Elektronik als Diebstahlschutz Autodiebe haben es immer schwerer

Knapp 32.000 Autos sind 2003 in Deutschland geklaut worden. Das sind 3000 weniger als im Vorjahr, meldet der Gesamtverband Deutscher Versicherer. Bessere Schlösser, Alarmanlagen und Wegfahrsperren seien Gründe für den Rückgang.


Bessere Schlösser, Alarmanlagen, Wegfahrsperren: Autodiebe haben es immer schwerer
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Bessere Schlösser, Alarmanlagen, Wegfahrsperren: Autodiebe haben es immer schwerer

Berlin/Frankfurt am Main - Am Vorabend stand der Wagen noch am gewohnten Platz - am Morgen fehlt davon jede Spur. Auch wenn Autobauer es Dieben mit besseren Schlössern, Alarmanlagen und Wegfahrsperren immer schwerer machen: Einen absoluten Schutz vor Diebstahl gibt es nicht. Das Risiko, statt des eigenen Wagens einen leeren Parkplatz vorzufinden, ist aber nicht immer gleich hoch: Der Ort, der Fahrzeugtyp und die Ausstattung beeinflussen es.

Die Top Ten der bei Autodieben beliebten Modelle führte 2003 der BMW X5 4.4 an. Statistisch wurde jeder 30. Nobelgeländewagen der Marke geklaut: 33,7 pro 1000 versicherte Wagen. So steht es in der Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Auf den Rängen zwei und drei folgen mit weitem Abstand der VW-Bus Caravelle T4 (11,7 geklaute Wagen pro 1000 Fahrzeuge) sowie der Mercedes E 250 D (10,7 pro 1000 Autos).

"Nachfrage bei Luxuskarossen ist ziemlich gesättigt"

Die Präferenz der Diebe für einzelne Modelle richtet sich nach dem Absatzmarkt für geklaute Autos: "Luxusgeländewagen sind robust und repräsentativ", sagt GDV-Sprecher Klaus Brandenstein. In Osteuropa - immer noch ein wichtiger Markt für Diebe - gebe es neben dem Wunsch nach einem noblen Auto eben auch noch Schlaglöcher in den Straßen. Anfang der neunziger Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion standen dagegen große Luxuskarossen ganz hoch im Kurs. "Die werden immer noch geklaut, aber die Nachfrage ist ziemlich gesättigt."

Lieblingsmarke: Mehr als 10.000 VW-Autos wurden 2003 gestohlen
AP

Lieblingsmarke: Mehr als 10.000 VW-Autos wurden 2003 gestohlen

Auch die Fahrer kleinerer Wagen sind zurzeit verglichen mit den vergangenen Jahren sicherer vor Dieben: Insgesamt sank die Klaurate bei Autos auf 1,0 pro 1000 versicherte Fahrzeuge. Das ist laut GDV der niedrigste Wert seit 1991. Der Grund ist vor allem die technische Aufrüstung: Die Wegfahrsperre, die seit 1995 in jedes Auto eingebaut wird, spielt dem Verband der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt zufolge eine entscheidende Rolle. Auch GDV-Sprecher Brandenstein geht davon aus, dass sie den Gelegenheitsklau fast völlig verhindert. "Das Kurzschließen wie im Tatort geht heute nicht mehr."

Bei der elektronischen Wegfahrsperre sorgt ein Signal, das in der Regel vom Schlüssel ausgeht, dafür, dass die Bordelektronik anspringt. Ohne diesen Code tut sich im Wagen gar nichts. "Einige Hersteller bauen auch Wegfahrsperren mit Wechselcodes ein", erläutert Manfred Groß, Technik-Berater beim ADAC in Landsberg (Bayern). Dabei legt zum Beispiel der Sender im Schlüssel am Ende der Fahrt den Code für die nächste Tour fest. "Aber so wie die Hersteller aufrüsten, rüsten auch organisierte Diebe auf", sagt der Experte.

Im Trend: Einbrechen und den Autoschlüssel klauen

Diebesbanden, die sich auf bestimmte Fahrzeugtypen spezialisiert aben, brechen etwa gezielt in Werkstätten ein, um an Unterlagen und Codierungsgeräte zu kommen. Im Trend ist auch der Klau des Originalschlüssels: Beim so genannten Homejacking steigen Diebe in Wohnungen ein, um Autoschlüssel zu stehlen. Und auch alte Tricks klappen immer noch: "a steht zum Beispiel ein Karton in der Einfahrt. Der Autofahrer steigt aus, um ihn zur Seite zu räumen, und lässt den Motor laufen", erklärt Brandenstein. Noch ehe der Fahrer begreift, was vor sich geht, fahren die Diebe mit dem Auto davon.

Bei Dieben begehrt: Der BMW X5 4.4 gehörte 2003 mit Abstand zu den am häufigsten geklauten Autos

Bei Dieben begehrt: Der BMW X5 4.4 gehörte 2003 mit Abstand zu den am häufigsten geklauten Autos

Aber auch wer sich nicht einfach reinlegen lässt, kann nie völlig sicher sein: "Ein Wagen mit Wegfahrsperre kann vielleicht nicht geknackt werden, aber die Diebe können ihn schlicht abschleppen und sich später um die Technik kümmern", warnt ADAC-Experte Groß. Dreiste Diebe machen das sogar auf belebten Straßen in der Innenstadt. Auch eine Alarmanlage helfe dann selten. "Die Täter warten einfach ab, bis kein Passant mehr auf den Alarmton reagiert."

Einen effektiveren Schutz versprechen neue Alarmanlagen, die mehr können als hupen. "Sie haben neben den Sensoren, die einen Diebstahl registrieren - zum Beispiel weil ein Fenster zerbricht oder am Wagen gerüttelt wird -, ein Ortungssystem und einen Sender", erklärt Arnulf Thiemel von der ADAC-Fahrzeugtechnik in Landsberg. Der Sender setzt im Notfall meist einen stillen Alarm an den Fahrzeughalter oder eine Einsatzzentrale ab. Dann kann der Wagen geortet und sogar "ferngesteuert" werden: "Bei einigen Modellen können Hupe oder Lampen betätigt werden", sagt Thiemel. Auch das Abstellen des Motors ist möglich - aus Sicherheitsgründen aber nur, wenn der Wagen hält.

Der Preis für diese Sicherheit ist allerdings hoch: "Um die 1000 Euro kosten die Anlagen, dazu kommt der Einbau", sagt Thiemel. Und die Systeme haben eine Schwachstelle: "Sie arbeiten mit Funkwellen. Wird der Wagen in der Tiefgarage geklaut oder anders abgeschirmt, kann man nur hoffen, dass er das Notsignal überhaupt absetzen kann."

Absolute Sicherheit vor Diebstahl gibt es nicht

Gerade weil es keine absolute Sicherheit für Autohalter gibt, raten die Experten, möglichst viele Risikofaktoren auszuschließen: "Auch wenn die Parkplatzsuche nicht immer einfach ist, sollte man nicht an finsteren Ecken parken", sagt Manfred Groß. Wenig ratsam sei es auch, mit Luxusfahrzeugen, die besonders gern gestohlen werden, Touren in besonders riskante Länder zu unternehmen.

Ist der Wagen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen verschwunden, müssen Betroffene dies sofort der Polizei und ihrer Versicherung melden. "Innerhalb von vier Wochen wird der Fall dann in der Regel geprüft", sagt GDV-Sprecher Brandenstein. Bleibt der Wagen verschwunden und gibt es keine Anzeichen von Versicherungsbetrug, ermittelt die Versicherung den Schadenersatz.

Der Wert des Wagens inklusive Zubehör wird dann abzüglich des Selbstbehaltes an den Besitzer überwiesen. Vorausgesetzt, dass sich der Halter nicht grob fahrlässig verhalten hat: "Wer seinen Wagen mit laufendem Motor an der Tankstelle stehen lässt, wird von seiner Versicherung natürlich nichts bekommen", sagt Brandenstein.

Katharina Klink, gms



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