Elektromobilität EU-Kommission fordert europäische Batterie-Allianz

Batterien sind eine Schlüsseltechnologie der Energiewende - und Asien hat Europa bei der Entwicklung der Energiespeicher längst abgehängt. Die EU will jetzt kontern, doch die Erfolgschancen sind ungewiss.
Elektrofahrzeuge vom Typ BMW i3 werden aufgeladen

Elektrofahrzeuge vom Typ BMW i3 werden aufgeladen

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Es musste etwas Großes sein, um die Bedeutung des Vorhabens zu unterstreichen. Nichts weniger als ein Airbus-Projekt für den Batteriesektor wolle man aufbauen, sagte EU-Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic am Mittwoch nach einem Treffen mit rund 40 ranghohen Vertretern von Auto-, Chemie- und Technologiefirmen. "Man hat gesehen, was die europäische Zusammenarbeit mit der Luftfahrt angestellt hat", so Sefcovic. Jetzt wolle man "den gleichen Durchbruch und den gleichen Erfolg" im Bereich der Batterien.

Dass dergleichen notwendig wäre, bezweifeln wenige. Der Markt für Elektroautos wächst rasant, und auch die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen steigert die Nachfrage nach innovativen, effizienten Energiespeichern. Das Problem: Europa und insbesondere Deutschland können der Konkurrenz aus Asien und den USA wenig entgegenhalten. Nur ein Beispiel: Als der US-Elektroautohersteller Tesla im Juni in seiner "Gigafactory" in Nevada mit der Batteriezellen-Produktion begann, ging zur gleichen Zeit Deutschlands letzte Batteriezellen-Fabrik pleite.

Europa brauche mehrere Giga-Fabriken

Dieser Entwicklung will die EU-Kommission nicht länger zusehen. Sefcovic kündigte einen "Fahrplan für eine industrielle Strategie" an. Immerhin gehe es um bis zu fünf Millionen Arbeitsplätze und einen Markt, der im Jahr 2025 rund 250 Milliarden Euro schwer sein könnte. Ihn könne man unmöglich der Konkurrenz überlassen, so Sefcovic. Er fordert "mehrere Giga-Fabriken" und eine "europäische Batterie-Allianz", um die Forschung auf dem Gebiet anzukurbeln.

Ähnlich äußerte sich der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD), der nach dem Batteriegipfel gemeinsam mit Sefcovic und Kolleginnen aus Frankreich und Polen vor die Presse trat. "Wir brauchen keine Machbarkeitsstudien mehr, sondern eine klare politische Zielsetzung", so Machnig. Wolle man eine der weltweit führenden Regionen für die Automobilherstellung bleiben, brauche man eine europäische Versorgungskette, von der Batteriezelle bis zum Fahrzeug. "Wir sind spät dran in Europa", sagte Machnig. "Wir müssen Investitionen auslösen."

Sefcovic stellte gar in Aussicht, dass die Kommission staatliche Beihilfen erlauben könnte, um der heimischen Industrie bei der Aufholjagd auf die internationale Konkurrenz zu helfen. Infrage komme das Instrument für wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse (IPCEI), das trotz der strengen Staatsbeihilfe-Regeln der EU Subventionen ermöglichen könnte.

Die Ökobilanz von Elektroautos ist noch fragwürdig

Den eigentlichen Grund für die Offensive in der Elektromobilität hatte erst am Mittwoch die EU-Umweltbehörde EEA erneut verdeutlicht: Eine Studie hatte ergeben, dass die Feinstaub-Belastung der Luft zu rund 400.000 vorzeitigen Todesfällen in der EU führt, davon 66.000 allein in Deutschland. Der Straßenverkehr ist daran beteiligt, doch gehören zu den Quellen auch die Landwirtschaft, Fabriken und vor allem Kohlekraftwerke.

Wie sehr die Belastung sinkt, wenn Elektroantriebe die Verbrennungsmotoren in Autos ersetzen, hängt aber entscheidend davon ab, wie gut die gesamte Ökobilanz des Elektroautos ist. Und die sieht derzeit alles andere als gut aus . So hat eine Studie des schwedischen Umweltinstituts IVL ergeben, dass bei der Herstellung eines Akkus mit einer Kapazität von 100 Kilowattstunden 15 bis 20 Tonnen Kohlendioxid entstehen. Ein sparsamer Kleinwagen mit Benzin- oder Dieselmotor müsste bis zu 200.000 Kilometer fahren, um die gleiche Menge an Treibhausgas auszustoßen.

Wichtig für den Umwelteffekt wäre zudem, dass der Strom für die Batterien aus erneuerbaren Quellen kommt. Doch davon könnte selbst in Deutschland mit seinem hohen Ökostromanteil kaum die Rede sein angesichts des gewaltigen Strombedarfs einer wachsenden Flotte von E-Autos. Und erst recht nicht in anderen EU-Ländern, in denen ein noch weit größerer Prozentsatz des Stroms aus der schmutzigen Verbrennung von Kohle stammt, wie etwa in Polen.

Anfang November stellt die EU neue Emissionsziele für Autos vor

Daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern, wie Jadwiga Emilewicz, Polens Vizeministerin für wirtschaftliche Entwicklung, in Brüssel klarstellte: "In Polen wird die E-Mobilität von Kohle angetrieben."

Das dürfte in Zukunft zu interessanten Diskussionen führen. Denn die EU-Kommission halte nicht nur an dem Ziel fest, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, wie Sefcovic betonte. Anfang November werde man auch "sehr ehrgeizige neue Emissionsziele" vorstellen. Die Rede ist unter anderem von 35 Prozent weniger CO2-Ausstoß im Straßenverkehr bis zum Jahr 2030.

Eine Quote für Elektroautos sei dagegen nicht geplant, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Donnerstag. Er dementierte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wonach die Behörde eine Quote von mindestens 15 Prozent aller Neuwagen für 2030 verhängen will, die mit Elektromotoren oder anderen emissionsfreien Antrieben fahren sollen.