Erdgas-Antrieb Benzinpreis adieu

Mit den steigenden Spritpreisen wächst auch die Aufmerksamkeit für Alternativen. Bei der derzeit in Bonn stattfindenden Konferenz für erneuerbare Energien "renewables 2004" etwa wird nicht nur über neue Kraftstoffe diskutiert, der Fahrdienst tankt auch regenerativ erzeugtes Biomethan.


Bundesumweltminister Trittin tankt: Biomethan ist als Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge uneingeschränkt geeignet
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Bundesumweltminister Trittin tankt: Biomethan ist als Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge uneingeschränkt geeignet

Zum Einsatzflotte des Fahrservice der Konferenz gehören serienmäßige Ergasfahrzeuge von Fiat, Ford, Opel, Volkswagen und Volvo. Diese Autos werden für die Zeit der Veranstaltung mit Biomethan betrieben, das aus organischen Abfällen gewonnen wird. Damit wird bei der Verbrennung nicht mehr Kohlendioxid freigesetzt, als die Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen haben. Biomethan ist als Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge uneingeschränkt geeignet und - als regenerative Energie - von der Mineralölsteuer befreit.

Generell gelten mit Gas betriebene Fahrzeuge als Brücke hin zum ebenfalls gasförmigen Kraftstoff Wasserstoff, der dann in Brennstoffzellen effizient und vor allem schadstofffrei in Energie umgewandelt werden kann. Das Problem dieser Energiequelle: Noch gibt es kein Verfahren, wie Wasserstoff umweltverträglich in großen Mengen erzeugt werden kann. Vor 2035, so die Meinung von Fachleuten, sei daher nicht mit einem nennenswerten Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff für Fahrzeuge zu rechnen.

In den Blickpunkt rückt damit, besonders angesichts der steigenden Benzinpreise, die "Brückentechnologie" Erdgasfahrzeug. VW zum Beispiel hat ausgerechnet, dass die Kraftstoffkosten für das Kombimodell Golf Variant BiFuel lediglich vier Euro je 100 Kilometer betragen. Damit fährt der Wagen, der mit Benzin oder Erdgas betrieben werden kann, mit Erdgas fast sechs Euro billiger (je 100 Kilometer) als mit herkömmlichem Sprit. Bei einer durchschnittlichen Jahresleistung von 15.000 Kilometern ergibt sich somit ein Einsparpotenzial von deutlich mehr als 800 Euro.

Erdgastankstellen in Deutschland: Bis zum Jahr 2006 sollen es mehr als 1000 werden

Erdgastankstellen in Deutschland: Bis zum Jahr 2006 sollen es mehr als 1000 werden

Auf Grund dieses Preisvorteils und bei Ausnutzung von regionalen Förderprogrammen von bis zu 3000 Euro pro Erdgasfahrzeug amortisieren sich die Mehrkosten für den Golf Variant BiFuel (Neuwagenpreis 23.975 Euro) nach Angaben von VW im Lauf des zweiten Betriebsjahres - wenn das Auto ausschließlich mit Erdgas gefahren wird. Der Wagen kostet übrigens 4075 Euro mehr als ein identisch motorisierter "Normal"-Golf mit Zwei-Liter-Vierzylinder-Motor und 115 PS (85 kW).

Gegenwärtig sind in Deutschland gut 420 Erdgastankstellen in Betrieb, bis zum Jahr 2006 sollen es mehr als tausend werden. Der Preisvorteil von Erdgas gegenüber Benzin und Diesel ist langfristig fixiert, denn bis zum Jahr 2020 gilt für Erdgas ein reduzierter Mineralölsteuersatz.



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