Autoabgase 30 Prozent weniger CO2 - EU-Kommission beschließt Vorgaben für 2030

Autohersteller sollen den CO2-Ausstoß von Neuwagen bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent verringern. Das hat die EU-Kommission am Mittwoch beschlossen. Eine verbindliche Quote von Elektroautos ist vom Tisch.
Stau in Stuttgart

Stau in Stuttgart

Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / Sebastian Kahnert/dpa

Die Autohersteller in der Europäischen Union sollen die Kohlendioxid-Emissionen (CO2) ihrer Neuwagen bis 2030 um 30 Prozent senken. Die EU-Kommission hat am Mittwoch ihren Vorschlag für schärfere CO2-Grenzwerte für Autos und Vans beschlossen. Dies teilte sie in Brüssel mit. Derzeit reichen die Regeln bis 2021. Dann dürfen alle Modelle in der EU im Mittel nur 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Die neuen Zielvorgaben bauen darauf auf.

Wesentliche Punkte waren bereits vorab bekannt geworden.

  • Neuwagen sollen bis zum Jahr 2025 im Durchschnitt zunächst 15 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen, bis 2030 dann 30 Prozent. Ausgangspunkt ist der Ausstoß von 95 Gramm CO2 pro Kilometer bei Pkw und 147 Gramm bei leichten Nutzfahrzeugen. Die beiden Grenzwerte basieren allerdings auf einem alten Messverfahren, das mittlerweile durch einen realistischeren Fahrzyklus ersetzt worden ist.
  • Autoherstellern, die ihre Zielvorgaben reißen, drohen deftige Strafen. Die EU sieht 95 Euro für jedes zu viel emittierte Gramm CO2 vor - und zwar pro Auto. Bei Konzernen wie VW könnten so schnell viele Millionen Euro zusammenkommen.
  • Darüber hinaus will die Kommission, dass die Hersteller bis 2030 möglichst 30 Prozent Neuwagen mit Elektro- oder anderen alternativen Antrieben auf die Straße bringen. Im Gegenzug stellt sie 800 Millionen Euro zum Ausbau von Ladestationen für Elektroautos in ganz Europa bereit.
  • Statt der ursprünglich angedachten verbindlichen Quote für emissionsfreie Fahrzeuge setzt die EU-Behörde auf ein positives Anreizsystem: Wenn die Konzerne ihren Anteil an Modellen mit wenig oder gar keinen Abgasen rasch steigern, sollen sie beim Erreichen der CO2-Ziele Bonuspunkte bekommen. Dies gilt, wenn 2025 mehr als 15 Prozent und 2030 mehr als 30 Prozent ihrer verkauften Flotte emissionsarm sind.

Die Grünen kritisierten das Paket. "Der Vorschlag der EU-Kommission ist eine Mogelpackung", sagte ihr Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer. "Ganz offensichtlich haben die Lobbyverbände der Automobilwirtschaft bei der Kommission mal wieder ganze Arbeit geleistet." Gebe es zu schwache Vorgaben aus Brüssel, müsse die Bundesregierung auf nationaler Ebene nacharbeiten.

Trotz ihres offensichtlichen Lobbyerfolgs hält auch die deutsche Autobranche den beschlossenen Vorschlag der EU für fraglich. Die Idee, künftig keinen festen Grenzwert mehr zu vereinbaren, sondern stattdessen auf eine prozentuale Verringerung von CO2 zu setzen, stammt auch vom Branchenverband VDA. Trotzdem lehnt er den Vorschlag der Kommission ab: "Der vorgelegte Entwurf stellt die Automobilindustrie vor extreme Herausforderungen. Ob diese vorgeschlagenen CO2-Zielwerte zu erreichen sind, ist aus heutiger Sicht mehr als fraglich", schrieb der VDA in einer Stellungnahme.

Auch die CSU-Europaabgeordneten Angelika Niebler äußerte sich ablehnend. Strengere Grenzwerte plus strengere Messmethoden seien im Paket "nicht akzeptabel". Die Limits müssten machbar bleiben. Seit dem 1. September gilt für die Typzulassung von Neufahrzeugen in der EU ein neues Testverfahren, das zu realistischeren CO2-Werten im Labor führt.

Arias Cañete verteidigte das Paket im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Die Minderungsziele, die wir vorschlagen, lassen sich kosteneffizient erreichen", sagte der zuständige Kommissar. Er verwahrte sich auch gegen den Vorwurf, die Kommission sei vor der Autolobby eingeknickt. "Ich bin nicht unter Druck gesetzt worden, wir haben unsere Arbeit frei erledigt", sagte Arias Cañete. "Aber ich habe der Industrie zugehört, ich habe auf ihre Argumente gehört."

mhu/dpa/Afp
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