Prognose SUV-Boom bringt Hersteller in die Zwickmühle

Autos mit Geländeoptik finden immer mehr Fans, das Segment boomt. Laut einer Studie könnte 2020 jeder dritte Pkw-Neuwagenkauf in Deutschland ein SUV sein. Das aber hätte große Nachteile für die Autohersteller.
Porsche Cayenne: Der V8-Diesel stößt im Schnitt 218 Gramm CO2 pro Kilometer aus

Porsche Cayenne: Der V8-Diesel stößt im Schnitt 218 Gramm CO2 pro Kilometer aus

Foto: Porsche

Stuttgart/Duisburg - Der Käuferansturm auf SUVs könnte den Autobauern hierzulande laut einer Studie Probleme bei der Umweltbilanz ihrer Flotten machen. Das Segment der SUVs dürfte in Deutschland bereits zum Ende des Jahrzehnts jeden dritten Neuwagen ausmachen. Das ist das Ergebnis einer am Montag vorgestellten Analyse des Car-Instituts  an der Uni Duisburg-Essen.

Demzufolge kamen die Geländelimousinen 2012 schon auf 16 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen. Zum Vergleich: 2009 waren es mit rund 275.000 SUVs erst 7 Prozent gewesen.

Mehr SUV-Anteil in den Verkaufszahlen der Autobauer könnte der Vorgabe zuwiderlaufen, den CO2-Ausstoß für die Flotten der Konzerne künftig merklich zu senken. Der Leiter des Car-Instituts, Ferdinand Dudenhöffer, erklärt dazu: "SUVs sind schwerer, haben einen höheren Luftwiderstand, sind stärker motorisiert - und verbrauchen mindestens 25 Prozent Treibstoff mehr als die konventionellen Fließ- und Stufenheckfahrzeuge."

Die Studie unterstellt dem SUV-Segment künftig zwar ein langsameres Wachstum als in den vergangenen Jahren - aber dennoch ergäben sich damit 33 Prozent Anteil für das Jahr 2020. Würde der Zuwachs im Tempo der vergangenen zwölf Jahre bis 2020 weiterlaufen, wäre dann sogar jeder zweite Neuwagen (49 Prozent) eine Geländelimousine.

"Das SUV-Segment wächst in Deutschland seit Ende der neunziger Jahre ungebremst. Und ein Ende des Wachstumsprozesses ist nicht absehbar", heißt es. Entsprechend herausfordernd sei das drohende Plus im CO2-Ausstoß.

Fast 30 Prozent höherer Verbrauch

Laut EU-Vorgaben soll der Durchschnittsneuwagen von dem Jahr 2020 an pro Kilometer nur noch 95 Gramm des Treibhausgases CO2 ausstoßen, das allgemein als klimaschädlich gilt. Aktuell liegt die Grenze bei 130 Gramm pro Kilometer. "Bei einem SUV-Marktanteil von 15 Prozent könnte das gerade noch erreichbar sein, aber bei 30 Prozent und mehr SUVs unter den Neuwagenverkäufen werden die Ziele mit den bisherigen Antriebstechniken nicht zu erreichen sein", teilten die Experten des Instituts mit.

Als Beispiel nennt die Studie einen VW Golf mit 105-PS-Dieselmotor und den kompakten SUV VW Tiguan mit nur 5 PS mehr. Der CO2-Unterschied ist mit 139 zu 99 Gramm pro Kilometer erheblich und liegt bei fast 30 Prozent besserem Wert.

Sollten die Hersteller die 95-Gramm-Grenze verfehlen, geht das den jetzigen Plänen zufolge ins Geld - und kratzt am Image. "Entweder die Autobauer finden eine technische Lösung - etwa Plugin-Hybride - oder es stehen nach dem Jahr 2020 hohe EU-Strafzahlungen an", heißt es in der Studie weiter.

Für die Autokonzerne könnte das in einem Dilemma enden - denn ihre Wachstumsperspektiven hängen auch am SUV-Trend. Bei Porsche etwa lag der globale SUV-Anteil 2012 bei 53 Prozent. Grund ist der Verkaufsschlager Cayenne, der 2013 einen kleinen SUV-Bruder, den Macan, bekommen wird. Der dürfte Porsches SUV-Anteil weiter anheben.

rom/dpa