotte für ein paar Firmen und Behörden können sie sich bereits im nächsten Jahr gut vorstellen. Doch eine Serienfertigung in größeren Stückzahlen? "Das wird uns erst gelingen, wenn wir dramatisch an der Preisschraube drehen", sagt einer der Ingenieure und bittet um Geduld bis mindestens 2015. Denn nach heutigem Stand würde schon der Plug-in-Hybrid rund 14.000 Euro mehr kosten, und für das Elektroauto würde ein Aufschlag von 25.000 Euro fällig.

Doch wer wirklich einen elektrischen Volvo fahren will, muss gar nicht so lange warten: Die Produktion des ersten Stromers hat bereits begonnen. Und mit einem Preis von umgerechnet knapp 6000 Euro ist das Cabrio sogar ein echtes Schnäppchen. Allerdings müssen Überzeugungstäter ein paar Einschränkungen hinnehmen: Der Wagen hat nur einen Sitzplatz, schafft kaum mehr als 15 km/h und darf nicht auf öffentliche Straßen: Es ist nämlich nur ein Caddy für den Golfplatz.

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