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E-Auto-Marke Fisker: Luxus im grünen Gewand

Foto: Kevin Wing 805-490-7878 / Fisker

Elektropionier Hendrik Fisker Ein Däne auf der Überholspur

Elektroautos sind was für automobile Veganer - mit diesem Klischee räumt der Däne Hendrik Fisker auf. Seine US-Firma baut den "Karma", einen Luxussportwagen, den schon Leonardo DiCaprio fährt und den man von Mercedes oder BMW erwarten würde. Nur: Die trauen sich nicht.

Der Revolutionär ist verspätet, trägt schwarzen Anzug, weißes Hemd mit offenem Kragen und lächelt verbindlich. "Sorry, der Verkehr" sagt Henry Fisker entschuldigend, während er aus seiner Kreation steigt, einem Elektroauto der Luxusliga.

Heute ist er zu spät, doch ansonsten ist er sehr früh dran. Der Wagen ist nämlich ein Modell, wie man es von Mercedes oder Audi, von BMW oder Lexus erwartet hätte. Doch die Großen der Branche wurden locker überholt von Henrik Fisker. Der steht jetzt auf dem Parkplatz seiner Niederlassung in Santa Monica und beginnt das Gespräch mit ein paar Brocken Deutsch, die er noch parat hat aus der Zeit in München. Denn nicht immer schwamm er so radikal gegen den Strom wie heute.

Henrik Fisker, 48 Jahre alt, geboren in Dänemark, studierte in der Schweiz Design und arbeitete dann bei BMW. Für die bayerischen Autobauer entwarf er die Studie Z07, aus der später der von Fans vergötterte Sportwagen Z8 wurde. 2001 wechselte er nach Großbritannien zu Aston Martin, wo er unter anderem den DB9 formte. Ein Traumauto nach dem anderen.

2005 dann machte er sich selbständig. Auch als Unternehmer in Kalifornien blieb er seiner Leidenschaft für Sportwagen treu. Sein erstes, eigen konstruiertes und produziertes Auto, der Fisker Tramonto, basierte auf der 610 PS starken Technik des Mercedes SL 55 AMG und sah aus wie ein platt gedrückter Aston Martin.

Die Schnauze voll

Mehr als 15 Berufsjahre lang hatte Fisker im Prinzip das immergleiche Auto entworfen: schnell, sportlich, Sprit saufend. Irgendwann wurde ihm klar, dass so nicht die Zukunft der Autobranche aussieht: "Wir können entweder so lange weiter machen wie bisher und warten, bis uns der Gesetzgeber in kleine, spaßfreie Öko-Autos zwingt. Oder wir können selbst überlegen, wie wir unsere Umwelt schützen können, ohne dass der Spaß auf der Strecke bleibt", sagte Fisker, als er seinen Luxus-Stromer 2009 auf der IAA in Frankfurt präsentierte.

Inzwischen hat die Serienfertigung des Wagens, der auf den bedeutungsschwangeren Namen Karma hört, begonnen. Umgerechnet rund 100.000 Euro kostet der Versuch, das Klischee von der spartanisch ausgestatteten Elektrokarre endgültig zu begraben. Von den sogenannten Premium-Herstellern wagte bislang noch keiner ein solches Projekt - die verkaufen lieber weiterhin Autos altbekannter Bauart, auf diesem Terrain fühlen sie sich sicher. Elektromobilität? Das ist was für automobile Veganer.

Fiskers Ansatz ist genau umgekehrt. Er hat ein Auto gebaut, das gutaussehend, opulent, luxuriös, sportlich ist - und dazu noch sparsam. Bewegt wird der Wagen von zwei Elektromotoren mit jeweils rund 200 PS, die ihre Energie aus einem Lithium-Ionen-Akku mit 20 kWh Kapazität beziehen. Im sogenannten Stealth-Mode, benannt nach dem gleichnamigen Tarnkappenbomber, schnurrt der Karma schnell und leise durch die Stadt. Er sprintet dann in 7,9 Sekunden auf Tempo 100, erreicht rund 153 km/h Höchstgeschwindigkeit und kommt gut 80 Kilometer weit.

Außen schick, innen von der Stange

Geht dem Akku die Energie oder dem Fahrer die Geduld aus, wird ein Range Extender hinzu geschaltet. Es ist ein 2-Liter-Turbomotor von General Motors mit 260 PS Leistung, der als bordeigener Stromproduzent fungiert. Ist der Verbrenner in Aktion, kann man auch bergauf Vollgas geben, das Auto wird dann bis zu 200 km/h schnell und der Standardsprint ist in 5,9 Sekunden absolviert. Vor allem aber steigt der Aktionsradius um weitere 400 Kilometer. Offiziell ergibt dies einen Normverbrauch von 2,4 Litern - der Karma wäre damit das genügsamste Luxusauto der Welt.

Aus gestalterischen Gründen war Fisker auch im Innenraum sparsam. Im Cockpit gibt es lediglich vier Schalter - alle anderen Bedienelemente erscheinen auf dem großen Touchscreen. Es gibt allerdings auch ein paar Stilbrüche, etwa Blinkerhebel, die nach Opel aussehen. "Dort, wo es darauf ankommt, ist das Auto exklusiv. Aber warum hätten wir neue Blinkerhebel entwickeln sollen", fragt Fisker, als er unseren skeptischen Blick bemerkt. Vielleicht, weil es konsequent gewesen wäre und besser aussähe. Vielleicht aber ist das bei einem Auto dieser Art tatsächlich nicht so wichtig.

Fisker jedenfalls referiert viel lieber über den Lithium-Ionen-Akku des Zulieferers A123, über das von Visteon programmierte Steuer-Panel oder das Solardach von einem Zulieferer aus Thüringen. Schon optisch ist die Dachfläche ein cooler Anblick, der Hightech signalisiert. Dazu liefert sie den Strom, mit dem die Klimaanlage das parkende Auto herunterkühlen kann - was sonst nach dem Losfahren geschehen müsste. Fisker: "Je nach Region gewinnt der Fahrer dadurch übers Jahr mehr als 300 Kilometer Reichweite."

An der Verarbeitung gespart

Auf unserer kurzen Testfahrt durch Los Angeles funktionierte der Elektroantrieb tadellos. Was nicht überzeugen konnte, war das Platzangebot. Aber vermutlich stört auch das genauso wenig wie die etwas liederliche Verarbeitung: breite und ungleichmäßigen Karosseriefugen, labbrig befestigte Chromleisten und abfallende Verkleidungsteile haben an einem 100.000-Euro-Auto eigentlich nichts verloren.

Die ersten Kunden scheint das nicht zu stören. Sie kaufen auch mehr ein Symbol als ein Auto. 1000 Fahrzeuge seien bereits produziert, sagt Fisker, Wartelisten für das Modell gebe es trotzdem. Schon kurven die ersten Prominenten in einem Karma durch die Hollywood-Hills: Leonardo DiCaprio, Ashton Kutcher, Cars-Regisseur John Lassester, Collin Powell und Al Gore fahren bereits Karma. "Bislang haben sich die Reichen fürs Image einen Toyota Prius gekauft", sagt Fisker. "Der stand dann meist gut sichtbar vor der Villa, während die Besitzer Mercedes oder Lexus fuhren." Der Karma jedoch biete den gleichen Komfort wie ein Luxusmodell von BMW, Mercedes oder Porsche und zudem noch einen grünen Antrieb.

Aber wie kann er sich dieses Abenteuer eigentlich leisten? Fisker profitiert vom Hype um den US-Elektrosportwagen Tesla Roadster und die geplante Stromlimousine Model S. Investmentgesellschaften aus dem Silicon Valley stiegen in sein Projekt ein, und auch aus Washington kam mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Die US-Regierung ist immens interessiert an grüner Verkehrstechnik.

So ausgestattet plant Fisker die nächsten Ausbaustufen. In Planung sind ein Oberklasse-Kombi und danach das Projekt Nina. Dahinter steckt ein kleineres Auto in größeren Stückzahlen. In zwei Jahren soll der Wagen vorgestellt werden, gebaut werden soll er im ehemaligen GM-Werk Wilmington im US-Staat Delaware, das Fisker im vergangenen Jahr gekauft hat. Der Antrieb soll wieder elektrisch sein, den Range-Extender jedoch liefert dann BMW. Der Vertrag sei unter Dach und Fach, sagt Fisker. Und schiebt einen Satz nach, der gleichermaßen nach Unternehmergeist und Größenwahn klingt: "Unsere US-Fabrik hat eine Kapazität von 100.000 Autos im Jahr. Die möchten wir auch ausnutzen."

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