Nach Regierungsbeschluss Auto-Ersatzteile könnten bald billiger werden

Kotflügel, Motorhauben, Außenspiegel: Bisher durften nur Autohersteller sichtbare Ersatzteile produzieren - und Preise vorgeben. Eine Gesetzesänderung öffnet den Ersatzteilmarkt für andere Firmen. Autofahrer könnten viel Geld sparen.

Ersatzteile könnten nach einer Gesetzesänderung der Regierung jetzt billiger werden
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Ersatzteile könnten nach einer Gesetzesänderung der Regierung jetzt billiger werden


Große Reparaturen am Auto könnten bald deutlich billiger werden. Die Bundesregierung hat jetzt beschlossen, den Ersatzteilmarkt für sichtbare Bauteile wie Kotflügel, Motorhauben, Außenspiegel oder Scheinwerfer für freie Hersteller zu öffnen. Ersatzteile könnten dadurch deutlich günstiger werden.

Ziel der Initiative von Justizministerin Katarina Barley (SPD) ist, dass Verbraucher bei einer Reparatur künftig zwischen den Originalersatzteilen ihres Autoherstellers und günstigeren Ersatzteilen von unabhängigen Herstellern wählen können. Dafür soll die Reparaturklausel im Designrecht eingeführt werden.

Regierung will Aussnahmeregelung

Bisher ist der Nachbau sichtbarer Ersatzteile für Zulieferer untersagt, denn die Hersteller können sich auf einen Designschutz berufen. Die Bundesregierung will nun eine Ausnahme einführen: Wenn das Ersatzteil zur Reparatur verwendet wird, soll der Designschutz wegfallen.

Die Automobilindustrie wertet das Vorhaben als "kritischen Eingriff" und sieht ihre Innovationskraft gefährdet. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) betonte, der Designschutz sei für Fahrzeughersteller und Zulieferer eine wichtige Voraussetzung für Investitionen in Innovation. Ein solcher Schutz sei notwendig, um Produktpiraten zu bekämpfen.

"Nachweislich können nachgebaute Ersatzteile sowohl die Sicherheit als auch den Werterhalt des Fahrzeugs beeinträchtigen und stellen damit einen erheblichen Kundennachteil dar", erklärte der Verband. Geschützt sind derzeit nicht nur Außenspiegel und Scheinwerfer, sondern auch etwa Türen und Stoßfänger.

cfr/dpa



insgesamt 43 Beiträge
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thermo_pyle 15.05.2019
1. Wie hieß noch gleich die...
...Software, die die Ersatzteilpreise neu berechnet hat, um die Gewinnspanne ins unermeßliche zu erhöhen ?! Ein Monopol für Automobilhersteller ist ein Selbstbedienungsladen... ich habe unlängst für einen DACIA Duster ein Lämpchen für die Mittelkonsolenbeleuchtung benötigt, eigentlich ein Centartikel, der mich beim Händler satte 8,70 Euro gekostet hat ! Radblenden, vorher um die 20 Euro, nach der Neuberechnung das Dreifache... Es wird dringendst Zeit, dass Teilehersteller wieder Ersatz liefern dürfen, die Hersteller verdienen schon genug an den Fahrzeugen...jedenfalls hier in Deutschland.
blackart 15.05.2019
2. Zubehörteile
mögen zwar im Zweifel günstiger sein, aber jeder, der schon mal z.B. einen Auspuff aus dem Zubehör montiert hat, weiß, dass es mit der Passform nicht unbedingt so genau genommen wird...! Aber an sich ist eine Marktöffnung nie verkehrt!
niroclean 15.05.2019
3. ...Schutzrechte sind...
...vielfach einfach nur die Monopolisierung bestimmter Güter für Unternehmen die sich den massenhaften Eintrag von Marken, Patente, Gebrauchsmuster etc. leisten können. In dem Umfeld Markenrecht lebt auch eine grosse Schar von Juristen ganz hervorragend. Abmahnungen sind schnell geschrieben und bringen ungeheuerlich viel Geld. Für kleinere Unternehmen sind diese ausufernden Schutzrechte ein existenzgefährdendes Minenfeld das ein normaler Mensch nicht mehr überblicken kann. Es wird Zeit das man dieses System ändert .
vogelskipper 15.05.2019
4. Es wird aber auch Zeit!
Natürlich gefällt das den Herstellern gar nicht, denn hier fällt eine gute Einnahmequelle, wo man pro Ersatzteil locker ein paar Hundert Prozent Profit machen kann! Ich hatte vor ca 2 Jahren eine Glühbirne für die Mittelkonsolenbeleuchtung bei VW für 79 Cent gekauft. Da sie neulich wieder kaputt war, kaufte ich erneut bei VW ein und dieses Mal, 2 Jahre später, kostet die gleiche Birne 2,89 €. Lockere 250% Preiserhöhung. Die Nachfrage ergab, dass die Ersatzteilpreise von VW erhöht wurden und dies deren Preisvorgaben seien. Dass das nicht nur bei Kleinteilen so ist, kann man sich ja denken. Und dass, wie von der Industrie behauptet, bei den Design-- und Entwicklungskosten eines Autos der zu erwartende Profit aus Ersatzteilen durch spätere Unfallreparaturen die Entwicklung eines neues Designs erst möglich macht, das halte ich für sehr Unwahrscheinlich.
marsman 15.05.2019
5. Richtig so!
Die Autoindustrie hat die bisherigen "Schutzrechte" schamlos ausgenutzt. Z.B. werden manche Ersatzteile gar nicht einzeln verkauft, sondern nur im teuren Bündel. Plastikabdeckung für den Spiegel gibt es nur mit dem kompletten Spiegel inklusive Elektrik. Das ist umweltschädlich und unverschämt. Wer es mit der Abzocke so übertreibt wie die Autoindustrie, schreit nahezu nach Gegenmaßnahmen.
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