EU-Vergleich Autos in Deutschland besonders teuer

Neue Autos sind in Deutschland im europäischen Vergleich am teuersten. Nach der aktuellen Aufstellung der EU-Kommission haben die bisher von Brüssel verhängten Strafgelder daran nichts geändert.


Brüssel - Für die Hälfte der gängigen Modelle müsse in Deutschland besonders tief in die Tasche gegriffen werden, teilte die EU-Kommission in ihrem aktuellen Preisüberblick mit. Demnach sind hier zu Lande 40 von 81 Modellen um mehr als 20 Prozent teurer als auf mindestens einem anderen Markt der Euro-Zone. Laut Kommission fahren PSA (Citroën/Peugeot), Fiat, VW (Volkswagen und Seat), Ford, Opel und einige japanische Hersteller eine "Hochpreispolitik".

Teure Pflaster für den Autokauf sind auch Österreich und - außerhalb der Euro-Zone - Großbritannien. Die Vorsteuer-Listenpreise zum 1. November 2001 unterschieden sich innerhalb der zwölf Länder umfassenden Euro-Zone um bis zu 41 Prozent. In Österreich etwa lagen die Listenpreise von 31 Modellen um ein Fünftel über dem billigsten Land. Untersucht wurden die Modelle von 24 Herstellern, darunter alle großen Anbieter.

Besonders günstig sind Neuwagen dem Bericht der Kommission zufolge in Spanien, Griechenland und Finnland. Auch das nicht zur Euro-Zone gehörende Dänemark gilt als preiswert.

Die EU-Kommission sieht sich nach eigenen Angaben bestärkt, den Wettbewerb im Autovertrieb anzukurbeln. "Die festgestellten Preisunterschiede bestätigen, dass es bei den Marktbedingungen im Kraftfahrzeugsektor erheblichen Spielraum für Verbesserungen gibt", erklärte Wettbewerbskommissar Mario Monti.

Die Kommission will erreichen, dass sich Autohändler und Werkstätten mehr Konkurrenz machen. Händler könnten etwa ihre festgelegten Vertriebsgebiete verlieren. Die von der Kommission erlassene Kartellausnahme für den europäischen Autovertrieb läuft Ende September aus. Bis dahin muss eine Lösung für die so genannte Gruppen-Freistellungsverordnung für den KfZ-Sektor gefunden werden.

Die EU-Kommission erhält nach eigenen Angaben immer noch zahlreiche Kundenbeschwerden aus Großbritannien wegen Schwierigkeiten beim Autokauf in einem anderen Mitgliedstaat der Union. Häufig beklagt wurden nach den Angaben hohe Preisaufschläge für die Rechtslenkung und lange Lieferzeiten.

Die Kommission hatte im vergangenen Herbst gegen DaimlerChrysler ein Bußgeld von 71,25 Millionen Euro wegen Behinderung grenzüberschreitender Autoverkäufe verhängt. Im Gegenzug hatte Brüssel die Verbraucher stets ermuntert, von günstigen Angeboten in der EU Gebrauch zu machen; Marktabschottung wird deshalb streng geahndet. VW hatte 1998 in einem ähnlichen Fall 1998 ein Strafgeld der EU von rund 200 Millionen DM erhalten. Offen ist weiterhin, ob gegen Peugeot und Renault derartige Verfahren eröffnet werden.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.